Leopold Günther (1830-1910) – Ehrenbürger der Stadt Groß Schönau
Am 22.12.1899 ernannte die Gemeinde Schönau den Oberlehrer Leopold Günther u.a. für seine Verdienste um die Errichtung der neuen Volksschule in Schönau zu ihrem Ehrenbürger. Einen ersten Lebenslauf von Leopold Günther veröffentlichte der unvergessene Erhard Marschner 1974 in dieser Zeitschrift. Heute wollen wir Leopold Günther jedoch selbst zu Wort kommen lassen, hat er uns doch in der Schulchronik von Schönau (Teil 1) einen anschaulichen Lebenslauf überlassen, als er im Jahr 1881 zum Oberlehrer von Schönau ernannt wurde.
„Ich bin im Jahr 1830 hier in Schönau geboren wo mein Vater, ein Schneider, das Haus Nr. 310 besaß. Mein Studium machte ich in Leitmeritz und erhielt Juli 1848 das Zeugnis als Gehilfe für Latein (?) schulen. Über das Jahr 1849 aber blieb ich in Leitmeitz, um mich zur Prüfung für Hauptschulen vorzubereiten. Da aber meine Eltern in meinem Vorhaben mich nicht mehr unterstützen konnten, sah ich mich zu Weihnachten 1849 um eine Unterlehrerstelle um und fand eine solche im Grunde bei Georgenthal durch den schon dort angestellten Jugendfreund, Herrn Johann Hille, ebenfalls gebürtig aus Schönau, der aber jetzt Bezirksschulrat in Luditz ist.
Allhier nach einem Vierteljahr meiner Anstellung dort starb der damalige Unterlehrer Wilhelm Dietrich in Schönau und nach dessen Tode nahm ich auf Wunsch des damaligen Oberlehrers meines Geburtsortes, Herrn Karl Richter, und meiner Eltern den mir angebotenen Unterlehrerposten in Schönau an.
Mir wurde damals die Nebenschule in Niederschönau (vormittags) und die Nachmittagsklasse in der Pfarrschule zugewiesen. Nach dem Abgange des 1. Unterlehrers Franz Schür im Jahr 1857 nach Hilgersdorf fungierte ich als alleiniger Unterlehrer durch ein ganzes Jahr, vormittags die Schule in Niederschönau und nachmittags die Grafenwalder Schule.
Das war wohl genug Arbeit bei der zu damaliger Zeit sehr geringen Entlohnung, welche bestand in der ganzen Beköstigung und nach ½ fl weniger 3 Pfennige, Wochenlohn. Nebst diesem waren die Unterlehrer als Meßner auf die milden Gaben angewiesen, welche freundliche und mitleidige Gevattern und Wöchnerinnen ihnen in der Kirche zukommen ließen.
Was würde mancher junger Lehrer von heute, dessen besseres Einkommen öfters nicht zureichen will, zu jener Zeit angefangen haben…
Im Jahr 1859 verheiratete ich mich und übernahm endlich nach dem Tod meines Schwiegervaters [1876] dessen Haus Nr. 319 in Schönau. Nachdem mir auf dieser Weise Schönau doppelt lieb geworden war, ging mein Sehnen und Trachten dahin, in meinem lieben Geburtsorte zu bleiben und ich schlug auch deshalb einige mir angebotene Lehrerstellen aus.
Im Frühjahr 1881 suchte mein verehrter Herr Vorgänger um Versetzung in den bleibenden Ruhestand ein, was ihm im Mai desselben Jahres bewilligt wurde, und nach ihm erhielt ich mittels Dekret aus Prag auch meine Anstellung als Oberlehrer von Schönau, nachdem ich an der hiesigen Schule schon über 31 Jahre ununterbrochen gewirkt hatte.
Ende August übersiedelte ich aus meinem Hause Nr. 319 in das neue Schulgebäude [Nr. 387], um hier das neue Schuljahr zu beginnen, und ein sehnlicher Wunsch der Kinder sowie der Lehrer ging somit in Erfüllung.
Im Herbst 1882 wurde die Schule in Niederschönau geschlossen und die betreffenden Kinder mußten in die Schule in Mittelschönau gehen.“ Soweit Leopold Günthers eigene Worte.
Mit dem 30.08.1900 erfolgte die Versetzung von Oberlehrer und Schulleiter Leopold Günther in den bleibenden Ruhestand. Nachfolger wurde der Schönauer Lehrer Robert Strobach. Am 22.08.1900 übersiedelte der pensionierte Oberlehrer Günther aus dem Schulhaus Nr. 387 in sein eigenes Haus Nr. 319 in Schönau, „nachdem er durch 18 lange Jahre in ersterem gewohnt und die Licht- und Schattenseiten im Amte eines Schulleiters genügsam genossen und Freud und Leid, Ehrentage aber auch schwere Schicksalschläge während dieser langen Periode erlebt hatte“.
Leopold Günther war verheiratet mit Theresia (1836-1889), einer Tochter des Bandwarenerzeugers Josef Hille in Schönau Nr. 319. Die Eheleute hatten neun Kinder (fünf verstarben bereits sehr jung), von denen der älteste Sohn Leopold Anton Günther ebenfalls Lehrer wurde und viele Jahre in Prachatitz wirkte. Über dessen Leben und das Wirken seines Sohnes Oskar Günther berichtete Erhard Marschner in dem bereits genannten Aufsatz ausführlich. Der zweitälteste Sohn Josef Clemes Günther wurde Finanzkommissar in Reichenberg. Die Tochter Marie heiratete Josef Konrad aus der Ernst-Färbe, einem Onkel des Chordirektors Hermann Konrad. Der jüngste Sohn Stefan, ebenfalls Lehrer in Schönau, verunglückte jung im Jahr 1897.
Von Oberlehrer Leopold Günther ist ein Foto erhalten geblieben, das diesen Beitrag in hervorragender Weise abzurunden hilft.

Leopold Günther 1830 – 1910
Literatur:
E. Marschner, Günther Johann Leopold. In: Groß-Schönau (Frankfurt, 1988) S. 40 (Denkwürdige Persönlichkeiten)
E. Marschner, Leopold Anton Günther, Komponist und Gymn. Professor. In: Unser Niederland Folge 310, 1974, S. 28-29.
E. Marschner, Die Ehrenbürger der Stadt Groß-Schönau. In: Unser Niederland, Folge 314, 1974, S. 77.
Feedback bitte an: feedback@hille-family.org