Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Hillen Alis’n Kreuz

Flur- und Wegekreuze gehören noch heute zu den anschaulichsten und beeindruckenden Zeugen einer weitverbreiteten und tief im religiösen Leben der Menschen verwurzelten Volksfrömmigkeit. Nach dem bereits über zwei Flurkreuze mit eher individuell geflegten Traditionen berichtet wurde, soll hier ein Wegekreuz vorgestellt werden, das Teil einer gemeinschaftlich geübten Frömmigkeit war. Hillen-Alis‘n-Kreuz, oder verständlicher ausgedrückt: das Kreuz von Alois Hille, ist heute so wie viele andere nur noch rudimentär erhalten. Der Steinsockel ist noch vorhanden, der originale Korpus fehlt allerdings schon viele Jahre. In letzter Zeit wurde jedoch der Steinsockel durch eine neue farbige Figurengruppe ergänzt, so dass seine ursprüngliche Funktion wieder deutlich sichtbar wurde.

Das Kreuz befindet sich an einem Weg, der an der Schönauer Landstraße unterhalb der Bandfabrik von Alois Hille beginnt (Nr. 425, heute eine Autowerkstatt), zum Haus Nr. 33, ehemals Botzenschneider, führt und dort auf den inneren Dorfweg trifft. Bereits nach ca. 55 m, noch auf dem ersten Wegeabschnitt, erreicht man das Kreuz. Dort bog früher im rechten Winkel in südlicher Richtung ein katastermäßig noch erhaltener, weiterer Weg ab, der zum inzwischen abgerissenen Haus Nr. 27 „Schieferdecker-Riedel“ führte.

Hillen-Alissen-Kreuz gehörte zu den Wege- und Flurkreuzen, die im Zuge der Bitt-Tag-Prozessionen an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt besucht wurden. Die religiösen Prozessionen begannen jeweils früh nach der Heiligen Messe und berührten folgende Stationen:

1. Tag: Elsners Kreuz – Dschosch-Bauersch Kreuz – Kesselschmid-Horlts-Kreuz – Kreuz beim Nickelkontor

2. Tag: Stains Kreuz – Onkel-Alisn-Kreuz – Barg-Ramsch-Kreuz – Saln-Hons-Kreuz

3. Tag: Franzn-Kreuz – Blum‘n-Röslrsch-Kreuz – Hampel-Gartnersch-Kreuz – Kreuz neben der Osterreiterstiege

Während man von einigen Kreuzen wohl gar keine Spuren mehr findet und von einigen nicht einmal mehr den genauen Standort kennt, ist die Kenntnislage bei Hillen-Alis‘n-Kreuz weitaus besser. Das beginnt schon damit, dass das Jahr seiner Errichtung bekannt ist: Auf dem Sockel ist die Jahreszahl 1847 angebracht. Errichten ließ das Kreuz Franz-Josef Hille, Bandfabrikant und Schulaufseher in Schönau Nr. 114, Bruder des Leitmeritzer Bischofs Augustin Bartholomäus Hille und gemeinsam mit seinem Bruder Ambros Hille Inhaber einer Bandwarenfabrik in Schönau. Sein Grabstein ist noch heute an der nördlichen Wand des Schönauer Kirchturm erhalten, inzwischen auch restauriert, wenn auch dabei der Geburtsname seiner Frau Gertrud, eine geborene Frind, verunstaltet wurde. Zu jener Zeit, also 1847, wohnte Franz-Josef Hille in Schönau Nr. 114, einem großen Umgebindehaus, in dem wohl auch die Bandwarenerzeugung stattfand. Möglicherweise korreliert das Datum des Kreuzes auch mit der Inbesitznahme des Grundstücks Nr. 27 durch die Familie Hille, da hier spätestens ab 1850 der Bandfabrikant Augustin Hille, ein Sohn von Franz-Josef Hille, als Bewohner nachweisbar ist.

Durch glückliche Umstände sind Photos erhalten geblieben, die die damalige religiöse Nutzung des Kreuzes im Zuge der Bitt-Prozessionen sehr schön veranschaulichen. Zu sehen ist auf dem einen Bild ein vor dem Kreuz aufgestellter und mit einem weißen Tuch bedeckter Altartisch, der offensichtlich mit Kerzen und Blumen geschmückt ist (Bild 1).

Das zweite Bild zeigt das Kreuz von der Rückseite. Es sind hier zwei Töchter von Alois Hille jn., dem Urenkel von Franz-Josef Hille, zu sehen.

Über die Gründe, warum Franz Josef Hille dieses Kreuz errichten ließ, schweigen die Quellen. Man mag es als Zufall ansehen, dass Carl Menzel bei der Osterreitertreppe südlich der Schönauer Kirche im selben Jahr 1847 ebenfalls ein Kreuz errichten ließ. Jedoch ist zu beachten, dass von den meisten Kreuzen nicht bekannt ist, wann und durch wen sie errichtet wurden.

Wenn auch nur ein Teil von ihnen in das öffentliche religiöse Leben der Gläubigen einbezogen worden sein mag, so gehen wir sicherlich nicht fehl, bei den anderen Kreuzen zumindest eine familiäre Frömmigkeitspflege zu unterstellen. So oder so sind sie auch heute noch anschauliche Erinnerung an die damalige Volksfrömmigkeit und somit Denkmale des religiösen Lebens der ehemaligen Bewohner von Groß Schönau.

Hillen Alis*n Kreuz, geschmückt für eine feierliche Prozession (um 1940)

Rückseite des Kreuzes, davor zwei Töchter von Alois Hille jn. (um 1940)

links im Bild Schönau Nr. 27

Hillen Alis*n Kreuz, Inschrift auf der Rückseite des Sockels

(Aufnahme M. Turyna, Velky Senov)

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