Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Die Wahl-Färbe in Schönau Nr. 131

Schönau Nr. 131, die spätere Wahlfärbe, war ein bemerkenswerter Akteur in der Industriegeschichte von Schönau. Das Anwesen gehörte wie einige weitere Grundstücke im Umfeld des Hauses Schönau 133 „Kohlen-Ram’sch“ ursprünglich zu Leopoldsruh und ist mit diesen um 1770 nach Schönau umgeschrieben worden und erhielt erst dann die Hausnummer 131. Das ganze 18. Jahrhundert und die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhundert über lebte hier eine Familie Paul. Der letzte Eigentümer, Josef Paul, verkaufte das Anwesen nebst dem dazugehörenden Grasgarten im Jahr 1837 an Franz Josef Hille. Das war ein Bruder von Bischof Augustin Hille und mit seinem Bruder Ambros Hille Inhaber der Bandweber-Firma Gebrüder Hille in Schönau. Nach der Hochzeit seines Sohnes Augustin im Jahr 1840 zog dieser in dieses Haus und bekam hier seine Kinder. Im Jahr 1849 erwarb Augustin als Bandfabrikant schließlich das Haus von seinem Vater. Augustin starb allerdings schon 1855 und zwei Jahre später übernahm das Haus sein Bruder Johann. Anders als Augustin war Johann ein Färber, ein Beruf der ja auch eng mit der Bandweberei verbunden war. Eine alte Familienchronik berichtet, dass Johann die Färberei schon im Jahr 1847 gegründet habe. Diese war zunächst in Schönau Nr. 27 angesiedelt, da in den Folgejahren die Färbergattin Amalia Hille dort wohnhaft als Patin auftritt. Über die frühe Geschichte der Färberei ist außer dem Gründungsjahr 1847 nichts weiter bekannt. Gefärbt wurden alle Arten von Baumwollgarnen, Leinengarn, Wollgarn, Seide, wollende und halbwollende Stoffe in allen möglichen Farben. Seit dem Jahr 1850 betrieb Johann Hille seine Färberei allerdings in Schönau Nr. 131.

Nach dem Tod von Johann Hille 1865, auch er verstarb jung mit 51 Jahren an den Blattern, verpachtete die Witwe Amalia die Firma, wobei sie jedoch bittere Erfahrungen machte. 1869 wurde die Firma schließlich an Johann Wahl aus Hainspach verpachtet, der im Jahr darauf die Witwe Amalia heiratete. Als Amalia 1881 verstarb, verehelichte Johann Wahl sich erneut. Seine zweite Frau war die Kaufmannstochter Franziska Zimmer.

Unterlage aus dem Bauarchiv lassen zahlreiche bauliche Erweiterungen und Umbauten erkennen. Aus dem Jahr 1874 ist die erste Baumaßnahme nachweisbar, als Johann Wahl eine Wagenremise errichten ließ. 1885 wurde als neue Energiequelle eine Dampfmaschine eingebaut, die 10 Jahre später um einen zweiten Dampfkessel erweitert wurde. 1904 arbeiteten in der Firma 20-25 Arbeiter. In jenen Jahren gab es mehrere bauliche Erweiterungen. U. a. wurde ein Arbeitssaal mit Kesselhaus und der 19 m hohe Schornstein errichtet. Der Schornstein hat über viele Jahrzehnte das Bild in diesem zentralen Teil des Ortes geprägt. Im Zusammenhang mit den Erweiterungen mußte der Dorfbach um wenige Meter nach Norden verlegt werden, da er ansonsten durch die neuen Gebäude überbaut worden wäre. In den Jahren 1934/1924 erfolgten weitere Neubauten.

Johann und Franziska Wahl hatten vier Kinder. Vom Sohn Johann Nepumuk Wahl ist bekannt, dass er 1922 in Rumburg mit Elisabeth Wentzel getraut wurde, die 1943 nach dem Tod ihres Ehemanns den Edmund Marschner, Mitinhaber der Schönauer Adler-Knopf-Fabrik, heiratete.

1945 endete mit der Vertreibung der Familie auch der Betrieb der Färberei. Der Gebäudekomplex wurde im Jahr 1951 abgetragen.

Schönau Nr. 131 – Bauzeichnung aus dem 1904 über einen Anbau
und die Errichtung eines 19 m hohen Schornsteines

Lageplan aus dem Jahr 1940 – der Bach verlief ursprünglich unter Haus 10
und wurde daher nach Norden umverlegt

Die Wahlfärbe in Schönau Nr. 131 – mit 19m hohem Schornstein.
Im Hintergrund ist Schönau Nr. 127 zu sehen

Grabstein der Familie Wahl

Anna Wahl, geb. Ernst, verw. Hille, als erste der Bestatteten

[Sammlung Turyna VS]