Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Liehr-Chronik

Erinnerungen eines alten Schönauers / Liehrschmied/

Da nun das 19. Jahrhundert vorüber ist und die Schönauer Gemeinde keine Chronik besitzt, so habe ich mir vorgenommen, darüber zu berichten, soviel sich ermitteln liess, was ich erfahren habe und was ich von alten Leuten erfahren habe. In meiner Jugend hatte ich oft Gelegenheit, mit alten Leuten darüber zu sprechen, zu hören, was sie von ihren Eltern und Grosseltern gehört hatten. Die alten Leute sahen es gerne, wenn die Jungen Leute darauf hörten. Wenn sie nun so erzählten, so gab jeder gerne etwas zum besten. Er wollte zeigen, dass auch er was weiß von alten Zeiten und waren Männer dabei, welche beinahe in der Mitte des 18. Jahrhunderts geboren waren. Wenn ein solcher alter Mann sagte, was er von seinen Eltern oder Grosseltern gehört hatte, so griff er sicher 1oo Jahre zuruck und wir jungen Leute glaubten ihm auch alles, weil wir sie achteten. Denn diese alten Leute waren gerade keine Dichter, es waren so alte, schlichte Leute, noch nicht so gelehrt, wie die heutigen sind. Ich war selbst auch ein Beobachter von der Zeit, in der ich lebte, aber auch mit dem heutigen Gedächtnis. Ich bin zwar erst 1824 geboren, zum Frühjahr 77 Jahre alt.

Es sind in Schönau, Leopoldsruh und Klein-Schonau noch 10 Männer am Leben, welche älter sind wie ich, darunter einer mit 95, der andere mit 9o, dann 4 Männer mit 83 und 84 Jahren. Ich glaube nicht, dass einer von den Alten, welche älter sind wie ich, sich damit befasst, der Nachwelt etwas von ihrem Wissen zu hinterlassen, darum befasse ich mich damit, ob es ein anderer besser weiss als ich, darum kümmere ich mich nicht. Es soll ein jeder nach seinem Wissen es sagen, wie er es weiss. Ich schreibe, wie ich es gehört habe, wie folgt: Schönau ist am Anfänge dieses Jahrhunderts /19./ ein Bauerndorf ohne Industrie, keine Fabrikation ist da, die Leute lebten viel vom Spinnen, aber auch vom Feldbau, auch gab es damals viele Einwohner im Orte, welche nach Georgswalde, Rumburg und Schluckenau arbeiteten. Sehr stark waren damals die Reiseleute vertretend, es waren Schleifer, Siebmacher. Diese reisten nach Sachsen, Preussen, sogar bis nach Hamburg. Die meisten gingen nur bis nach Sachsen oder Preussen. Die, welche nach Preussen reisten, kamen alle an einem Tage nach Hause und zwar am Thomasabende, zu Weihnachten. Die nur bis Sachsen reisten, kamen jährlich mehrmals nach Hause und sie reisten aber alle so anfangs März wieder fort, wenn in der Kirche das Evangelium verlesen wurde: Christ treibt die Teufel aus. Wenn sie verreisten, nahmen sie Waren von hier mit, auf Schubkarren luden sie diese auf: Sensen, Sicheln, Wetzsteine, Siebboden, Messer, Scheren, aber auch noch manche andere Waren. Sie brachten viel Geld ins Land, man wurde aber nicht reich durch ihre Kundschaft, sie waren sehr karg in ihren Ausgaben, aber sehr wichtig hatten sie es, sie taten sehr gross, ihre Weiber lebten zu Hause sehr spärlich, aber sie hatten keine Not, sie hatten die grösste Ordnung in allem. Aber es war in den 49er Jahren, da durften sie nicht mehr nach Preussen, die sich nicht konnten ansässig machen. So zogen viele Familien nach Preussen und verkauften hier ihre Hauser. Die bloss nach Sachsen reisten, die reisten noch. Damals gab es auch viele, die Zwirnge-schäfte hatten, diese betrieben es aber im Grossen. Sie fuhren grosse Wagen mit 4 und 6 Pferden bespannt nach Frankfurt oder Leipzig, wo sie ihren Absatz haben. Diese wurden alle reich. Der alte Endler war in einem solchen Geschäfte bedienstet, beim Schneider in Grafenwalde. Er erzählte selbst manchmal, er war zur Wechselbank geschickt worden in Frankfurt, hatte sollen loooo Taler umwechseln. Wie er nach Hause kam, hatte er stets Ein- und Zweitalerstücke in Packeten, so hatte er immer loooo oder 2oooo Taler im Besitze. Das ging ihm im Kopfe herum, ob er es sollte behalten oder zurücktragen, er traute nicht, dass er noch per Schub nach Hause befördert werden konnte. Bei ihm siegte das Gewissen und er brachte das Geld wieder zurück. Er hatte furchtbare Grobheit bekommen und die Geldrollen hatten sie bösartig in die Fächer hineingeworfen. Er hatte sich furchtbar geärgert, dass er sie wieder hingetragen hatte. Er sagte, wenn er zuwenig bekommen hatte, so hätte er auch nichts zurückbekommen. Zu Anfang des 19. Jahrhundert war in Schönau Besitzer des Alten Gerichtes Johann Endler. Er war zugleich Richter. Der war im Dorfe für einen bösen Mann gehalten. Damals war das Rekrutenhaschen gebräuchlich. Der Endler schonte keinen, ob er zu Hause alte Eltern zu versorgen hatte oder nicht, er nahm, wen er bekam, sie wurden grösstenteils abends im Bette überfallen, da half kein Bitten. Er hatte zum Haschen meist 3-4 mit sich. Eine Witwe hatte 3 Söhne, der Vater war schon mehrere Jahre tot. Die Söhne mussten nun das Brot verdienen. Fiel einer dem Richter in die Hande, der musste gleich nach Leitmeritz. Nachdem er der armen Witwe den ersten genommen, holte er den zweiten und bald den dritten. Da soll die Frau furchtbare Ver-wünschungen gegen den alten Endler ausgestossen haben, man hiess sie gewöhnlich die alte Agnes/lange/, ihren Mann hiess man den langen August. Das Haus war von der Kirche übers Dorf hinüber, heute ist es eine Färberei, der jetzige Besitzer ist Ernst Konrad. Einer von den drei Söhnen war August Liebisch, Bandfabrikant in Leopoldsruh. Der alte Endler soll 181o gestorben sein und hatte einen schweren Tod. Wie er den ersten Tag im Sterben lag, stand seine Familie am Bette, aber er konnte nicht sterben, so verging auch der zweite Tag. Am dritten Tage kam einer auf den Gedanken: Wir wollen zur langen Agnes gehen und sie bitten, dem Sterbenden zu verzeihen. Sie aberliess sagen, dass sie nicht komme, der habe es verdient, der mag nur büssen. Am vierten Tage liess man sie wieder durch einen Boten bitten, aber sie kam nicht. Am fünften Tage ging wieder ein Bote und dieser wich nicht, bis Agnes mit ging. Wie sie zur Tür eintrat, stellte sie sich zum Bette, da starb er sofort. Wie er aber begraben war, hiess es bald im Dorfe, der alte Endler spuckt. Damals fingen die Richter auch Männer von Weibern und Kindern weg. Die Männer kamen nur zur Landwehr. Sie lernten das Exerzieren auf Endlers Wiese.

In dieser Zeit gab es auch in Schönau einen sehr reichen Mann, Endler mit Namen. Er war Kaufmann und wohnte in dem Hause, das heute dem Dominik Liebisch gehört. Er war aber auch gut mit dem Grafen Salm. Im Winter war der Graf gewöhnlich in Prag. Da kam dieser einmal mit einem anderen Grafen auf die Rede, wer wohl den reichsten Mann auf seiner Herrschaft habe. Darauf sagte Graf Salm, den werde wohl er haben. Da hatte der andere Graf gesagt, den werde wohl er haben. Salm erwiedert: Ich wette mit dir, dass der meine reicher ist. Da kam es auch wirklich zur Wette. Nun kommen die beiden nach Hainspach. Graf Salm schickt seinen Diener nach Schönau zum reichen Endler, liess sich empfehlen und fragen, ob er nicht könnte genannte Summe geborgt erhalten. Darauf erwiderte Endler: Ich lasse Excellenz sagen, wenn er das Geld werde holen lassen, so möge er nur auch sagen lassen, in welcher Münze er das Geld wünsche. Wie der Bote mit dieser Botschaft kommt, sagt der fremde Graf: Das kann mir auf meiner Herrschaft nicht passieren, du hast die Wette gewonnen. Der Endler hatte aber auch eine sehr eitle Frau. Und weil sie so reich war, so wurde sie auch von Bettlern recht geplagt. Deshalb liess sie das Wohnhaus samt dem Garten bis hinaus an die Strasse mit einer Mauer umgeben, gerade so wie sie um den Friedhof ist. Wie ich in die Schule ging, da stand sie noch, aber schon teilweise sehr beschädigt. Die Leute sagten, dass, seit die Mauer fertig, Glück und Segen gewichen seien. Das Reichsein hatte nach und nach aufgehört. Aber Anfang des vorigen Jahrhunderts mochten sie noch sehr reich sein. Sie hatten zwei Sohne: Der eine hiess Josef, der andere Nikolaus. Beim Nachbar, der Backer war und Herlt hiess, hatten sie einen Sohn, der auch Josef hiess. Dieser verkehrte viel mit Endlers Josef. Er ging oft zu Endlers in Gesellschaft und im Hofe hatten sie immer ihren Kommers. Dort war ein grosses Fass an der Stallwand gelegen, auf dieses Fasswaren die Buben oft hinauf und herunter gesprungen, bis mit der Zeit das Fass entzwei ging. Eines Tages brach der Boden durch. Da fielen lauter Zwanziger durch. Als Herlt wieder zurück kam, war das Fass verschwunden. – In kurzer Zeit darauf ist der alte Endler und seine Frau gestorben. Die zwei Söhne waren nun allein. Jeder Sohn erhielt noch ein Erbteil von 2oo fl. Der grosse Sohn Josef ging nach Röhrsdorf bei Hainspach, er machte Quirle für Hausfrauen. Der kleine Nikolaus war Bandweber und ging nach Klein Schönau; zu dem damaligen Bandwarengeschaft Frind. Man hiess die Banderzeuger nur „Wienzieher“. Sie hatten nur noch 6-7 Stühle gehen. Da machte Nikolaus grössteteils den Hausknecht . Damals gab es hier in der Gegend keine Zeitung. Das nächste Blatt war die Löbauer Zeitung, sie betitelte sich „Abendglück „. Dieses Blatt besorgte Endler Nikolaus, in Schönau hatte er 16 Abonennten. Es erschien die Woche einmal und kostete 3 Pfennige. Wie Nikolaus dann alt wurde und nicht mehr konnte, kam er in sein väterliches Haus, wo er Quartier hatte. Er war ledig. Daheim lebte er nur eine kurze Zeit. Hinter der Johannesstatuewar so eine kleine Vertiefung. In dieser lag er eines Morgens tot. Josef war schon früher gestorben.

Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde für die Schönaue Kirche ein neues Altarbild geschaffen. Da wurden zwei Manner von Schönau nach Dresden geschickt in die Bildergalerie. Der eine war der Kirchtischler Hofmann. Der war sehr geschwätzig, manchmal hatte er ein Wort weglassen können. Er hatte bei diesem Bildbestellen auch mehr gesprochen als notwendig war. Da mochte ihn ein Maler aufgenommen haben. Dieses Altarbild stellt den hl. Bartolomäus vor, wie er geschunden wurde. Beim Schinden war nun einer dabei, der ein Messer in der Hand hat. Wie das Bild ankam, war der mit dem Messer der leibhaftige Kirchtischler. Das Bild wird heute noch für ein Kunstwerk gehalten. Dieses Bild hatte der berühmte Maler Gotthold Arnoldi in der Bildergalerie gemalt. In derselben Zeit wohnt ein Schönau ein Mann im Hause Nr. 3, der hiess Paul. Er war ein Reisemann und sehr wohlhabend. Er bereiste auch die Gegend von Köln und brachte von dort für die Kirche 15 Stationsbilder mit. Vierzehn wurden in der Kirche unter den Emporen angebracht. Die 15. behielt er sich, weil nur 14 sein sollten. Das 15. stellt die hl. Helena dar. Dieser Mann lebte in stetem Unfrieden mit seiner Frau. Das kam soweit durch den immerwährenden Unfrieden, dass der Mann sich vergiftete. Diese Frau hatte eine Tochter namens Anna. Der gefiel es in dem Hause nicht mehr. Sie verkaufte das Haus an Schneider in Grafenwalde und liess sich in Leopoldsruh ein neues Haus bauen, welches sie dann mit ihrer Tochter bezog. Sie liess die 15. Station über der Haustür anbringen. Heute noch ist das Bild dortselbst.

Zu dieser Zeit war in unserer Gegend noch keine ordentlich gebaute Strasse. Die Landstrasse von der Landesgrenze von Lobendau nach Hainspach-Schluckenau-Rumburg und bis Prag wurde im Jahre 1817 angefangen. Die übrigen Strassen waren in sehr schlechtem Zustande. Jedem Hausbesitzer wurde zur Pflicht gemacht, die Mühlwege vorzurichten. Auch mussten sie den Mühlgraben räumen. Das hatte jeder Hausbesitzer im Kaufvertrage. Dieser Mühlweg ist aber nicht so gebaut, wie man heute die Strassen baut. Es wurden bloss in das tiefe Gleis Steine hineingeworfen, dass die Strasse wieder gleich wurde. Im Jahre 1835 wurde eine Strasse von Neu-Hainspach nach Schönau-Grafenwalde, Zeidler vom Oberamtmann Lenk in Angriff genommen. Die wurde 1836 oder 1837 vollendet. Im Jahre 1843 und 1844 wurde die Strasse in Schönau hinunter von dem damaligen Richter Karl Menzel gebaut. Da kam auch ein Unheil vor bei diesem Bau. Die Steine wurden alle auf dem Botzenberge geholt. Da waren 2 Männer gemietet, die sollten die Steine auf dem grossen Handwagen vom Berge runter bis an die Landstrasse fahren, dann holten die Steine die Pferdefuhrwerke ab. Des Mittags und Abends fuhren die Manner mit dem Wagen nach Schönau hinein. Da fiel es ihnen ein, wir setzen uns den Berg hinunter darauf, das geschah, der Pietschmann so hiess der eine / der andre hiess Gabler / setzte sich vorn und wollte mit den Füssen das Lenken besorgen. Der Gabler sass hinten. Das Fuhrwerk ging nur so schnell. Da ging gerade ein Finanzwächter den Berg herunter, etwa 50 Schritte weiter unten. Der sah sich um, wie er das Fuhrwerk hatte gerasselt kommen hören, dann gab er nicht mehr Acht auf das Fuhrwerk. Es dauerte aber nicht lange, hatte ihn das Fuhrwerk mit der Deichsel angespiesst , die Deichsel war durch den Mantel gegangen und er kam unter den Wagen zu liegen, da wurde er eine Strecke geschleift und das Gewehr war auch entzwei gefahren worden. Der Mantel war auch entzwei und der Finanzer blutete bedeutend. Das Fuhrwerk wurde mit den 2 Männer vor die Obere Schenke gebracht, dort kamen dann Beamte hin, da musste der Pietschmann 2o Gulden zahlen für Mantel und Gewehr. Durch vieles Bitten schenkte der Finanzer das Schmerzensgeld dem Pietschmann, Gabler hatte nichts.

In meiner Jugendzeit sah es in unsrer Nachbarschaft sehr wild und unkultiviert aus. Von dem Haus, wo heut die Schmiede des Salomon ist, gegen das Dorf, war ein Hohlweg, der war so tief, dass man das größte Fuder Heu nicht sah. Dieser Weg war auch so eng, dass nur ein Wagen fahren konnte, ausgewichen konnte nicht werden. War man durch den Hohlweg runter, musste man durch das Wasser fahren. Damals war noch keine Brücke dort, das Wasser lief aber so breit bis zur Fabrik Hossner. Wollte man aus den Häusern in Leopoldsruh in den Laden zu Zimmern gehen, musste man durch den Bach gehen, anderer Weg war keiner. Die Bach war aber nicht tief, weil sie sehr breit war, vielleicht 3o Ellen konnte sie breit sein. Damals ging aber die Strasse von Kaufmann Zimmer dorthin, wo heute Franzens Fabrik steht. Von dort ging die Strasse beim Bittner-Schneider und der Liehrschmiede vorbei auf das jetzige Asylhaus zu, von dort wieder auf die alte Strasse, die von Klein-Schönau und Grafenwalde führt. Dort ist die Strasse bis Zeidler nicht verlegt worden, die ist immer auf der alten Strasse geblieben. Dort bei der Schmiede stand früher eine alte hölzerne Kapelle, die wurde die Schafkapelle genannt, die hohle Gasse ins Dorf herein hiess auch die Schafgasse. Diese Kapelle liess der Oberamtmann wegreissen und auf der Gräfin Geheiss dieses Kreuz, welches jetzt dort steht, hinsetzen. Weiter oben, wo die Rudolf Schmiede steht, von dort herein ins Dorf war auch ein solcher Hohlweg wie der oben beschriebene, der war eher noch tiefer wie jener. Durch den fuhren die Fuhrleute, welche von Oberschönau nach Grafenwald zu fahren wollten, mußten aber durch die breite Bach fahren. Damals waren in Schönau nicht viele Wirtshäuser. Das grösste war bei Endler Nr. 1, das Erb- und Lehngericht, das 2. war bei Zimmer-Krämer, das 3. war beim Bauern Kindermann Nr. 100, das hiess damals beim Schneider Philipp, und die Obere Schänke. Im Niederdorf war nur die Niederschenke, jetzt Lohgerberei, welche jetzt erst im Jahre 1900 Schorisch gekauft hat. Weiter unten war noch eins, der Wirt hiess Müller, man hiess es beim Aschemann, auch heute heisst es noch so. In Klein-Schönau war bloß die Eiseltschänke. Getanzt wurde in 4 Wirtshäusern; beim Endler, beim Schneiders Philipp, in der Niederschenke und in der Eiseltschenke in Klein Schönau. Es wurde sehr oft Musik gehalten, aber es ging selten ein Sonntag vorbei, wo sie einander nicht schlugen – wenn es keine Rauferei gab, da war es nicht schön gewesen. Am öftesten war Musik beim Endler. Diese Wirtschaft soll im 17. Jahrhundert ein gewisser Petters besessen haben, heute besitzt sie Pius Hille. Endler hatte immer Process mit dem Amtmann, der damals Petters geheissen hat. Endler brannte immer Branntwein. Das wurde ihm vom Amtmann untersagt. Endler berief sich auf seine Erb- und Lehnrechte, diese anerkannte der Amtmann nicht. Endlers halbes Gut lag an dieser Seite des Dorfes, wo Endler, wenn er Heu oder etwas anderes einfuhr, beim Weissgerber einfahren musste. Da berührte er den Fahrweg, den Weisgerber für seinen hielt. Wie einmal Endlers Knecht mit einem Fuder Heu reinfuhr, kam der Weisgerber mit einer Axt raus und hackte am Wagen ein Rad entzwei, so dass der Wagen umfiel. Das Fahren auf seinem Wege hatte der Weisgerber streng verboten. Endler hatte sollen Richter sein in Schönau. Wie sein Vater starb, war er gerade in Frankfurt in einem Zwirngeschäft und war auch nicht Besitzer der Wirtschaft. In jeder Gemeinde war immer in Nr. 1 die größte Wirtschaft und Erb- und Lehngericht und da war auch der Richter. Da wurde Lauermann Richter, der hatte auch ein grosses Gut und war auch Bleicher und machte auch ein Wirtshaus aus seinem Bauernhaus. Wegen seiner grossen Politik war er nicht gerade der Passendste gewesen. In der Fasching machten die Oberschönauer Burschen grosse Aufzüge mit Masken, den Tummelplatz hatten sie gewöhnlich in der Schenke bei Schneiders Philipp. Das verbot der Lauermann. Die machten aber eben. Einmal hatten sie einen Mann ausgestopft mit einer Larve. Er war sehr täuschend ausgefallen. Den trugen sie auf einer Misttrage auf und ab. In einer Windwehe hatten die im Schnee ein tiefes Loch gemacht, da hinein sollte der Mann begraben werden. Jetzt kam Lauermann mit einem Stock. Da entliefen die Faschingsnarren alle und setzten den Mann mit der Trage weg. Auf den kam Lauermann zu und sagte: Da hast du es. Ho ich ne verboten, dass ihr die Dummheit ne machen sollt – und prügelte den Mann auf der Misttrage gehörig durch und sagte: da hast du es, nu wesste es. Der Richter hatte das Sprichwort: da hast du es, immer bei der Hand, das sagte er sehr oft. Abends hatten sie aber eben Musik. Bis 12 Uhr durfte am Faschingsdienstag getanzt werden. Dann durften die Musikanten nicht mehr spielen, dann ging die Rauferei los. Gelegenheit wurde ja gefunden: Entweder war einer dem andern beim Tanzen zu nähe gekommen oder hatte einer mit einem Mädchen getanzt und hatte ihren Liebhaber nicht gefragt. Wenn nichts vorkam, hielt einer ein Bein vor, dass einer darüber fiel, fest standen sie ja nicht, sie waren gewöhnlich betrunken, nun gings los, da standen mitunter 7 – 8 in einem Klub beisammen. Die Worte, die da gesagt wurden, die interessierten mich überhaupt, wenn sie schon während des Tanzes uneinig wurden, wenn einer dem anderen zu nahe tanzte. Da fing der Vordere an: „Ha nimm dr ok Zeit, wirst wu noch zu rechte komm, nu du verfluchter Torkelsack, räumtch ock aussn Pfuten, wenn du mr noch emol nu nounde kimmst, gah ich dir glei ej poor nei, nu komm ok har, vu dir fortch keeene Lode. Aber o mich reibtchok ne, ich bin ee ungelehrter“, spricht dar andere. Dann mengten sich andere mit nein, jeder gewann dann eine Partei. Dann gings los. Da schlugen sie mit den Fäusten, wenn sie nach Hause gingen, da hatten alle Hiebe gekriegt. Wenn es keine gegeben hatte, war es nicht schön gewesen. Am besten unterhielten sich diese Leute zur Fasching, welche da als Narren fungieren konnten. Für anständige Unterhaltung hatten damals diese Leute keinen Sinn, weil ihre Erziehung nicht danach war. —-

In Schönau gibt es gegenwärtig 13 Fabriken, ausser noch kleinen Geschäften. Die Fabrikanten sind vom Oberdorf runter genannt: 1. Bunzlauers Fabrik, gegenwärtig Klinger, 2. Hille und Hampel. 3. Koch, jetzt Tutschke, 4. Franzens Fabrik, 5. Franz Strobach, 6. Schams, 7. Wünsche von Dom. Liebisch, 8. Messerfabrik Frenzel, 9. Schorisch Fabrik, 10. Laurenz Müller, 11. Nickelfabrik in Leopoldsruh, 12. August Liebisch 2 Fabriken jetzt Hossner, 13 . Neuberts Fabrik / Eiselt und Neubert/. Die Bandweberei war in Schönen immer am stärksten vertreten im ganzen Jahrhundert. Zu Anfang dieses Jahrhunderts gab es in Schönau schon Schnierenmacher. Aber jeder arbeitete nur selbst auf seinem Stuhle. Der erste, der noch 1 oder 2 Stühle hatte, mochte wohl Frind in Klein-Schönau gewesen sein, weil ein Fremder unter Namen Heinrich Rusitschka bei ihm gearbeitet hatte, welcher später dieses Geschäft selbst betrieb und wurde auch der grösste in diesem Fach. Er war der einzige, der schon einen Buchhalter hatte und auch eine eigene Färberei und wohnte in Schönau in dem Hause, wo heute Heinrich Marschner, Schuhmacher, wohnt. Daneben, wo Johann Opitz wohnt, war die Färberei. Dieser Mann mochte sehr flott gelebt haben- dann ging das Geschäft, es konnte 3o Jahre bestanden haben, wieder ein. Frind sein Geschäft bestand fort -bis er starb. Da hinterliess er 2 Töchter. Da kamen 2 junge Manner in das Geschäft, 2 Brüder, der Ältere hiess August, der jüngere Emanuel Eiselt, die führten das Geschäft fort. Dann heiratete der August die grosse Tochter und Emanuel die kleine. Sie mochten nicht von Wohlhabenheit herrühren, aber sie waren strebsam und brachten es bald so weit, dass sie sich sehr gut standen. Im Jahre 1838 brachte Frind August Eiselt mit ins Geschäft und in 4 Jahren starb Frind. Im Jahre 185o starb dem Emanuel seine Frau. Da kam ein gewisser Moritz Neuberth aus Zeidler aus Klingers Geschäft. Er heiratete die Witwe und ging mit Eiselt in Compagnie. Das Geschäft wurde immer grösser. Der Neuberth war kaum 2 Jahre da, da baute er schon eine Fabrik. Da starb die Frau Neuberth, sie hiess Salome, hatte aber keine Kinder hinterlassen. Dann heiratete er eine aus Zeidler, da waren 6 Kinder da, dann starb er und sein grosser Sohn übernahm das Geschäft. Der vergrösserte die Fabrik und ist heute der Fabrikant. –

Die 2. Bandfabrik ist August Liebisch. Der war früher beim Militär, war 18o9 Gefangener in Frankreich ein Jahr, kam Anno 1810 nach Hause, ganz arm. Da er aber bei seinem Vater Schnieren gemacht hatte, da mochte noch ein alter Stuhl da sein. Den trachtete er zu überziehen, was damals wohl nicht teuer mag gekommen sein, denn ein solcher Stuhl war nicht sehr breit und wurden nur 10 höchstens 12 Bandel darauf gemacht und die Bandel waren nicht viel breiter wie ein Strohhalm. Er sagte zu mir, wenn er von seinem Anfang erzählte: „Wie ich nur den Stuhl im Gange hatte, dann war mir nicht mehr bange, ich war sehr fleissig und verdiente manchmal in einer Woche 15 Taler.“ Das hat er eine Zeit betrieben, dann konnte er heiraten. Da kaufte er ein kleines Häusel in Niederschönau. Da er aber mehr Stühle setzten wollte, war das Häusel zu klein.

Da verhandelte er mit einem gewissen Dittrich in Leopoldsruh. Wie er dann ein paar Jahre herauf war, baute er die Wohnstube nochmal so gross und setzte ein paar Stühle hinein, den übrigen Raum brauchte er zum Scheeren und Treiben und Einpacken. Er hatte 5 Söhne und 4 Töchter, die alle im Geschäft mitarbeiten mussten. Wie ich ein Bube war, war ich oft dort. Ein Sohn war in meinem Alter. Zu dem ging ich. Montags brachten die Arbeiter die Schnieren zu Hause, die sie gemacht hatten. Damals machten sie schon bunte Bandel. Früher konnten sie nur weisse Bandel machen. Die bessere Ware kam damals aus Sachsen, aus Gross Röhrsdorf. Der eine Fabrikant hiess Boden, der andere Sone. Die kamen mehrmals her. Die Ware ging alle nach Wien. Dort hatte er ein Gewölbe, sogar wie das Geschäft noch klein war, so erzählte er mir: „Wir waren 8 Fabrikanten, wir hatten einen grossen Reisewagen, da hatten wir alle 8 unsere Waren drauf, da ging es bis Bunzlau.“ Dort wurden die Pferde gewechselt, mit denen ging es vollends hinaus nach Wien. Da wurde so fortgearbeitet bis zum 48er Jahr. Da ging es nicht mehr mit sächsischer Ware, weil ein so grosser Kurs auf dem Geld lag. Da mussten sie sehen, dass sie die Waren selber machten konnten, was ihnen auch gelang. August Liebisch sein grosser Sohn hatte grossen Unternehmungsgeist, der baute schon im Jahre 1850 eine Fabrik in Leopoldsruh und im Jahre 1851 starb der Alte. Er hatte einen Fuss gebrochen in einen Wagengleis. Die Gleise waren so gefroren, da hatte er im Filzschuh den Fuss so eingeklemmt und war umgefallen und hatte den Fuss im Gelenk abgebrochen und starb an Wundfieber in ein paar Tagen. – In einer Zeit heiratete der Sohn dem Fabrikanten Klinger aus Nixdorf seine Tochter, dann baute er in ein paar Jahren noch eine Fabrik in Schönau und im Jahre 1866 starb er und hinterliess 2 Söhne. August der Ältere und Franz der Kleine. Die beiden Söhne waren aber 7 -8 Jahre alt, da heiratet die Frau wieder im Jahr 1867 einen gewissen Rossl, der konvenierte aber nicht, war eben 13 Jahre da, dann musste er wieder fort, wo er hergekommen war. Unterdessen waren die Söhne herangewachsen und traten dann das Geschäft an. In ein paar Jahren starb der grosse, da war der kleine allein, der heiratete eine von Schluckenau, der Vater war Kaufmann Hossner. Da kam auch ein Bruder von ihr mit ins Geschäft. In ein paar Jahren starb auch der Franz. Ihr Bruder übernahm dann allein das Geschäft, der heute noch Besitzer der 2 Fabriken ist. Von der August Liebisch Familie lebt niemand mehr als eine Tochter in Hainspach, männlicher seits sind da nicht mal Enkel da. —

3. war Ambros Hille in Oberschönau, war auch nicht bemittelt. Sein Vater war ein Schneider, hatte auch 4 Söhne, aber er brachte es auch zu etlichen Stühlen, wo er mehrere Jahre arbeitete. Dann konnte ihn wohl sein Bruder unterstützen, da baute er schon um das Jahr 183o ein Haus, was heute noch das Wohnhaus der Firma ist, das Geschäft wurde immer grösser. Da kam sein Sohn Johann zu Hause und trat ins Geschäft ein. Von Wölmsdorf kam ein gewisser Hampel Emanuel. Der heiratete die Tochter von Ambros Hille und wurde Compagnon mit Johann Hille. Die 2 übernahmen dann vom alten Ambros Hille das Geschäft, dann hiess die Firma Hille und Hampel, es wurde dann das grösste Geschäft in Schönau in dem Fach. Dann baute der Johann eine Fabrik in Hainspach, in etlichen Jahren, wie der alte Hampel tot war, zog der Sohn mit seiner Familie nach Wien, wo er heute noch lebt./+ 16.4.1909/ und das Geschäft in Schönau wurde da sehr klein. Wie der alte Ambros Hille noch lebte, liess er den Kreuzberg bauen. Dadurch hat er sich in Schönau unvergesslich gemacht, denn da trifft man im Sommer sehr viele Leute an, die ihre Andacht verrichten und wird auch von guten Leuten in gutem Zustand erhalten. Sein Bruder Josef fing auch so an wie Ambros und hielt gleichen Schritt mit den andren Fabrikanten. Das Geschäft war auch so gross wie die anderen. Er starb aber zeitiger und hinterliess 5 Söhne. Josef, Alois, August, Johann und Stefan. Der Josef war der grösste, der mochte nicht Lust haben zum Geschäft, so übernahm es August. Josef war aber mittägig im Geschäft und Johann war Färber, Alois wurde Geistlicher und später Kanonikus und Stefan war Bezirksgerichtsadjunkt in Wien. Der August war aber ein eigentümlicher Mann, er machte Plane und führte sie auch aus. Da zog er einmal nach Österreich und verlegte das Geschäft nach dort. Dort mochte es ihm nicht gut gegangen sein, in ein paar Jahren kam er wieder nach Schönau und betrieb das Geschäft wieder hier. Er wollte auch eine Fabrik bauen. Der Keller war schon fertig. Er besaß damals einen Garten. Heute ist in dem Haus, was zu dem Garten gehört, ein Wirtshaus, der Wirt heisst Jansch. Es kam aber nicht zum Bau, es mochte ihm an Mitteln fehlen. Das mochte ihn ärgern. Er mochte darüber nicht hinwegkommen, da erhängte er sich. Dann ging das Geschäft ein. Ein Sohn hat heute noch ein paar Stuhle gehen. In ein paar Jahren starb auch der Johann an Blattern. Seine Frau nahm sich dann einen Färber Wahl mit Namen und machte die Färberei grösser, heute ist es Dampf-Färberei.

Johann Franze arbeitete früher selbst auf dem Stuhle für Josef Hille. Da war er noch ledig. Er heiratete eine Tochter vom Kramer Hesse. Er hatte aber 3 Schwestern. Von diesen 3 heiratete eine von Niederschönau den Josef Hille, dessen Vater war auch Bandfabrikant. Josef fing auf eigene Hand dasselbe Geschäft an und kaufte in der Nachbarschaft ein Haus. Es sah aber immer aus, als ob es an Mitteln fehlte. Da trat er mit seinem Schwager in Compagnie. Franze besass eine kleine Wirtschaft. Darauf bekamen sie geborgt. Die Compagnie dauert mehrere Jahre, dann ging sie wieder voneinander. Dann machter jeder für sich, ging aber bei jedem schwach. Im Jahre 1866 heiratet Franzens Sohn die Tochter des reichen Mayer von Hainspach. Dann wurde das Geschäft grösser, es wurde auch eine Fabrik gebaut mit Dampfbetrieb. Dann starb der Johann Franze, der Vater war schon ein paar Jahre tot, seitdem betreibt die Witwe das Geschäft fort, sie vergrösserte die Fabrik im Jahre 1896, heute ist es eine der größten Fabriken. Sein Schwager Josef Hille kaufte dann in Niederschönau ein Bauerngut, verwandte dem Gut mehr Aufmerksamkeit wie dem Geschäft. Wie er dann starb, war alles verschuldet. Da kam das Gut in andere Hände und das Geschäft hörte auch auf. So war es auch mit dem Vater des Franz Anton Hille. Dieses Geschäft war für den 2. Sohn August bestimmt, der starb aber jung und noch ledig, dann übernahm das Geschäft eine Tochter Maria, diese heiratete, ihr Mann hiess Johann Strobach, die haben wohl um die 3o Jahre gearbeitet, sie sollen sehr betrogen worden sein und haben die Verluste nicht gut aushalten können. Da starb Johann Strobach und die Witwe überwältigten die Schulden, dann ging das Geschäft auch ein. Heute ist die Frau auch tot.-

Eines der größten Geschäfte in diesem Fach ist Schorisch in Niederschönau. Sein Vater fing das Geschäft an, es war aber nur ein kleines Geschäft. Dieser Mann machte keinen Aufwand. Er führte ein stilles Leben, war aber ein sehr achtbarer Mann, alle Leute in Schönau wussten gar nicht, dassdas Geschäft existiert. Wie er starb, übernahm sein grosser Sohn das Geschäft. Da wurde es immer grösser und ist heute eines der grössten in Schönau. Der Mann ist wohlhabend und besitzt 2 Bauerngüter nebst anderen Grundstücken.

In Oberschönau war ein Fabrikant im selben Fach, der hiess Schwarz. Man hiess ihn nur gewöhnlich den Bunzlauer. Der wurde auch immer grösser und baute auch eine Fabrik, darin hat er mehrere Jahre gearbeitet, dann verkaufte er die Fabrik an Rossel, der bei August Liebisch Sohn Prokurator war, um 30.000 fl. Wie der Rossel fortging, kaufte sie nach mehreren Jahren Klinger, welcher sie heute noch besitzt, um 8.000 fl.

Die erste Fabrik, welche in Schönau gebaut wurde, war die Runkelfabrik. Zu der Zeit, wie die gebaut wurde, waren die Banderzeuger noch keine Fabrikanten. Es hatte keiner noch 2o Arbeiter, man hiess sie nur die Wienzieher. Dass die Runkelfabrik gebaut werden konnte, trug sich wie folgt zu: In Schirgiswalde war ein reicher Mann, er hiess Rämisch. Der Mann war sehr geizig und sparsam. Er hatte ein grosses Zwirngeschäft nach Frankfurt und Leipzig. Es war einmal zur Leipziger Messe. Da reisten eine Menge Geschäftsleute aus unserer Gegend nach Leipzig. Vor Leipzig waren sie in einem Gasthaus gut bekannt, da kehrten sie ein und sagten zum Gastwirt: „Wenn wir werden von Leipzig von der Messe zurückkommen, möchten wir mit ihnen gern Karpfen speisen, würden sie uns welche vorrichten.“ „Die sollen sie haben“ sagte der Gastwirt. Der Tag wurde bestimmt und alle miteinander kamen in das Gasthaus. Die Karpfen waren fertig. Wie sie nun so vergnügt speisten, kam Rämisch von Schirgiswalde zur Tür herein. „Nun Rämisch, wollt ihr nicht mit Karpfen essen, wir haben sie für uns Messe-Zieher vorrichten lassen.“ Nun sagte Rämisch: „Geben sie mir nur eine Portion Wurst, Herr Wirt.“ Wie sie nun die Karpfen gespeist hatten, war in der Schüssel viel Soss übrig. Da sagten sie zum Rämisch: „Wollen Sie die Soss essen, sie ist übrig.“ 0 ja, sagte Römisch und ass die ganze Soss. Dann fragten sie den Wirt, was kosten die Karpfen? Die Karpfen schenke ich Euch, weil ihr immer bei mir einkehrt, ihr dürft mir heute nur die Soss bezahlen. Die Soss hat Rämisch gegessen, da mag er sie auch bezahlen. Wie Rämisch nach der Zeche fragte, war die Soss nicht billig gewesen. So hatten sie ihm seinen Geiz angestrichen. Die Familie Rämisch bestand bloss aus 3 Personen: Vater, Mutter und einer verzogenen Tochter Veronika. Es war noch ein junger Mensch im Haus, der war Färber, der färbte den Zwirn für das Geschäft. In diesen jungen Mann hatte sich die Tochter sehr stark verliebt. Diese Liebschaft duldete der alte Rämisch auf keinen Fall. Da aber die Tochter nicht abliess, so musste der junge Mann aus dem Hause. Dies setzte sich die Tochter in den Kopf, bekam die Gemütskrankheit und starb. Die Eltern lebten auch nicht mehr lange darauf. Da machte der Rämisch das Testament: Im ganzen waren mehrere Legate. Auch in Schönau lastet eine Fundation auf eine hl. Messe für die Handelsfrau Rämisch aus Schirgiswalde und Tochter Veronika. Aber der Haupterbe wurde der Pfarrer in Nixdorf P. Menzel. Dieser erbte 60.000 Taler und war schon ein alter Mann. Der lebte auch nicht mehr lange. Da erbte dieses Geld der Karl Menzel und sein Bruder, auch Kaufmann aus Schirgiswalde. Karl Menzel war selbst schon auf gutem Fuss, der hatte einen Ladendiener,der hieß Neubert, war ein Sachse. Wie sie eines mittags speisten, sagte Menzel zum Diener: Nun Neubert, ich hätte jetzt Geld, ich würde gern eine Fabrik gründen, ich weiss nur nicht, was ich machen soll. Sie haben auch manchmal gute Ideen, wissen sie keinen Rat zu geben? Der Neubert hatte nicht lange sinnen dürfen, da hatte er gesagt: Machen sie Runkel, das halte ich für das beste Geschäft, denn der wird in jedem Haushalt gebraucht. Das war kein dummer Rat, darüber werde ich mit meinem Schwiegervater sprechen, das war der Weissmüller. Der hatte ganz Beifall dazu gegeben. Wenn wir nun eine Mühle hätten, hiess es. Aber dieser Plan wurde nicht wieder fallen gelassen. Da kam die sogenannte Rettigmühle unter den Hammer. Die wurde nun gekauft und gleich in eine Runkelmühle umgewandelt. Das mochte sein um das Jahr 1834. Dadurch wurde Menzel auch einreicher Mann. Er starb im Jahre 1851. Da mochte sich sein Vermögen beinahe 2oo.ooo fl. belaufen. Dann wurde sein Sohn Karl Besitzer. Der machte Runkel fort, hielt sich aber Buchhalter, die das Geschäft leiten sollten, die verstanden aber nichts davon. Und wenn die Arbeiter sagten, so gehts nicht, das wird keine gute Ware, da sagte der Buchhalter, wie ich befehle, so wirds gemacht. Da brachten sie es in kurzer Zeit soweit, dass sie nichts mehr verkaufen konnten und das Geschäft ging nicht mehr. Da wurden Holzstifte gemacht: Von Schönlinde ein gewisser Zeitler trat mit in Kompagnie. Das Geschäft ging auch ganz gut. Dann wurde die Kompagnie uneinig. Da begann ein Prozess. Der dauerte solange, bis Menzel starb. Da war alles verschuldet. Da kamen die Häuser alle unter den Hammer. In der Fabrik ist heute Frenzel Eigentümer und ist heute eine Messerfabrik. Der alte Rettigmüller hiess auch Frenzel. Vielleicht gedeiht sie unter dem früheren Namen besser. Im Kaufmannshaus ist jetzt Kaufmann Miksch, dessen Geschäft sich auch bewährt. Von Menzels Familie befindet sich heute niemand mehr in Schönau, die noch leben, sind alle auswärts. –

Der alte Lorenzmüller hatte früher eine Weberei. Dieses Geschäft mochte auch nicht mehr gut gehen. Wie dann der Sohn erwachsen war, fingen sie an, Stoff-Knöpfe zu machen. Diese gingen auch nur einige Jahre. Dann verlegten sie sich auf Metall-knöpfe. Das Geschäft wurde auch immergrösser, bis der Sohn auch eine Fabrik baute, er starb aber auch im grössten Betrieb des Geschäftes. Dieses Geschäft ist dann unter einer Prokura fortbetrieben worden bis jetzt ist der Sohn wieder eingetreten und wird fort fabriziert.

Dann trat auch Koch auf, liess ein neues Wohnhaus bauen und kauft in Lobendau ein zugrunde gegangenes Wäscheknopfgeschäft, liess dasselbe in seinem Wohnhaus aufstellen und fabrizierte Wäscheknöpfe. Das Geschäft ging gut, so dass er in etlichen Jahren das Haus viel vergrössern liess, sodass es zur Fabrik wurde. Dann baute er eine Fabrik in Sebnitz und verkaufte die Schönauer dem heutigen Besitzer namens Tutschke, welcher dieses Geschäft in flottem Gange fortführt. Im Jahre 18o7 schaffte die Gemeinde eine neue Glocke an. Es war die grosse, welche heute noch da ist. Die Glocke wurde gegossen hinter der Schmiede, heute ist Salomon Besitzer. Damals war es keine Schmiede. Damals besass das Haus ein Fassbinder, Arnold mit Namen. Vor dem Dreieck hinten dem Haus war sie gegossen worden. Der Glockengiesser war aus Hemmehübel bei Zeidler und hiess Anton Kittel, geboren in Nixdorf. In die Glocke waren die Namen Johann Endler, Richter, August Bendel, Pfarrer. Es nahm aber doch ein Unglück dabei. Wie er gegossen hatte, läuft ihm das schmelzende Metall über einen Fuss. Er hatte sich sehr schwer verletzt. Wie nun die Glocke aus der Form genommen wurde, war sie sehr schön geraten.

Es war im Jahre 1813, da war Napoleon in unserer Gegend. Auch Russen waren sehr viele da. Bald vertrieben die Franzosen die Russen, dann vertrieben die Russen die Franzosen, das ging den ganzen Sommer so fort, bis zum August, dann war die Schlacht bei Leipzig. Einmal hatten die Russen die Franzosen vertrieben, da hatten die Franzosen an der Grenze ein Fuder Branntwein müssen im Stich lassen. Da kam abends ein Scherenschleifer von Sohland herüber und kommt dort vorbei, wo der Wagen stand. Der untersucht den Wagen und er fand, dass der Wagen mit lauter Branntweinfässern beladen war. Da ging er geradewegs in die Obere Schenke. Dort sassen 8 oder 9 Branntweinbrüder beisammen. Der Schleifer soll Klinger geheissen haben. Der sagte, ich habe euch etwas wichtiges zu sagen: Auf Oberbauern draussen beim Spitzenberge steht ein ganzes, Fuder Branntwein, den haben die Franzosen müssen im Stich lassen, wenn ihr wollt, holen wir den Wagen herein. Da waren alle einverstanden. Da wurde gleich beschlossen, wohin der Wagen sollte gefahren werden, in die Obere Schenke sollte er nicht kommen, zu einem Nachbar sollte er gefahren werden, der Nachbar wurde auch bestimmt. Nun wurden Stricke herbei geholt zum ziehen. Um beinahe 12 Uhr gings fort, sie spannten sich ein, etliche schoben, sie waren aber nicht weit gefahren, da kamen eine Menge Russen, da mussten die Manner den Wagon bis nach Rosenhain fahren, dort hatten die Russen ein Lager. Sie hätten gerne einmal getrunken, aber die Russen gaben es nicht zu, sie wurden nur fort-gejagt. Da kamen sie um 4 Uhr zu Hause geflüchtet und wurden sehr ausgelacht in Schönau.

1813 war auch eine Schlacht bei Bautzen gewesen. Es sind in Schönau sehr viele Gewehre, die sollen von der Schlacht bei Bautzen herrühren. 1813 war in Schönau ein Brand ausgebrochen, bei grossem Sturm. Der Bauer Pietschmann in Oberschönau hatte Flachs im Backofen gedorrt. Der war zum Brennen gekommen. Da brannten 13 Häuser ab, darunter 3 Bauern. Strobach, Hille Philipp und Anton Liebisch. Liebisch hat sein Bauernhaus über die Strasse hinausgebaut, die andern zwei sind auf dem alten Platz.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts war bei uns grösstenteils Bankzettelgeld bis zum Jahre 1811. Es kostet ein Bankzettel normal 1 fl. Conventionsmünze. Das war nach 0. Währung 1 fl. 5 x macht 2 Kr. 10 h, Anno 11 kostet ein Zettel 16 Pfennige nach sächsischem Geld, welches bei uns dann eingeführt war um die Grenze. Es war damals selten ein österr. Stück zu sehen. Ausser kupferne halbe Gulden 1 Stück 8 Pfennige, Viertel Gulden 1 Stück 4 Pfennige und kleine 3 Stück 4 Pfennige. Ausserdem gab es noch Silberzwanziger auch Krongeld aus Silber. Es war aber selten ein Stück zu sehen. Weiter oben im Lande war Scheingeld nur Mode. Da kosteten 5 fl. Scheine 2 Gulden Conventionsmünze, nach diesem Wert war es gemacht worden, es war alles aus Papier, die Scheidemünze dazu macht die 8 und 4 Pfennige aus Kupfer. Auf einen 8 Pfenniger war eine 30 dazu geprägt, auf 4 Pfenniger eine 15, nämlich halbe und Viertelgulden. Da wurde mancher in einer Nacht arm, der sein Vermögen in Banknoten liegen hatte. Dann kam das Jahr 1848, da wurde bei uns das österreichische Münzgeld eingeführt, weil damals der Kurs stark auftrat, nahm das preuss. Geld ab. Dominik Liebisch war früher Leinwebfabrikant, da aber die Leinwand nicht mehr gut ging, so gründete er auch ein Wäscheknopf-Geschäft, welches auch einen guten Bestand hatte. Da er aber im Jahre l9oo starb, kaufte das Geschäft Heinrich Wünsche, welcher es noch in derselben Fabrik fortbetreibt.

Josef Schams kam nach Schönau als Ladenpächter beim Karl Menzel und war mit Laurenz Müllers Tochter bekannt. Zu der Zeit war gerade der Wagner Hofmann abgebrannt. Da baut Schams ein Haus auf die Brandstelle, die er gekauft hatte, macht einen Kaufladen hinein und ein Wirtshaus. Da er mehrere Jahre gewartet hatte, fing er an, Hornarbeiten zu erzeugen. Zuerst wurden Horndrückel gemacht. Die mochten nicht flott Absatz finden, dann wurden aus dem Horn Knöpfe gemacht, die mochten besser Absatz finden. Das Geschäft wurde immer grösser. Dann wurde das Haus verlängert, dass es zur Fabrik wurde und wird heute mit Kraftbetrieb energisch fortbetrieben. Später kam ein Josef Müller, er war Werkführer bei Dominik Liebisch, auf den Gedanken, Blech mit Mittelsilber zu versilbern. Er liess die Idee nimmer fallen und brachte es in einer Zeit soweit, dass es verwirklicht werden konnte. Er arbeitete erst nur allein, wo er in einer Fabrik einen Raum gepachtet hatte. Dann trat ein Sohn vom Knopfmacher Hille zu ihm in Compagnie, da wurde gleich eine neue Fabrik gebaut und das Geschäft wurde energisch betrieben und fand auch Kundschaft. Da wurde die Fabrik vergrössert und wurde auch eine Mühle gekauft in Porschdorf in Sachsen und zu diesen Zweck eingerichtet, wo auch flott gearbeitet wird. Es werden viele Leute beschäftigt und man hört selten Klagen über schlechten Geschäftsgang. —

Franz Strobach hat in Schönau eine Steindruckerei, die wurde auch immer grösser. Dann mochte sie sich doch zu klein erweisen, um sein Haus hatte er keinen Platz mehr. Da baute er beim Bahnhof gleich eine grosse Fabrik, wo heute Stein- und Buchdruck betrieben wird. Firma: Franz Strobach und Sohn.

Die 2 oben beschriebenen Fabrikanten Ambros und Josef Hille hatten einen Bruder, der hiess Augustin. Dieser wurde geistlich. Er war geboren 1786, kam 1801 ins Gymnasium nach Prag und im Jahre 18o7 nach Leitmeritz zur Theologie und wurde 1810 zum Priester geweiht. Kam im selben Jahre nach Schluckenau als Kaplan. Im Jahre 1817 schrieb er ein Werk. Dadurch kam er beim Bischof Milde in grosses Ansehen. Er wurde denn im Jahre 182o nach Leitmeritz berufen und im Jahre 1823 wurde er zum Rektor des Priesterseminars ernannt. Im Jahre 1831 wurde der Bischof Milde zum Erzbischof von Wien ernannt. Milde stand beim Papst gut und da hatte der Bischof den Augustin Hille zum Bischof von Leitmeritz vorgeschlagen beim Papst. Durch diese Vorsprache wurde er im Jahre 1831 Bischof von Leitmeritz im Alter von 45 Jahren und im Jahre 186o feierte er sein 5o. Priesterjubiläum. Schönau hat ihm auch wesentlich zu danken. Im Jahre 1853 schenkte er der Schönauer Kirche einen heiligen Leib. Dieser wurde sehr feierlich in Schönau eingeführt. Den Tag vorher kamen 4 Jesuiten und der hochw. Bischof und der heilige Leib kam auch bis in die Grafenwalder Kapelle, weil von dort aus konnte ein feierlicher Zug nach Schönau herein gebildet werden. Da wurden 16 junge Burschen aus den besten Häusern zum Tragen gewählt, auch Mädchen machten in ihrem Aufwand mit und eine Menge Gäste und sehr viel Volk bildeten den Zug. Dann wurde der hl. Leib beim Hochalter unter üblichen Zeremonien eingesetzt. Heute ist er weiter vorn beim Seitenaltar. Den andern Tag fingen die Predigten an. Auf dem Angel unter freiem Himmel war eine Predigtstelle aufgerichtet worden, weil sich so viele Leute einfanden aus den umliegenden Ortschaften, sogar aus Sachsen hergeströmt kamen, daher musste der Platz gross sein. Bei diesen 4 Jesuiten war ein Prediger, einen solchen hatten wir noch gar nicht gehört. Er hiess Max Klankoostrom, der war ein Redner, der zitierte durch seine Rede die Leute weit her. Aber sein Benehmen war mehr weltlich als geistlich. Ich sollte eine Tute aus Messingblech auf die Kanzel anmachen, wo ein Kruzifix sollte hineingesteckt werden. Da kam ich eine Stunde vor der ersten Predigt in die Pfarrei und fragte einen Geistlichen, wohin ich sie machen soll. Dort wimmelte es vor lauter Geistlichen. Man schickte mich zum Klankoostrom, der ging gleich mit. Wie wir vor der Pfarrei die Stiege runter war vor der Stiege gleich eine Bude. In dieser Bude waren Rosenkränze, Bilder, Gebetbücher, Traumbücher und andere solche Sachen zu verkaufen. In diese Bude ging er, sah die Traumbücher, nahm gleich ein paar mit ohne zu fragen, was sie kosten, und fragt mich unterwegs über manches aus. In einer Stunde machte dieser die erste Predigt. Die ersten Worte waren: Kauft dem Kerl dort keine solchen Bücher ab, und hielt die Traumbücher in die Höhe und sprach noch weiter über die Dummheit dieser Bücher.

Im Jahre 1863 wurde in Schönau eine neue Glocke angeschafft. Diese weihte Hochwürdige Herr Bischof selber ein. Nach der Weihe wurde sie gleich geläutet. Da sie mit den anderen Glocken zugleich geläutet wurde, hörte man, dass sie mit den anderen 2 Glocken nicht stimmt. Heute hat man sich daran gewöhnt, heute stimmts.

Im Jahre 1872 wurde in Schönau ein neuer Kirchhof angelegt, ein konfessionsloser und wurde 1873 die erste Leiche darauf begraben, wurde aber in 2o Jahren noch einmal so gross gemacht. Wenn ich von der Kirche schreibe, so gehört das wohl nicht in dieses Jahrhundert sondern in das 2o. Weil in Schönau gar nichts Geschriebenes vorliegt- so kann ich, was ich davon weiss, auch beifügen. Wann die Kirche in Schönau erbaut worden ist, davon weiss weder in Schönau noch in Hainspach beim Patronat jemand etwas davon. Die Kirche steht auf Kirchbauern Gut. Das Bauernhaus hat bis zum Jahre 1823 noch beim hinteren Kirchtor hinüber über den Fuhrweg im Garten gestanden. Im Jahre 1823 hat der Kirchbauer sein Haus und Scheuer über die Dorfstrasse hinausgebaut. Und im Jahre 1824 ist die Schönauer Schule vergrössert worden. Da sind die Kinder während dem Bau in das neuerbaute Haus des Kirchbauern in die Schule gegangen. Das Grundstück, auf dem die Kirche, die der alte Friedhof umgibt mit der Umfassungsmauer, wird früher ein Grasgarten gewesen sein. Es standen noch zu meiner Jugendzeit 3 Birnbäume auf dem innern Kirchhof. Da warfen die Buben immer mit Schenkelknochen der Toten in die Birnen. Wenn man damals einen Alten fragte, „wie gehts“ da sagte mancher, es wird bald aufhören, die Buben werden bald mit meinen Knochen in Kirchbauern Birnen werfen. Die Bäume werden wohl nicht gesetzt worden sein, wie das schon Kirchhof war. Da ist eben zu wundern, dass zu der Zeit noch Bäume von der Zeit noch da waren, wie das noch ein Grasgarten gewesen ist. Die Gemeinde hat diesen Grund mit dem damaligen Kirchbauer für ein anderes Grundstück vertauscht. Dieses Grundstück liegt von Klein Schönau nach Schönau rein und man hiess dieses Grundstück immer Kirchbauern Holge. Um das Jahr 188o kaufte die Gemeinde Kirchbauern Gut. Da wurde die Holge an 2 andere Eigentümer verkauft. Jetzt hat man das Bauernhaus mit Scheuer weggerissen und die neue Schule hingebaut. In der Kirchhofsmauer nach Niederschönau zu ist eine Tafel eingesetzt, sie bezeichnet die Leiche einer Frau mit der Jahreszahl 1577. Zu der Zeit durfte die Kirche wohl noch nicht lange bestanden haben. Sie wird wohl um das Jahr 1530 gebaut worden sein. Vor dieser Zeit soll diese Gegend nach Lichtenhain unter Sebnitz in die Kirche gehört haben. Die Kirche in Schönau soll um die Reformationszeit 155o gebaut worden sein. Der erste Pfarrer soll ein protestantischer gewesen sein mit Namen Baltasar Opitz. Der soll 1627 nach Sebnitz ausgewandert sein, mit ihm soll auch eine Menge Protestanten ausgewandert sein. Im Jahre 1659 soll ein Magister mit Namen Kameta von Hainspach herüber gekommen sein und ist 166o installiert worden und 1667 wieder abgegangen aus Osterreich. Am selben Tage soll schon Gregor Ignaz Konrad angekommen sein und Ende Oktober nach Aussig gegangen sein, wo er dann Dechant geworden ist. Um diese Zeit soll Schönau wieder katholisch geworden sein. Um diese Zeit soll in Hainspach ein Pfarrer mit Namen Anton Schließen gewesen sein aus Belgien stammend, der soll alle 5 Kirchsprengel der Hainspacher Herrschaft versehen haben. Da soll in Hainspach das erste Paar wieder katholisch getraut worden sein. Der Bräutigam soll Christoph Hille aus Schönau, die Braut soll Eva Petters aus Wölmsdorf gewesen sein. Der damalige Kaiser Ferdinand II. hat alle protestantischen Geistlichen und Lehrer Landesverwiesen, ihre Bücher verbrennen lassen. – Der erste Pfarrer war Josef Hesse, der ist gestorben 1790. Die 2. Tafel zeigt Anton Schön, + 1803, die 3. Tafel August Bendel, + 1811. Dann eine Tafel: Josef Heyne, + 1829. Dann wurde Leipelt Pfarrer, der liegt beim Beinhaus begraben. Er hat daher seine Tafel am Beinhaus eingemauert. Dann wurde Anton Hieke Pfarrer, dann wurde Pater David Hentschel Pfarrer und später auch Dechant. Dieser ist heute noch. Der erste Pfarrer soll beim Zintnerbaecken gewohnt haben. Das sind die Geistlichen, von denen man weiss. Es dürfte wohl früher bis zu der Zeit, wo der Pfarrer Josef Hesse, welcher 1790 starb, die Schönauer Kirche von Hainspacher Geistlichen mit versehen worden sein. Und damals wird wohl auch die Pfarrei 1783 neu gebaut worden sein. Diese Pfarrei wurde im Jahre 1864 eingerissen und neu gebaut. Der Kirchturm soll nicht damals gebaut worden sein, sondern erst 1780, man soll damals nur einen provisorischen gebaut haben. Der jetzige Kirchturm soll 1300 Taler gekostet haben, weil die Leute, was sie dabei leisten konnten, getan haben, damit man so viel wie möglich Geld sparen konnte. Es ist unter dieser Zeit ein anderer Glockenstuhl hineingebaut worden, auch eine neue Turmuhr ist angeschafft worden. Die frühere hatte Lissners Emanuel einmal in Tetschen gekauft. Sie stammt von einem alten Schloss aus Böhmen 1688. Eine alte Orgel hatte Zacharias Lissner um 80 Taler gekauft in Tetschen 1695. Die Kirche ist in dem Jahrhundert inwendig sehr restauriert worden. Früher sollen die Emporkirchen statt mit Brettern mit einer Art Gitter verschlagen gewesen sein. Da haben die Jungen immer die Stiefel durchgesteckt. Auch eine neue Orgel ist gebaut worden. Ein neuer Hochaltar und 2 Seitenaltäre sind neu, neue Luster: 1 grosser und 2 kleine. Die ersten Pauken sollen 1725 auf das Chor gekommen sein. Ein neuer Predigtstuhl, lauter neue Bänke unten für die Frauen, neue Stationsbilder unter die Emporkirchen. Nach Niederschönau hinein eine neue Vorhalle, die Türen aufs Chor und von der Vorhalle aus die Stiegen gelegt. Früher gingen sie inwendig in der Kirche hinauf. Die Kirche hat auch ein neues Schieferdach bekommen und vor der Kirche eine ganz neue Stiege, ein neues Beinhaus. Der alte Kirchhof um die Kirche ist auch schon planiert worden. Es ist an und um die Kirche nichts mehr wie vor 100 Jahren. Neue Fenster umd die ganze Kirche, beim Altar sind be malte.

Die Schule, welche später dürfte gebaut worden sein, hat damals noch nicht gestanden. Diese Schule war nur wie ein anderes gewöhnliches Haus mit einer Wohnstube, wie sie in allen anderen Häusern waren. Die Schulstube ist früher gross genug gewesen, hat sich dann später als zu klein erwiesen, daher ist sie im Jahre 1824 vergrößert worden. Der 1. Lehrer hiess Maximilian Lissner, kam aus der alten Schule von Leopoldsruh, er hatte 4 Kinder gehabt. 2 Enkel leben heute noch in Schönau. Im Jahre 1881 wurde in Schönau eine neue Schule gebaut, sie hatte nur 4 Lehrzimmer undwurde daher wieder zu klein, sie wurde im Jahr 1886 um ein Stock höher gebaut, dann war sie immer noch zu klein, dann wurde im Jahr 1896 ein Flügel mit noch 3 Lehrzimmmer angebaut. – Die Pfarrei wurde im Jahr 1867 weggerissen und neu gebaut. – Im Jahr 1897 wurde ein Asylhaus gegründet. Es wurde das Haus Nr. 5 in Leopoldsruh angekauft und dort ein Anbau zu diesem Zweck eingerichtet. Es sind 3 Nonnen als Pflegerinnen da. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts wird die Schule noch in Leopoldsruh gewesen sein, denn damals gehörte das ganze Mitteldorf noch nach Leopoldsruh. Ich habe es selbst von einem alten Mann aus dem Munde gehört, der sagt, ich weiß noch, wie ich noch ein Junge war, dass mein Haus auch noch nach Leopoldsruh gehört. Der Mann hieß Strobach, heute noch heisst es bei Gretscheln, wohnt weit oben in Schönau. Das Haus in Leopoldsruh, wo früher die Schule gewesen ist, steht noch und heisst heute noch auf der alten Schule. Der jetzige Besitzer heisst Schade. In meiner Jugendzeit lebte in Schönau eine Frau, man hiess sie die Schul-Agnes. Das war eine Schullehrerstochter, ihr Mann hieß Berthold, und soll eine Tochter vom ersten Schullehrer gewesen sein. Ihre Schwester in Oberschönau hiess Hoke. Von der leben noch 2 Töchter, eine ist im Asylhaus. Enkel vom 1. Lehrer in Schönau von der 4. Frau Karl Josef hat von ihnen gestammt. Damals, als ich in die Schule ging, gab es einen alten Lehrer, der in Schönau fungierte, man hiess ihn nur den alten Karl Josef. Der ging zu guten Leuten, um zu leben. Es war einmal im Herbst, die Strasse war hart gefroren. Da kam er auf der Strasse, die bei der Steindruckerei beim Franz Strobach auf Schams hinführt, da trat er mit einem Fuss in ein Wagengleis, fiel um und brach ein Bein, da kam er aufs Lager, wo er starb. Dieser Lehrer soll vom ersten Lehrer Maximilian Lissner gestammt haben. In Niederschönau soll die Schule 18o7 errichtet worden sein. Sie wurde 1882 durch schlechte Vertretung wieder aufge-lassen. Im Jahre 1817 hatte diese Schule durch ein Legat 17oo Gulden von Rämisch vermacht bekommen, deren Zinsen für das Wohl armer Schulkinder verwendet werden sollten. Setzt gehen die Kinder alle herauf in die Schule.– In Grafenwalde war auch eine Schule in einem gewöhnlichen Hause, wo sie die grosse Stube gepachtet hatte. Jetzt haben sie ein neues Schulhaus mit 2 Lehrzimmern und 2 Lehrer haben sie auch. Früher hatte der Schönauer Lehrer 2 Gehilfen, man hiess sie Präzepter. Der eine hielt vormittags in Schönau Unterricht und ging nachmittags nach Grafenwalde, der andere hielt nachmittags Schule in Schönau und ging vormittag nach Niederschonau. Dies ging solange bis das neue Schulsystem eingeführt wurde. Im 19. Jahrhundert sind in Schönau abgebrannt : 42 Häuser und 13 Scheuer. In Leopoldsruh sind 4 Häuser in diesem Jahrhundert abgebrannt, in Grafenwald 7 und 6 wieder aufgebaut. In Johannesberg sind 6 Hauser abgebrannt und 4 aufgebaut worden. Dafür ist ein neues Haus dazu gebaut worden. Das Dorf hat dafür nur 1 weniger als früher. In Klein-Schönau ist in diesem Jahrhundert kein Haus abgebrannt, aber Neuberts Fabrik /3 Häuser/ 1 Haus an Eiselts Fabrik und Pfeiffers Villa und noch ein Haus des Wenzel sind in der Zeit in Klein Schönau gewachsen /6 Häuser Zuwachs/- In Leopoldsruh sind 10 Häuser mehr geworden, davon sind 3 Häuser nach Schönau einnummeriert worden, daher nur um 7 Hauser vergrössert.

In der Gemeinde Schönau sind in Schönau 68 Wohnhäuser zugewachsen, 14 Fabriken sind zugewachsen. Schönau hat jetzt 4o8 Häuser. Bauern waren zu Anfang des Jahrhunderts in Schönau : das Pfarrgut mitgerechnet, 39. Von denen sind 7 ausgeschieden und 3 sind in den Besitz von Fabrikanten übergegangen, es sind jetzt noch 29 Bauern.

Früher lag in Schönau ein Grenz-Katon, es waren lauter ausgediente Soldaten. Im Jahre 1830 kamen sie weg, dafür kam die Finanzwache auf, die trugen grüne Röcke, gelb paspuliert. Man hiess sie manchmal Hummeln. Sie hatten die Kaserne in Niederschönau beim Marschall. –

Früher war das Blumengeschäft am stärksten vertreten in der Gegend. Dann wurde dieses Geschäft nach Sachsen verschleppt, vor allem durch Finanzer. Die heirateten ein Blumenmädchen und fingen in Geschäft an. Auch andere fingen es an und zogen nach Sachsen. Die Mädchen, welche die Blumen machten, waren aber meistens aus Böhnmen.

Von der Regierung kam einmal ein Schreiben, Schönau soll sich erklären, ob in Schönau eine Schule. wo Sprachen gelernt wurden und andere Wissenschaften, notwendig wäre, die Regierung würde sie bauen lassen, damit das Geschäft nicht ganz nach Sachsen geschleppt würde. Die Gemeinde sagte ab.—

Die 4 Gemeinden: Grafenwalde, Johannesberg, Leopoldsruh und Klein Schönau hatten früher immer ihren eigenen Richter. Der erste in dem Jahrhundert war Gottfried Zweigelt, Besitzer des Grafenwalder Gerichtes, Der 2. war Josef Jäger in Leopoldsruh, der Weissmüller. Der letzte war Johann Heine, im Grafenwalder Gericht Besitzer. Der war es bis zum Jahre 1848. Dann wurden wir durch den 1. Bezirkshauptmann Gruner an Schönau angeschlossen und sind leider heute noch dabei.

Im Jahre 1842 war ein sehr trauriges Jahr. Es regnete bald einen ganzen Sommer nicht. Das wirkte am meisten auf die Kartoffeln. Dann entstand die Kartoffel-Fäule, die war so hartnäckig, dass die früheren Sorten alle so von der Fäule ergriffen wurden, dass lauter neue Sorten mussten geschafft werden. Und hat sehr lange gedauert, dass wir heute noch nicht ganz davon befreit sind. Auf dem Acker, wo man früher 5o Sack Erdäpfel erntete, hatte man nach dem Jahr 1842 nur 8 – 10 Sack und mehrere Säcke faule. Das machte das Jahr 1847 mit fühlbar. In diesem Jahr war Teuerung. Das Getreide war ausgewachsen und war nicht reinzukriegen wegen der grossen Nässe. Es kostete der Scheffel Korn 18 fl. C.K. Da wurde häufig Kukeruz gegessen, der wurde gemahlen, da war er gerade wie Hirse. Arbeit war auch nicht viel. Die Leute brauchten das Geld auf Nahrungsmittel. Da haben viele arme Leute Hunger gelitten. Die Leute kauften keine Waren, sie liessen auch nichts machen, was nicht notwendig war. Dann kam das Jahr 1848, das unvergessene genannt. Da war wohl keine solche Teuerung mehr wie 18747, aber die Geschäfte gingen nicht. Da durften die Fabrikarbeiter die Woche nur 2 fl. verdienen und wann sie gar nichts gemacht hätten, wäre es auch recht gewesen. Aber da wurde die National-Garde aufgerichtet, da wurde fleißig exerziert in der Woche und am Sonntag wählten wir die Offiziere, die wurden mit viel Musik zu Haus oder in ein Wirtshaus geleitet. Da bekam jeder Gardist, auch die Musikanten, ein paar Räucherwürste und ein Glas Bier, wir wollten aber mehr. Beim Militär hatte eine Kompanie nicht soviele Offiziere wie wir brauchten. An Vergnügen fehlte es damals nicht, wir marschierten alle Sonntage. Die Offiziere hatten sich alle fein rausgeputzt. Blanke Säbel, Feldbinde, feine Uniform. Da wurden auch grosse Gardefeste angestellt. Da gings gross her. Beim Hainspacher Gardefest waren 18 Chöre beisammen, die häufigsten mochte wohl Sachsen sein. Die hatten sich mitunter so fürchterlich adjustiert. Manche hatten blaue Blusen, um den Leib einen Ledergürtel, da steckten manchmal ein paar Pistolen drin. Es waren nicht alle mit Flinten bewaffnet, die meiste hatten Lanzen, bei uns wie den Sachsen, weil so viele alte Flinten nicht aufzutreiben waren. Bei solchen Gardefesten wurde auch eine Feldmesse unter freiem Himmel zelebriert, da gaben die mit Flinten eine Generalcharge aus bei jedem wichtigen Teil der Messe. Nach der Messe war Kommers. Da vereinigten sich die Gardebrüder und marschierten mit viel Musik gegen Abend zu Hause. Dies dauerte bis zum Herbst, dann mussten alle Garden die Waffen strecken und das goldene Leben hörte auf. Es wurden auch keinerlei Zusammenkünfte veranstaltet, wo Reden gehalten wurden. Auch diese mussten verstummen. Im Jahre 1848 gab es auch viele Privatbanknoten, aber zum Scheidemünze lo Kreuzer und Zwanziger, auch 3 Kreuzer. Damals war Konventionsmünze. Die war alle von Fabrikanten ausgegeben worden, manche waren aus Karton, die meisten aus Papier. Es sollen auch welche aus Leder gewesen sein. Damals gab es statt Banknoten Eingulden-Noten, die wurden zerrissen, wenn man was kaufte. Was 25 Kreutzer kostete, da wurde nur ein Viertel von einer Guldernote weggerissen. Kaufte man wieder etwas, riss man wieder ein Viertel davon, bis die ganze Note auf 4/4 ausgegeben war. Unter diesen Vierteln gab es sogar falsche, die sogar gekannt wurden, sie wurden aber eben genommen. Wie sie in Wien beim Einlösen sind zurecht gekommen, davon hat man nichts erfahren.

Es war einmal an einem Tag grosse Revolution. Da wurde in Nieder-Schönau ein Fuder Garn verbrannt, Maschinengarn. – Es wurde immer schlimmer mit dem Kurs, es kam soweit, dass ein Taler beinahe 2 fl. Kostete. Dann wurde auch die Robott beim Grafen abgelöst. Auch andere Zahlungen wurden ausgelöst, die die Gemeinde betraf, als der Rauch-Heller, Kaplangeld und derartige Zahlungen. Dann gingen die Wahlen an. Da wurden Reichstagsabgeordnete und Landtagsabgeordnete und auch Gemeindevertreter gewählt. Der 1. Gemeindevorsitzende war der Kirchbauer Petters, der 2. Johann Zimmer. Der 3. Franz Jäger, der 4. Konrad Endler. Der 5. Franz Paul, der 6. Josef Schams, der 7. August Schorisch, der 8. J. Kasper, der 9. Anton Lissner, welcher es gegenwärtig noch ist.

Im 48Jahr kamen auch kleine Abteilungen Militär her vom 42. Regiment blieben aber nicht lange da. Auch eine Abteilung Kavallerie kam, war aber nicht stark. Es konnten soviel sein wie in Schönau Osterreiter. Aber 1849 und 50 kamen grössere Züge, da kam Wohlgemut, das waren Tschechen, und Polen, wie die fort waren, kamen keine mehr. Dann fingen unsere Fabrikanten an zu grübeln, wie eine andere Ware erzeugt werden konnte, weil sie von Sachsen nichts mehr beziehen konnten wegen dem Kurs und es gelang ihnen auch. In ein paar Jahren machten sie dann alle Waren selber.

Dann ging auch das Vereinswesen los. Da bildeten sich in ein paar Jahren eine Menge. Der erste war der Gesangverein „Liederkranz“. Der begann im Jahre 1852. Jetzt sind noch 2, der eine heisst „Lyra“, der andere „Fortschritt“. Dann trat der Veteranen-Verein auf, dann ein Bogenschützen-Verein, aus diesem wurde dann ein Freihand-Schützen-Chor mit Flinten, dann bildete sich wieder ein neuer Bogenschützenverein. Dann wurde die Feuerwehr eingerichtet, dann ein Turnverein, dann ein Be- gräbnisverein, dann ein Kranken-Unterstützungsverein, dann ein Osterreiterverein in Oberschönau, dann ein Ostersängerverein in Niederschönau, Radfahrverein, Landwirtschaft-Verein, Gebirgsverein, Frauenverein, Diletanten Verein/Theater/, ein Werkmeisterverein. Es waren 26 Vereine in Schönau.

Im Jahre 1847 kamen drei kaiserliche Prinzen in unsere Gegend. Die reisten auch durch Schönau nach Rumburg, wo sie über Nacht blieben. Da waren in allen Städten und Dörfern Ehrenpforte aufgestellt. Da gingen auch viele Leute nach Rumburg, auch die Schluckenauer Schützen. Da war ein grosser Flügelmann dabei, es war der Wania-Schlosser. Dem hatten sie über Nacht die Stiefen gestohlen. Es waren aber in ganz Rumburg keine so grossen Stiefel aufzutreiben, da musste der Wania am anderen Tage in hölzernen Pantoffeln nach Hause gehen. Da regten sich in ganz Schluckenau die Lachmuskeln. Die 3 Prinzen waren: der grösste Franz Josef, der Kaiser, und Maximilian und Karl Ludwig. Sie hatten nicht besondere Auszeichnung an sich. Da nun das Gedränge in Rumburg beim Absteigen sehr gross war und die Polizei konnte nicht genügend Raum machen, so wurde auch ein Prinz mit in den Straßengraben geworfen, das betraf den Max.

Im Jahre 1862 wurde in Schönau ein Postamt errichtet. Der erste Postmeister war Karl Menzel, Holzstift-Fabrikant. Aber ein neues Posthaus kam erst 1897 zustande. Die Eisenbahn wurde im Jahre 1884 gebaut. Sie wurde am 14. Dezember eröffnet. Sie sollte bloss bis Schönau gebaut werden. Nixdorf liess aber nicht nach und musste eine gewaltige Garantie übernehmen, ist aber eine gefährliche Bahn. Im Jahre 1897 mussten die Steuern wieder nach Hainspach aufs Steueramt getragen werden. Schönau bewarb sich aber, dass sie die Steuer wieder einnehmen durften, und im Jahre 1898 mussten wir zum Schrecken die Steuer wieder ins Gemeindeamt bringen.

Im Jahre 1896 war in Schönau grosse Wasserflut. Durch einen Wolkenbruch bei einem Gewitter. Die grösste Strömung mochte von der Gegend vom Pirschkenberg herkommen. Wie schon in Niederschönau alles überschwemmt wurde, da riss auch noch dazu der schwarze Teich durch, dann wurde es sogar gefährlich, überhaupt in Niederschönau hat es grossen Schaden verursacht. Im Jahre darauf 1897 war schon wieder eine solche Wasserflut, wie das Jahr vorher, ohne das Wasser des schwarzen Teichs. Es lief beinahe in etlichen Häusern zum Fenster hinein. Die Leute mussten mitsamt der Ziege auf den Heuboden gehen.

Im Jahre 1899 wurde auch in Schönau das elektrische Licht eingeführt, zur Gasbeleuchtung, auch in Wohnstuben und dann als Kraft zum Betrieb von Maschinen in Fabriken und Proffessionsarten verwendet.

Im Jahr 18. Jahrhundert erbaute Herr Karl Stein eine Villa mit dem schönen Park. Diese Villa ist die grösste Zierde der Gemeinde Schönau und es kann sich kein Ort in der Umgebung von Schönau rühmen, eine solche Villa zu haben. Dadurch hat sich der Herr Stein ein immerwährendes Denkmal gesetzt.

Im Jahre 1898 erbaute Herr Johann Pfeiffer in Klein-Schönau ebenfalls eine schöne Villa, welche ihm ebenfalls als immerwährendes Denkmal dienen wird. Im Jahr 1899 wurde in Schönau ein neues Schützenhaus gebaut und wurde 1900 vollendet. Auch ein Zuckerbäcker erbaute ein Haus, welches der Gemeinde mehr Ehre macht, wie … manches andere. Wird aber nicht honoriert, weil sein Vater ein paar Worte tschechisch sprechen kann.

Über das entstehen der Hainspacher Herrschaft ist schriftliches nicht vorhanden. Im Hainspacher Schloss befindet sich eine Chronik. Diese ist schon oft durchsucht worden. Auch in der Landeschronik in Prag ist über die Herrschaft nichts geschrieben.

In meiner nahen Nachbarschaft befindet sich ein Haus, das heisst man heute noch „auf der Insel“. In meiner Jugendzeit waren die Dämme noch alle, wie sie vor 100 Jahren mögen gewesen sein. Nach unten, wo heute Franz Strobach wohnt, war der Damm hoch, da war ein tiefer Einschnitt hinein, wo das Wasser ablief, wo früher die Schütze wird gewesen sein. Die Insel war noch imstande. Da kam einmal ein starkes Gewitter und dadurch ein starker Wolkenbruch, da konnte der Durchlass das Wasser nicht erschlingen. Da füllte sich die Insel mit Wasser so stark, wie vor 100 Jahren sie gewesen sein wird. Der mittlere Hügel hat aber einen so grossen Raum, dass man ein sehr grosses Haus darauf bauen konnte. Und auf diesem Hügel soll der Graf sein Haus gebaut gehabt haben. Da aber auf dieser Insel nichts als das Schloss Raum hatte, da ist der Hof etwa 100 Schritte davon hinaus gebaut worden. Diese Hofgebäude standen in meiner Jugendzeit alle noch, so wie sie früher gestanden sind, 2 grosse grosse Gebäude standen noch, die hatten Stallungen und Scheuer enthalten. Es war zu sehen, dass das sehr alte Gebäude gewesen sein mochten, die Mauern waren aus nicht grossen Steinen gebaut, aber beinahe 2 Ellen stark. Das eine war zum Leopoldsruher Gericht verwandelt worden, war früher auch ein Wirtshaus und war auch Erb- und Lehngericht und hatte Haus Nr. 1. Es gehört auch eine kleine Landwirtschaft dazu. Dieses Haus hatte aus Grafenwalde ein wohlhabender Mann, hiess Schneider, für einen seiner Söhne gekauft. Wie dieser Sohn erwachsen war, liess er das alte Haus wegreissen und baut ein neues daneben hin, das war im Jahr 1840. Das andere kaufte der Bandfabrikant August Liebisch, liess es wegreissen und baut im Jahr 1850 eine Fabrik auf denselben Platz. Die Fabrik ist nicht viel länger, als das alte Haus war. Neben der Fabrik stand früher ein Haus, das hat auch zum Hofe gehört, darin soll früher der Förster gewohnt haben. Dieses Haus ist aber viel grösser gebaut worden und ist jetzt zum Asylhaus verwendet worden. Von dem Asylhaus hinaus steht noch ein Haus, der gegenwärtige Besitzer heisst Pietschmann /+1915 /, dort soll der Vogt gewohnt haben. In meiner Jugendzeit habe ich das Haus „bei Futsbrotzen“ nennen hören und in Oberschönau wohnt ein Bauer, dessen Vorfahren sollen aus diesem Hause stammen, es heisst heute noch bei „Futbauern“. Früher sind in unserer Nachbarschaft mehrere Teiche gewesen, wovon heute noch von einigen die Dämme sichtbar sind, ein paar sind in Wiesen verwandelt worden. Daher soll auch ein Fischer angesiedelt gewesen sein, in dem Haus, wo er gewohnt hat, es steht nicht weit davon, wo die Teiche waren, und hat noch bis jetzt immer bei „Fischebol“ geheissen, der jetzige Besitzer heisst Hackel. Das Wasser lief aus einem Teich in den anderen und aus einem derselben ist es auch in die Insel gelaufen und aus der Insel lief es wieder in einen Teich, das war der letzte, dann war von dem Teich kein Damm mehr zu sehen nach Niederschönau. – Vor ein paar Hundert Jahren soll der Graf nach Hainspach übersiedelt sein. Da soll das Schloss auf der Insel eingerissen worden sein, aber einen Flügel hat man stehen lassen, das ist das Haus, was heute noch steht, der heutige Besitzer ist Johann Ramisch, Tischler, der hat aber das Haus wieder vergrössert. Früher besass die Insel einmal ein Pietschmann, der war Fleischhacker gewesen, der liess einmal planieren. Wie sie nun die Hügel hinter seinem Wohnhaus weggruben, fanden sie lange Holzbalken, die wurden ausgegraben, die waren geschwärzt, aber nicht faul, sie wurden einem Fassbinder verkauft, davon wurden in die neuen Fässer schwarze Streifen hinein gemacht, Damals, wie der Rämisch das Haus länger bauen liess, fanden sie wieder solche Balken beim Grundgraben. Der liess aber nur ein Stück aussägen, so stark, wie der Grund werden sollte, weil ihn das übrige Holz im Bau nicht hinderte. Bei diesem Haus fanden sie auch Ofenkacheln, Töpfe und mehrere andere Gegenstände, welche alle von dem alten Schlosse herrührten. Früher besaß diese Insel ein Tischler, er hiess Langer. Damals stand die alte Wohnstube noch, welche noch von dem alten Schlosse herstammt. Da hatte der Tischler einen Lehrburschen, den hatte der Fabrikant Neubert aus Klein Schönau aus seiner Heimat hergebracht und liess ihn beim Langer-Tischler lernen. – Zu Mittag am Sonntag ging der Lehrbursche zu Neubert zum Essen, da hatte der Lehrbursche einen goldenen Fingerring anstecken, den war Neubert gewahr geworden und hatte ihn gefragt: Wo hast du denn den Ring her? Da hatte der Lehrbursche gesagt: Ich sass haussen an der Stubenwand und scharrte mit der Hand im Sande, da hatte ich den Ring ausgescharrt, ich hob ihn auf, putze ihn und wie er blank war, steckte ich ihn an einen Finger. Er war aber zu gross, da habe ich mit der Beisszange ein Stück herausgezwickt. Lass nur den Ring einmal sehen. Neubert kratzte mit dem dem Messer inwendig in dem Ring und kamen ein paar Buchstaben zum Vorschein. Da war es ein Trauring, welcher noch vom Grafen Salm herrührte. Neubert hat ihm ein Geldstück dafür gegeben und hat sich den Ring behalten. Das erzählte mir Neuberth.

Von Oberschönau nach Niederschönau geht ein Fuss-Steig. Auf diesem kommt man ein Stück eher, als wenn man im Dorf geht, weil Schönau einen Bogen hat. Diesen Steg heisst man den Wolkensteg oder Wolk-Steg. Dieser Name stammt daher, wenn ein Gewitter von unten herauf kommt und die Gewitter ziehen über den Wolksteg hinauf, so ziehen sie neben dem Botzenberg vorbei und wir werden ein solches Gewitter eher los. Kommt aber das Gewitter über das Dorf heraufgezogen, so steckt es am Botzenberg, weil der so hoch ist. Da hält sich ein Gewitter sehr lange in Schönau auf. Da nun sehr viele Wolken über den Steg hinauf ziehen, hat man ihn Wolkensteg genannt.

Früher lebten viele Leute vom Spinnen, zumal Frauenzimmer, darum wollten die Leute die Maschinen gar nicht leiden. Da kam im 48er Jahr eine Fuhre über Hainspach, sollte nach Nixdorf zu einem gewissen Kühnel, da sammelten sich in Hainspach viele Leute, dazu kamen viele Schönauer, es waren mehrere 100 beisammen, die hielten den Wagen an, luden ihn ab und verbrannten das Garn zwischen Hainspach und Schönau. Dann suchten sie ganz Schönau ab wegen Maschinengarn. Wenn sie auch etwas fanden, sie kannten es aber nicht, es wurde ihnen ein anderer Namen genannt für das Garn. –

Von der Kleidertracht am Anfang des 19. Jahrhunderts

Über die Kleidertracht, wie sie zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch einzeln bei alten Leuten zu sehen war, aber im 18. Jahrhundert allgemein üblich Mode gewesen war, mochte vielleicht eine sehr alte gewesen sein. Früher wird wohl die Mode nicht so oft gewechselt haben. Denn es war der Fall, dass ein Mann seinen Bräutigamsrock noch im hohen Alter anhatte. Diese Kleidertracht mochte auch sehr schön gewesen sein, mochte allgemein gefallen haben. Wenn man ein Kaiser-Josef-Denkmal sieht, der wird noch nach dieser Kleidertracht gebildet. So ein Anzug ist aber mitunter sehr teuer gewesen. Wenn man alte Leute davon erzählen hört, zumal bei wohlhabenden Leuten. Ein solcher Rock aus festem Tuch, soviel Sorten anderer Stoffe gab es damals nicht, der war verziert mit vielen grossen Knöpfen, so gross wie ein preussischer Taler, war aber aus Silber. So ein Knopf soll aber auch einen Taler gekostet haben. Es waren auch viele darauf, sogar an Hand-Aufschlagen waren die Knöpfe so gross wie die anderen. So ein Rock mit seinen Knöpfen mag schon ein schöne paar Taler gekostet haben. Die Weste war gewöhnlich aus einem bunten Tuch, aber ein Knopf an den anderen, so gross wie die Knöpfe an dem Rock, ebenfalls aus Silber und kostete auch 1 Taler. Es hat auch solche Knöpfe gegeben, auf der Weste, die so groß waren wie ein Dukaten, aber aus Gold, hat aber ein solcher Knopf einen Dukaten gekostet. Die Hosen gingen bloß bis an die Knie. Am Knie war eine große Schnalle, die langte ums halbe Bein rum, war aber aus Silber und hielt am Knie die Strümpfe mit den Hosen zusammen. Auch auf den Schuhen waren solche Schnallen wie am Knie und waren ebenfalls aus Silber. Der Hut war dreieckig. Die breite Krempe war heraufgebogen und an einer Seite war auch ein Knopf dran. In der Hand trug man einen Rohrstock. Dieser war mit Silber beschlagen und hing eine große Quaste aus Seide mit langen Trotteln daran. Dieser Stock soll gewöhnlich 5 fl. gekostet haben. Einen solchen Stock soll damals aber kein Dienstbote, Geselle oder ein Knecht tragen dürfen. Wenn ein solcher Herr in seiner Tracht mit Rohrstock in der Hand ausging, so hat ihn sein Anzug mehrere 100 fl. gekostet. Und damals im 18. Jh. hat man auch Zöpfe getragen. Die mochten um die Mitte des 18. Jh. abgekommen sein, denn es waren im 19. Jh. noch Leute, welche nach dieser Zopfzeit benannt worden: einer hieß Zopf-Schneider, ein anderer hieß Zopf-Schuster. Ihre Eltern werden wohl ausnahmensweise Zöpfe getragen haben. Damals mochte auch das Pudern der Bärte Mode gewesen sein. Es gab auch Anfang des 19. Jh. noch einzelne, welche sich die Bärte haben pudern lassen, dieses Pudern wurde mit einem Beutel bewerkstelligt. In dem Beutel war der Puder drin. Dieser Beutel wurde an den Bart angedrückt, solange bis der Bart weiß war, als wenn man ihn in einen Mehlsack eingedrückt hätte. Es waren aber nur Backenbärte, die gepudert wurden. Auch Ohrringe wurden damals getragen von Männer, in denen mitunter das Zeichen ihres Handwerks enthalten war.

Die Frauen trugen damals teure Kleidung, die es haben konnten, zumal die Hauben, die sie damals trugen. Die Haube bestand aus einem kleinen Häubchen, welches gerade an den Wirbel eng anschloss. Diese Häubchen war aber mit Gold oder Silber so geschmückt, das leere Häubchen soll 10-15 Taler gekostet haben. An dieses Häubchen war eine breite Spitze angemacht, welche in großem Bogen um den Kopf langt und an den Seiten sich noch ausbog. In diese Spitzen musste noch ein Schnure, in welche Draht eingenäht war, hineingenäht werden, damit die Spitze ausgespreizt wurde. Man nannte die Spitze Brabanter Spitzen und waren damals auch teuer gekommen. Hinten an den Häubchen war ein breites Seidenband mit großen Schlingen, von denen die letzten Enden weit über den Rücken herunter hingen. Die Jacke war aus Seide und der Rücken ganz klein gemacht, aber im Winter war eine Pelzjacke, welche mit Marder besetzt war. Der Rock war aus einem steifen Stoffe gemacht, man hat sie Jasch-Röcke geheißen. Es mochte ein guter Stoff dazu sein, denn in unserer Jugendzeit kauften die Juden die alten Jasch–Röcke und zahlten für so einen Rock noch ein paar Taler. Es war daher anzunehmen, dass das Kleid einer Frau auch teuer mag gewesen sein. Diese beschriebene Kleidertracht war aber nur bei Geschäftsleuten, auch Professionisten, getragen worden. Der Bauer war damals ein armer Zustand, der hat nur einen Kittel aus roher Leinwand oder zur Winterzeit einen Pelz aus einem Vieh aus seinem Stall gehabt und die Hosen aus Leder. Zudem musste ein Ziegenbock den Stoff dazu liefern. —

Der Lehrer lernte den Kindern damals nur Schreiben und Lesen. Der Lehrer Richter fing an, den Kindern auch Rechnen zu lernen. Und darüber bat er den Bischof, dass ihm eine Gehaltszulage gewahrt wurde. Da antwortet der Bischof und fragt den Lehrer: wie hoch beläuft sich Ihr Einkommen, was nehmen Sie ein? Da sagt der Lehrer sein Einkommen her: von jedem Kind bekomme ich den Tag 1 Pfennig, vom Leuten Jhrl. 20 fl., für Kirchenuhr aufziehen 12 fl., dann die Begräbnisse, die Hochzeiten und Taufen, dann habe ich den Rauchheller. Da hatte der Bischof gesagt: Sie werden den Kindern lesen, schreiben und rechnen lernen und dabei mit ihren Einkommen gut auskommen.

Diebstahl bei Langer Tischler. In Nr. 11 in Leopoldsruh wohnte damals, es mochte um das Jahr 1836 sein, ein Tischler namens Langer. Es war ein alter Mann mit seiner Frau. Da beide schon sehr alt waren, verkaufte er das Haus einem Schuhmacher namens Günther. Der Schuhmacher hatte 4oo fl bar ausgezahlt. Das Geld hatte der Langer in seiner Lade liegen im Stübel, wo sie schliefen. Das Haus bewohnte der Tischler noch allein. Die Tischlerwerkstatt war auch in der grossen Stube. Damals war ein Taugenichts in der Nachbarschaft, des Nachbarn Sohn. Dieser war unlängst vom Militär zu Hause gekommen, er kam direkt vom Festungsbau, er war beim Militär mehr im Zuchthaus als beim exerzieren. Profession konnte er keine. Sein Vater war tot. Da war in Leopoldsruh ein Strumpfwirker, der hatte eine Menge Stühle gehen. Zu diesem kam der Kerl in die Lehre. Dieser Kerl ging manchmal zum Langer ins Dorf. Der Langer Tischler hatte einen Sohn, der arbeitete in Georgswalde / im Jahre 1834 brachte der alte Frind einen jungen Mann mit nach Hause, der ebenfalls Markt-Zieher war, mit dem er da bekannt geworden war, weil er ihn für sein Geschäft bekannt machen wollte, nahm er ihn mit nach Wien und Brünn und im Jahre 1838 starb der alte Frind. Da brachte dieser seinen Bruder, er hiess Emanuel, mit ins Geschäft. Die beiden Brüder, der Ältere hiess August, führten das Geschäft fort und wurden wohlhabende Leute. Der war sehr sparsam. Er hatte sich loo fl. erspart. Diese brachte der seinem Vater zum Aufbewahren. Da sie das Geld auf dem Tisch aufgezählt hatten, kommt der Kerl zur Tür rein, da erschraken beide, ein paar Tage fehlt der Kerl und in 8 Tagen kommen 4 Kerle abends zur Stubentüre rein, binden die alten Leute, dringen in die Lade, nehmen das ganzen Geld. Dann im Fortgehen wollte einer dem Alten noch ein paar auf den Kopf geben. Da hatte einer von ihnen gesagt, „lass ihn gehen, er ist ja tot. Wir sehen, dass wir fortkonmen.“ Der Strumpfwirker liess dann eiserne Gegenstände zum Türen fest verschliessen machen. Er ahnte, sie würden ihn auch besuchen und in 14 Tag kamen sie richtig. Da hatte ein Strumpfwirker-Geselle einen bösen Hals auf, konnte nicht reden und lag in der Wohnstube, da kamen die 4 Kerle zur Tür rein. Da stand der mit dem bösen Hals auf, ging auf sie zu und wimmerte, er war ganz weiss umgeben mit weissen Tüchern. Da trieb er sie zur Tür hinaus, sie mochten ihn für einen Geist gehalten haben. Die 4 Kerle wurden erst 1 Jahr darauf erwischt in Hasel bei Kamnitz. –

Sonst war in diesem Jahrhundert, was Einbruchdiebstahl und Mordtaten betrifft, nicht viel zu berichten. Nur noch ein Fall konnte erwähnt werden. In Leopoldsruh lebte eine Familie. Er hatte eine Frau und 5 Kinder. In seinem Haus wohnte eine Familie, der Mann hiess Hille, er hatte eine Frau und 2 Kinder. Vogel, der Besitzer, und die Hillin waren aber so stark in Liebschaft geraten, dass sie beschlossen, erst den Hille und dann die Vogelin zu ermorden. Dieser Mordplan mochte viele Wochen schon beschlossen sein. Der Vogel musste den Hille bald hierhin, bald dorthin zitieren, in diesen, bald in jenen Wald. Es passte ihm immer nicht. Da brachte er den Hille abends immer wieder zu Hause. Da hatte die Hillin immer gesagt: „Bringst du ihn schon wieder heim ? Nun hatte der Vogel dem Hille weisgemacht, er sollte mit ihm nur in die Beutewalde Hasenschlingen legen gehen. Da gingen sie eines Abends um 12 Uhr in die Beutewalde. Wie sie beinahe in der Mitte des Waldes sind, da schoss Vogel nach Hille, hatte ihn aber nicht getroffen. Das hatte Hille wahrgenommen. Jetzt ist Rauferei geworden, der Vogel hatte schon den Hahn am Pistol aufgezogen und schoss dem Hille ins Gesicht, dass der Schuss auf dem Kopfwirbel rauskam, es war mit starkem Schroot geladen. Dann war Vogel entlaufen und Hille gestürzt. Er stand aber wieder auf und lief heran an eine Wiese und bei einem Kanal hielt er den Kopf in den Graben, dort war er gestorben. Frühmorgens wurde er dort gefunden. Da fiel der Verdacht auf Vogel. Man musste nun nach Beweise suchen. Durch das Pistol, welches er in Neusalz in Sachsen gekauft hatte, war es erwiesen worden, weil der Gendarm in Neusalz ist, hatte die Hillin es der Frau einer anderen Partei gesagt und diese Frau geht zum Gemeindevorsitzenden und zeigt es an. Dann wurde der Mörder nach Leipa ins Kreisgericht transportiert und die Hillin zu 16 Jahren und Vogel zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt. Da kam in 16 Jahren die Hillin heim, in 2 Jahren danach der Vogel zu Hause, da war die Hillin schon tot. Der Vogel lebte noch etwa 6 oder 8 Jahre, dann lag er eines Tages auf der Straße nach Hainspach tot, ein Schlagfluss mochte die Todesursache gewesen sein. Seine Frau lebte noch (+1916), aber seine Kinder waren während seiner Abwesenheit alle gestorben. —

In dem Haus Nr. 8 in Schönau, dass war ein Bauer mit Namen Dittrich, das war ein Bauerngut von alten Zeiten her. Der letzte Besitzer hiess Johann Dittrich und hatte keinen Sohn. Er hatte 6 Töchter. Die verheirateten sich alle. Wie nun der Vater starb, verkauften die Schwiegersöhne das Gut an einen Ausschlachter. Da wurde die ganze Wirtschaft in kleine Stücke geteilt, an der Straße rechts und links wurden Baustellen verkauft. Da ist heute eine förmliche Gasse geworden und es ist heute gar nichts mehr zu sehen, dass früher einmal ein Bauerngut war.

So war es auch mit Endlers Wirtschaft Nr. 1, die wurde auch stückweise verkauft und es ist auch ziemlich eine Gasse. Dann die kleine Wirtschaft, früher war der Besitzer Florian Pietschmann, da steht auch schon eine Reihe Häuser die Straße runter. Als der Graf Salm sein Schloss gebaut hatte auf der Insel, da mag wohl das Bauen wohl nicht aufgehört haben. Wie es aber zu einem kleinen Dorf gekommen war, hat man diesem Dorf auch einen Namen geben wollen. Da soll der Graf mit etlichen seiner Leute hinausgegangen sein. Wie sie bis auf die Anhöhe kommen, setzt sich der Graf auf einen Stein nieder. Da fängt einer von Ihnen an, er würde einen Namen vorschlagen, er sagt, weil hier der Herr Graf auf einem Steine ruht, soll er das Dorf nach seinem Namen nennen, er heißt Leopold und ruht, da würde der Name Leopoldsruh angezeigt sein. Darüber waren sie alle einverstanden und der Hügel, wo der Graf ruhte, heißt Bretthügel, wie vor alten Zeiten. Was ich darüber geschrieben habe, bedeutet der alten Leute ihre Sagen. Früher soll Hainspach dort gestanden haben, wo heute der Hainspacher Kirchhof ist. Es soll auch nur ein kleines Dorf gewesen sein. Da soll an einem heißen Sommertag ein Jäger auf einer Scheune auf die Sperlinge geschossen haben und soll dadurch das Strohdach angezunden haben. Da soll das ganze Dorf abgebrannt sein. Dort, wo es stand, dass heisst man heute noch den roten Teich (Steg ?). Dann hat man das Dorf im Tal angebaut und um diese Zeit wird wohl auch der Graf nach Hainspach übersiedelt sein. Das erste Schloss, was er in Hainspach gebaut hat, steht heute noch auf dem Hof. Es soll das Haus sein, was man das Malzhaus nennt, und soll auch dann die Allee angelegt haben. Das neue Schloss soll erst reichlich 200 Jahre stehen.