Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Fa. Johann Hille & Sohn in Schönau und Hainspach

Johann Hille (1811-1906)
Knopffabrikant in Schönau und Hainspach

Eine beeindruckende Person in der Industriegeschichte von Schönau und Hainspach ist Johann Hille, Gründer der ersten Wallnußknopffabrik in Österreich und darüber hinaus. Zur Geschichte der Firma und ihren frühen Anfängen liegt ein Bericht aus der Hand von Johann Hille vor. Demnach begann er im Alter von 27 Jahren im elternlichen Wohnhaus in Schönau Nr. 216, einer kleinen, ganz am westlichen Ortsrand von Schönau gelegenen Landwirtschaft, im Volksmund Nieder-Liebsch genannt, im Jahr 1837 und in Zeiten gravierender Arbeitslosigkeit mit der Herstellung von hölzernen Knöpfen, die mit gemusterten Baumwoll- und Seidenbändern überzogen wurden. Schon zwei Jahre später erwarb Johann Hille im Jahr 1839 vom Schönauer Handelsmann Johann Georg Liebisch das Haus Nr. 247, das fürderhin nicht nur das Wohnhaus der Familie sondern auch ein wichtiges Objekt im Firmenkonstrukt sein sollte. In jenem Jahr heiratete Johann Hille seine erste Frau Theresia, Tochter des Handelsmannes Franz Josef Hampel aus Schönau Nr. 188. In den Folgejahren wurden dem Ehepaar sieben Kinder geboren. Die zahlreiche Patenschaften künden eindrucksvoll von einer engen Verquickung Johann Hilles mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Honoration von Schönau jener Tage. Er selbst wird seitdem in den Kirchenbüchern fast durchweg ein Knopffabrikant genannt.

Das Geschäft lief offenbar recht ordentlich, bis im Jahr 1849, hier erwähnt er auch die Revolution in Ungarn, sein damaliger Mitarbeiter und Reisender, Herr Maschke, eine größere Summe Geldes veruntreute, was zu einem ersten Niedergang der Firma führte. Johann Hille betrieb vom Glück begünstigt sein Geschäft allerdings weiter, bis im Jahr 1866 der Krieg zwischen Österreich und Preußen ausbrach und daraufhin das Geschäft erneut zusammenbrach und er ganz muthlos das Seidenknopfgeschäft gänzlich aufgab. Die wirtschaftliche Wende gab es ein Jahr später, als sein Neffe Carl Franze aus Schönau Nr. 239, ein Sohn von Johann Hilles Schwester, 1867 in die Firma eintrat und sie gemeinsam einen gänzlich neuen Geschäftszweig eröffneten, indem sie eine Steinnuß-Fabrikation gründeten.

Hatte man bislang vermutlich im eigenen Wohnhaus Nr. 274 auch produziert, änderte sich das grundlegend im Jahr 1866, als Johann Hille einen industriellen Zweckbau, ein dreietagiges Produktionsgebäude, errichtete, welches später die Nr. 350 bekam. Es besaß auf jeder Etage einen beheizbaren quadratischen Arbeitssaal mit jeweils neun Fenstern. Erschlossen war das Gebäude durch eine innere Treppe, auf zwei Etagen gab es Abborte.

Schon 1867 stieg Carl Franze wieder aus dem Geschäft aus und gründete in Tetschen ein eigenes Unternehmen. Johann Hilles Firma kam richtig in Schwung, als der Sohn Eduard in die Firma seines Vaters eintrat und sie die Firma unter dem Namen „Johann Hille und Sohn“ weiterführten. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 waren sie die einzigen, welche aufgrund ihrer produzierten Steinnussknöpfe eine Auszeichnung erhielten. Ein Jahr später 1874 erwarben sie aus der Konkursmasse der Ernst’sche Knopffabrik in Hainspach das Grundstück Hainspach Nr. 48 und richteten dort ebenfalls eine Steinnussfabrik mit Kraftbetrieb ein. Der Schwerpunkt der Firma verlagerte sich nach Hainspach und die Erzeugung in Schönau wurde eingestellt. Die Knopffabrik Schönau Nr. 350 bekam mit Laurenz Müller, einem Verwandten seiner Frau und ebenfalls Knopffabrikant in Schönau, einen neuen Besitzer, der das Werksgebäude in seine Firma integrierte.

Johann Hille war gesellschaftlich aktiv. So ist überliefert, dass er zu seinem 80. Geburtstag dem Schönauer Armenfonds 1000 fl und dann später ein Sparkassenbuch zur Anschaffung von Kleidungsstücken für arme Schulkinder in Schönau spendete. Am 09.02.1903 wurde er für seine Verdienste um die Gemeinde Schönau zum Ehrenbürger ernannt.

Von Johann Hille ist ein Foto erhalten geblieben, das erstmals in der Heimatkunde von Josef Fiedler 1898 publiziert wurde (siehe oben). Durch glückliche Umstände sind Mustertafeln aus der Steinnußproduktion erhalten geblieben. Eine ist in der kleinen Ausstellung zur Fa. Johann Hille & Sohn in der Heimatstube von Hainspach zu sehen, eine andere Mustertafel befand sich in der „Heimatsammlung Böblingen“.

Schönau Nr. 350, im Jahr 1866 errichtetes neues Fabrikgebäude (Knopffabrik), nach 1945 abgetragen
Mustertafel der von der Fa. Johann Hille & Sohn hergestellten Knöpfe (Sammlung Böblingen)
Knopfmustertafel der Fa. Johann Hille & Sohn (Hainspach), Heimatstube Lipova / Hainspach
Die Fa. Johann Hille & Sohn, Knopffabrik in Hainspach Nr. 348

Teil II

Nachdem Johann Hille im Jahr 1874 das Grundstück Hainspach Nr. 48 aus der Konkursmasse der Hainspacher Ernst’schen Knopffabrik erwarb, verlegte er nach und nach die Produktion nach Hainspach und die bisherige Fertigung in Schönau wurde systematisch zurückgefahren und um 1880 gänzlich eingestellt. Mit dem Erwerb des Hainspacher Grundstücks setzte sich der sehr bemerkenswerte Aufschwung der Firma weiter fort. Das ausgedehnte Grundstück bot beste Möglichkeiten auch der baulichen Entwicklung der Firma. Schon bald begann man mit den ersten Erweiterungsbauten, wie man einem Plan aus den späten 80iger Jahren des vergangenen Jahrhundert entnehmen kann. Zunächst wurde entlang der Straße ein neues Gebäude errichtet, das sich direkt an die alte Knopffabrik anschloß (Abb. 1). Später vor 1898 wurde der große Flügel auf der Südseite des Grundstücks gebaut. Von diesen Bauarbeiten ist sogar ein Foto erhalten geblieben.

Johann Eduard Hille führte das Unternehmen zunächst gemeinsam mit seinem Halbbruder Carl Josef und nach dessen Tod im Jahr 1908 als Alleininhaber. Carl Josef Hille wohnte in Hainspach Nr. 59 (später Nr. 359). Hier wurden auch dessen vier Kinder geboren.

Der Vater der beiden Brüder, Johann Hille, blieb in Schönau wohnen und starb dort im Jahr 1906 im hohen Alter von 94 ½ Jahren verwitwet in seinem Haus Schönau Nr. 274. Seine zweite Frau Maria Anna, eine geborene Hille aus Schönau Nr. 187, war bereits am 10.10.1897 ebenfalls in Schönau Nr. 274 verstorben.

Mit etwa 300 Beschäftigten war die Firma Johann Hille & Sohn um 1914 eine der bedeutensten Steinnuß- und Büffelhornknopffabriken in Österreich-Ungarn. Johann Eduard Hille war Mitgründer (1891) und Präsident des Verbandes der österreichischen Steinnußknopf-Industriellen, er erhielt das Ritterkreuz des Franz-Josef Ordens. 1911 wurde er Ehrenbürger der Marktgemeinde Hainspach. Eine zeitlang war Johann Eduard Hille Obmann der Bezirksvertretung und wirkte mehr als 35 Jahre als Gemeindevertreter im Gemeinderat. Hier bemühte er sich, allerdings vergebens, 1907 / 1911 um eine normalspurige, elektrisch betriebene Lokalbahn nach Hilgersdorf und darüber hinaus nach Steinigtwolmsdorf und Neustadt/Sa.

Im Jahr 1911 wurde für die Fa. Johann Hille & Sohn unter der Nr. A 8228-11 ein Patent für ein Verfahren zur Herstellung von Knöpfen aus Büffelhorn eingetragen.

Lebte Johann Eduard Hille mit seiner Familie zunächst bis ca. 1886 im Haus Hainspach Nr. 48 (siehe Abb. 1), so muß bald darauf der vor 1898 errichtete, villenartige Neubau Hainspach Nr. 374 bezogen worden sein, wo Johann Eduard Hille schließlich 1929 im 86. Lebensjahr verstarb.

Die Gebäude der Fa. Johann Hille & Sohn in Hainspach. Das giebelständige Haus: die ehem. Knopffabrik Ernst, daneben parallel zur Straße als traufständiges Haus das Firmengebäude, erichtet in den 1880iger Jahren, rechts daneben das giebelständige Haus die Nr. 48, zunächst das Wohnhaus des Firmeninhabers, später mit Nr. 348 als Fabrikgebäude genutzt. Die hohe Esse gehörte ebenfalls zum Firmenkomplex. Auf der rechten Bildseite ist Nr. 59 / später Nr. 359 zu sehen, das Wohnhaus von Carl Josef Hille, Mitinhaber der Firma und weiterer Sohn von Johann Hille, dem Firmengründer.

Aus dem Jahr 1894 gibt es ein beeindruckendes Foto der Belegschaft der Fa. Johann Hille & Sohn. Inmitten der Arbeiter sitzt in der ersten Reihe im Anzug vermutlich der Firmeninhaber Johann Eduard Hille. Leider sind keine Namen der fotografierten Personen überliefert. Vielleicht erkennt ja jemand in den Gesichtern der Männern seinen oder ihren Groß- oder Urgroßvater.

[Fotosammlung M. Turyna Velky Senov]

Grabstein der Familie Johann Hille in Schönau
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Grabstein der Familie Hille (Sammlung M. Turyna VS)

Johann Hille, 1850-1895, Sohn von Johann Hille

Anna Hille, 1828-1897, zweite Gemahlin von Johann Hille

Hermann Knoll, 1850-1905, Schwiegersohn von Johann Hille

Johann Hille 1811-1906, Knopffabrikant in Schönau 274