Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Die Kirche von Groß Schönau und ihr Grundstück

Allein schon die obige Überschrift läßt ahnen, dass heute weniger die Kirche St. Bartholomäus selbst als vielmehr das Grundstück, auf dem sie steht, im Mittelpunkt des Beitrages stehen wird. Die Geschichte der Kirche ist nur halbwegs erforscht. In den geläufigen Schriften wird stets auf die Ausführungen von Josef Fiedler Bezug genommen, wonach die Schönauer Kirche im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts entstanden sei. Die vorgebrachten Argumente sind nicht weiter belegt und müssen hier auch nicht wiederholt werden, allein der kunstgeschichtliche Befund, dass wir es hier im Grunde nach mit einem Bau aus der Renaissance zu tun haben, läßt eine Datierung etwa in den Zeit 1580 / 1590 durchaus zu. Dieses Alter wird auch im Denkmalverzeichnis des Landes genannt.
Gelegentlich wurde vorgebracht, dass dies nicht der erste Kirchenbau an dieser Stelle sei, da in der früheren Geschichte von Schönau wiederholt Nachrichten auftauchen, wonach es in Schönau auch schon früher Geistliche gegeben habe und somit wohl auch ein, wenn auch vermutlich hölzerner Kirchenbau. Wenn auch Sagen eigentlich nicht als Kriterien für tatsächliche Geschehnisse herhalten sollten, so könnte in der Sage vom Urberg durchaus ein wahrer Kern stecken, wonach seinerzeit darüber gestritten wurde, wo denn nun der neue Kirchenbau von Schönau errichtet werden solle, ob auf dem Urberg oder halt anderswo. Hätte es zu jener Zeit bereits eine Kirche an der strittigen Stelle gegeben, hätte sich die Diskussion zum Standort des Neubaus sicher erübrigt.
Nun also zum Grundstück, dem heutigen historischen Friedhof mit seinen zahlreichen barocken und klassizistischen Grabmälern.
Wir greifen hier eine sehr interessante Quelle auf, die Chronik des Liehrschmiedes, der um 1900 interessantes zu diesem Grundstück zu berichten weiß:
„Wann die Kirche in Schönau erbaut worden ist, davon weiss weder in Schönau noch in Hainspach beim Patronat jemand etwas davon. Die Kirche steht auf Kirchbauern Gut. Das Bauernhaus hat bis zum Jahre 1823 noch beim hinteren Kirchtor hinüber über den Fuhrweg im Garten gestanden. Im Jahre 1823 hat der Kirchbauer sein Haus und Scheuer über die Dorfstrasse hinausgebaut. Und im Jahre 1824 ist die Schönauer Schule vergrössert worden. Da sind die Kinder während dem Bau in das neuerbaute Haus des Kirchbauern in die Schule gegangen. Das Grundstück, auf dem die Kirche, die der alte Friedhof mit der Umfassungsmauer umgibt, [steht,] wird früher ein Grasgarten gewesen sein. Es standen noch zu meiner Jugendzeit 3 Birnbäume auf dem innern Kirchhof. … Die Bäume werden wohl nicht gesetzt worden sein, wie das schon Kirchhof war. Da ist eben zu wundern, dass zu der Zeit noch Bäume von der Zeit noch da waren, wie das noch ein Grasgarten gewesen ist. Die Gemeinde hat diesen Grund mit dem damaligen Kirchbauer für ein anderes Grundstück vertauscht. Dieses Grundstück liegt von Klein Schönau nach Schönau rein und man hiess dieses Grundstück immer Kirchbauern Folge. Um das Jahr 188o kaufte die Gemeinde Kirchbauern Gut [Nr. 316]. Da wurde die Folge an zwei andere Eigentümer verkauft. Jetzt hat man das Bauernhaus mit Scheuer weggerissen und die neue Schule hingebaut [Nr. 387].“

Das Flurstück „Kirchbauers Folge“ existiert heute nicht mehr in seiner ursprünglichen Form, seine Größe ist jedoch noch zu ermitteln und wird ca. 20.000 m² betragen haben. In seinem nördlichen Areal steht heute das Fabrikgebäude der Firma August-Göbels-Söhne, Nr. 410. Die westliche Flurgrenze stößt an den schmalen Flurstreifen des kleinen Erbdreschergrundstücks Schönau Nr. 123. Östlicher Nachbar ist Herrschaftlicher Grund in der Gemarkung Grafenwalde/Leopoldsruh [alles Stand um 1900].
Wann nun der Tausch der beiden Grundstücke stattgefunden hat, also das heutige Flurstück 469 mit Kirche und historischem Friedhof einerseits und andererseits Pfarrbauers Folgewiesen, läßt sich heute nicht mehr erkunden. Wir sind allein auf den Bericht in der erwähnten Chronik angewiesen. Pfarrbauers Folgewiesen werden nach meiner Kenntnis erstmals um 1728 in den Grundbüchern von Schönau erwähnt, also gut 150 Jahre nach dem erschlossenen Neubau der Schönauer Kirche.
Und wo nun hat aber der vorangehende Kirchenbau von Schönau gestanden ? Darüber schweigen die Quellen. Man weiß von einer Schafskapelle, die an der Kreuzung der Schönauer Ortsstraße mit der Straße nach Hainspach gestanden hat, und die erst im 19. Jahrhundert aufgrund ihrer Baufälligkeit abgetragen wurde. An ihrer Stelle steht heute noch ein mächtiges Steinkreuz. Aber hier sind noch weitere Forschungen nötig und die zur Verfügung stehende Quellenlage ist leider sehr überschaubar.

Das Foto aus dem Jahr 1925 zeigt die Schönauer Kirche von Ihrer Nordseite her. So eine Aufnahme ist heute nicht mehr möglich, da auf der Wiese im Vordergrund im Jahr 1930 das Haus 500 errichtet wurde, das bis 1945 die Krankenkasse von Groß Schönau beherbergte.

Flurstück an der Grenze zur Flur Grafenwalde, rot umrissen das Flurstück, das Kirchbauers Folge genannt wird. Im oberen Drittel steht heute die Fabrik von August-Göbels-Söhne