Nachstehend folgt eine durch allerlei interessante Nachrichten angereicherte, aber gewiss nicht vollständige Liste von Bränden und Feuersbrünsten in Groß Schönau in der Zeit von 1848 bis 1939. Die Liste stammt aus den heimatkundlichen Aufzeichnungen von H. Liebisch „Band’l-Lieb’sch“, leider jedoch ohne die geringste Angabe zu den Quellen, die dieser Aufstellung zugrunde lagen. Da aber verschiedene Anektoden mit den Aufzeichnungen verbunden sind, schien mir die Bekanntgabe der Liste hier als lohnenswert. Da nicht mehr allen Lesern die Schönauer Mundart vertraut sein mag, wurden die betreffenden Aussprüche von mir in das Hochdeutsche übertragen.
1848 Nr. 234, Bauernhof von Jakob Franze
Junggeselle, er ließ die Wirtschaft auf und verkaufte sie an Johann Franze „Nieder-Franzen“
1866 Nr. 66, Bauernhof „Pietsch-Bauer“ von August Hofmann;
Hofmann war gerade in der Oberschänke beim Kartenspielen. Der Oberschänker, Franz Schneider, stürzte herein: „August, bei Dir brennts!“ Da trinkt August gelassen sein Bier aus und sagt trocken: „Na, dou wunn m‘r ock ierscht ‚n Spielverdienst uftej‘n!“ „Na dann wollen wir erst mal den Spielverdienst aufteilen“
1866 „Aschemann“ Elmerts Gasthaus
die Überlieferung sagt, dass beim Rückzug der Truppen durch Einquartierung ein plötzlicher Brand auftrat und ein Hauptmann nicht mehr gerettet werden konnte. Er verbrannte. Seither führt das Gasthaus den Namen „Aschemann“
1866 Nr. 42, Bauernhof „Patzer-Liebisch“
Kurz nach diesem Brande und aus gleicher Ursache brannte auch der Bauernhof No 42, Besitzer Lorenz Liebisch, erneut und vollständig nieder. Beim Wiederaufbau hat sich ein Zimmermann, der wegen seiner Unehrlichkeit nicht beschäftigt werden konnte, geäußert: „Baut nur zu – Ihr baut bald wieder auf“ und hat das Haus
1867 erneut in Brand gesetzt. Als ein sinnvolles Zeichen der damaligen Haus-Justiz folgende Episode: Großmutter Liebisch-Veronika nimmt einen Korb mit Lebensmittel und schafft sie zu dem Brandstifter mit den Worten: „Dou hott‘r wos zun Laben – ober etz losst uns ock ei Ruh‘“ „Da hast Du was zum Leben – aber jetzt lass uns aber in Ruhe“
1879 Nr. 239, Bauernhaus von Johann Franze „Nieder-Franzen“, später Bandfabrikant Johann Franze, Kinder hatten sich beim Dreschen in den vor der Scheune aufgestellten Garben versteckt und ein Feuer angefacht. Dabei verbrannte das vier jährige Töchterchen von Franze. Beim Löschen kam ein junger Feuerwehrmann ums Leben.
1880 ca. Kaufer Bäcke / Spork Bäcker; gegenüber dem Kauferbauer. Das Wirtschaftsgebäude wurde dann auf der gegenüberliegenden Seite aufgebaut
1890 Nr. 165, Mittelmühle; später Abfallspinnerei, noch später Gummibandfabrik Hugo Kohn, dann Heinrich Hofmann. Besitzer zur Zeit des Brandes war Vogel-Müller
1891 Nr. 239, Johann Franze, Bauer am 17.09.1891; am Bahnhof Hainspach, Scheuer
1891 Nr. 163, Marschner-Bauer am 19.09.1891
1891 Josef Pohl, Feldgärtner unterhalb Franze-Bauer
1891 Nr. 222, Pohl-Bauer „Gottelt-Bauer“
trotz strengster Brandwache. Der Mutmaßliche Täter für diese Brände wurde dann in einem Gasthaus festgenommen, wo er erklärte: „Er wüsste sich auch trotz der strengen Feuerwache einen Brand zu legen.“ Er gestand zwar die Brandlegung nicht ein, kam dann aber in ein Dresdener Krankenhaus, wo ihm die rechte Hand abfaulte. Die Geschädigten sahen darin ein Gottesgericht.
1903 Nr. 200, Bauernhof Hanich in Niederschönau, Nähe Eisenbahnkurve, brannte zur Gänze ab. Ursache ungeklärt
1905 Weisgerber Herlt in Oberschönau Ortsrichter Lauer, später Kysela Schlosser
1908 Leiblichs Gasthaus in Niederschönau, hinter dem Rämisch-Bäcken, mittags 1 Stunde zur Gänze
1908 das zweistöckige Holzgebäude des Josef Salomon / hinter Bielenmautsch, später etablierte sich der Bergmann-Gärtner an dieser Stelle
1906 Nr. 333, Die obere Schmiede, Inh. Franz Müller, zum 2. Male durch Blitzschlag. Das Haus soll auf einer elektromagnetischen Ader der Fiebigwiese stehen
1907 6.8.1907 Rudolf Herlts Gasthaus und Krämerei, Niederschönau, neben der Nickelei.
durch Blitzschlag: Kurze Zeit nach diesem Gewitter kam ein weiteres auf, verbunden mit einem Hagelschlage von bisher nie gekannten Ausmassen. Körner von 6 cm Durchmesser. Die Ernte wurde in einem Streifen von 500 m quer durch Niederschönau total vernichtet. Im Freien arbeitende Menschen und Tiere kamen zu Schaden. Viele Dächer und tausende Fensterscheiben wurden dabei eingeschlagen.
1910 Nr. 188, Die ehemalige Schorisch-Gerberei, Josef Müller-Gerber; in den Ruinen etablierte sich eine Schreibbanderzeugung von Ing. Schubert aus Dresden – später wurde es Konsum, nachher Hermann-Tischler mit Spielwaren und Sportartikeln
1911 Nr. 81, Bauernwirtschaft „bei Jorchen“ von Johann Kindermann, Oberschönau;
In der Esse des Wirtschaftsgebäudes befand sich zur Zeit des Brandes gerade Schweinespeck zum Räuchern, wie dies bei Bauern üblich war. Ein Stück solchen Specks Schrietel, durch das auslaufende Fett leicht geworden, fliegt brennend durch die Esse, überspringt das Haus vom Hentschel-Kamschner/Molienmacher und fliegt auf das
1911 Strohdach von Wessig, 1. Haus an der Botzenstraße, später Gubin, das im Nu über und über in hellen Flammen stand
1917 Wohnhaus Morgenstern, Kleinschönau, Blitzschlag
1925 Pechan, Gasthaus, Hentschel-Fleischer
1926 Nr. 248, Bauernwirtschaft „Petters-Bauer“ von Franz Müller, Scheuer
1926 Nr. 171, Josef Grohmann / Fabelbauer Grohmann
wurde am Tage vor dem Brande, er bestritt als Junggeselle mit seiner ebenfalls ledigen Schwester die Wirtschaft, bei einem nächtlichen Einbruch so schwer durch Messerstiche in den Unterleib verletzt, dass er kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Brandstiftung
1927 Nr. 37, Hans Strobach, Schneiderslies, Scheuer durch Kurzschluss
1928 Nr. 66, August Hofmann, Pietschbauer, Oberschönau, Samstag gegen 8 Uhr zum 2. Male Brandlegung
1928 Nr. 255, Wirtschaftsgebäude Josef Vogel, Bauernwirtschaft
Niederschönau, gegenüber Spritzenhaus, 2 Stunden später ebenfalls durch Brandlegung bewirtschaftet durch Stefan Hille / KlejJorche, derselbe, dem auch das Gut des ehem. Dominik Liebisch beim Rathaus gehörte. Er war der Schwager des im 1. WK gefallenden Josef Vogel. KlejJorche, das heißt Kleiner Georg und war der Hofname von Nr. 163 (damals hießen die Besitzer Hille)
1928 ebenfalls Brandstiftung Johann Frenzel Niederschönau, vormals Schicktanz
Diese 3 Brandstifungen innerhalb kürzester Zeit scheinen aus einem Racheakt gegen die Feuerwehr zu resultieren. Die neue Motorspritze war zur Zeit der Brände noch nicht eingetroffen. Als sie gegen 2 Uhr nachts durch Chaffeur Winter eintraf, konnte sie nur noch beim Ablöschen des 2. Brandes eingesetzt werden. Infolge dieser drei kurz aufeinanderfolgenden Brände wurde eine strenge Brandwache eingesetzt.
1912 Josef Sieber Oberschönau. Bahnoberinspektor, unter seiner Leitung wurde die Eisenbahnbrücke Wölmsdorf gebaut.
Die Brandursache zu dem Sieberschen Hausbrand ist sehr interessant. In diesem Haus befand sich u. a. auch das Gemischtwarengeschäft des Anton und der Marie Gube. Sie führte auch die damaligen Phosphorzündhölzer, die leicht entzündbar waren. Sie wurden in großen Stößen in einer Kammer aufbewahrt und gestapelt. Eine Katze scheint über so einen Stapel gelaufen zu sein und beim Herunterfallen eines dieser Stösse haben sich die Zündhölzer entzündet. Die Kammer war jedenfalls in Sekunden ein riesiges Flammenmeer und dieses fand reichlich Nahrung in dem erst frisch mit Ölfarbe getränkten Wohnhaus. Die Katze ist ebenfalls mitverbrannt.
1930 Nr. 248, Scheuer des Franz Müller, Bauernwirtschaft
1933 Planiermeister Gottelt, Niederschönau
1933 Nr. 174, Landwirtschaft
1934 Nr. 41, Johann Rämisch – Futh-Ramsch Oberschönau, Bauernwirtschaft
1935 Nr. 148, das alte Salm‘sche Bauernhaus / Endler / neben Konfektionsrösler 1 Uhr vormittag
1935 Johann Kumpf, Brillenkumpf gegenüber Rahmel-Richter
1935 Nr. 108, Franz Hentschel -Scheuer – Salenhons Blitzschlag am 28.06.1935 10 Uhr vormittags
1935 Nr. 276, Karl Strobach Karle-Bauer / Bauernwirtschaft neben Nickelei, Brandlegung
1937 Der Hof vom Vorsteher Dittrich, Fürstenwalde
1942 Josef Richter – Straßenrichter, Oberschönau, Blitzschlag
1934 Die Raketelbude am Kreuzberg
1939 Beim Wendschuh Kleinschönau