Das Jahr 1728 war kein gutes Jahr für Groß Schönau, oder wie es zu jener Zeit geheißen haben wird: Schönau in Nordböhmen. Das Osterfest, das man in jenem Jahr am 28.03.1728 gefeiert hatte, war gerade erst zwei Wochen vorbei und der Frühling vermutlich in vollem Gange. Da brach am Dienstag, d. 13. April, am frühen Nachmittag im Schönauer Oberdorf ein furchtbares Feuer aus, das in äußerst kurzer Zeit 20 Gebäude vernichtete, darunter 4 Bauerngehöfte, zwei Gartennahrungen und zahlreiche in der Dorfaue gelegene Häuser1. Ausgangspunkt der Feuerbrunst war wohl ein absichtlich angelegtes, eher kleines Feuer an einem Haufen Unrath beim 4. Bauer im Oberdorf. Das wäre heute der Hof Nr. 41 gewesen, der bis 1945 von der Familie Rämisch bewirtschaftet und im Volksmund Fut-Ramsch genannt wurde. Über die Feuersbrunst berichtet ausführlich eine Notiz im Schönauer Grundbuch2, aus dem im Folgenden, behutsam angepasst an die heutige Rechtschreibung, zitiert werden soll. Dazu habe ich, soweit sie zu rekonstruieren waren, die Hausnummern der betroffenen Gebäude sowie die geläufigen Spitz- und Hofnamen angegeben. Im Grundbuch ist nun auf Seite 432 folgendes zu lesen:
„Anno 1728 den 13. April an einem Dienstag nachmittag um 2 Uhr, hat sich bei dem Vierten Bauer vom Gericht hinauf, derzeit mit Namen Christoph Marschner, in gleich dermalen sehr dürren Wetter und großem Winde, an den Scheuer gegen die Straßen eine entsetzliche Feuerbrunst erhoben, wodurch in sehr kurzer Frist 20 Gebäude jämmerlich in die Asche gefallen und hat der gräuligen Schleunigkeit wegen von Habseligkeiten bei den Mehresten wenig gerettet werden können.
Dieses Unglück hat betroffen:
Bauern
Christoph Marschners Haus und Scheuer Fut-Ramsch B5 / Nr. 41
Elias Marschners Haus und Scheuer Schneiderslies B4 / Nr. 37
Hanns Hillen Güttels Haus und Scheuer Maschke-Bauer B18 / Nr. 112
Zacharias Hillen Scheuer Müller-Bauer B19 / Nr. 113
Gärtner
Hans Hillen Haus und Scheuer Bin-Weber G 3 / Nr. 32
Baltzer Lißners Haus und Scheuer Dießner-Tischler G 7 / Nr. 117
Häusler
Zacharias Hillen Haus Salm-Schuster H 54 / Nr. 38
Anna Möllerin Wittibin Haus
Zacharias Möllers Haus Göbel August H 55 / Nr. 109
Christoph Möllers Schumachers Haus Görner H 56 / Nr. 111
Maria Marschnerin Wittib Haus Opitz-Tischler H 57 / Nr. 36
Anna Hessin Wittib Haus Hillen Alois H 60 / Nr. 114
Seel. Christoph Hillen Waisen Haus Botzenschneider H 62 / Nr. 33
Elias Hillen Schumachers Haus Lißner H 61 / Nr. 31
Zacharias Lißner Schumachers Haus Grötschel-Strobach H 64 / Nr. 116
Des seelg. Christoph Kuntzen Waisen (H65 / Nr. 30), weil sich das Dorf dorthen etwas westlich ……. (?) und die Luft gegen Kleinschönau stunde, nach dem vom selben Haus das Dach gleich abgeflogen und die nächsten Häuser stark begossen, ist endlich sehr kümmerlich erwehrt worden. Wann der Wind das Dorf just auf oder Nieder gestanden hätt, wäre der jenige Theil von der Gemein nicht gerettet worden. Gott hätte es dann wunderlich gemittelt. Wie es ist auskommen, ist nichts gewisses. Unweit von erstberührter Scheuer da es angefangen, ist über der Straße aufn Acker ein feurig (?) von unterschiedlich aufräumungs Unrath angezünd gewesen. Ob nun der Wind oder ein unverständiges Kind etwas davon aufs Dach geführet, ist dem Allerhöchsten allein bekannt.“
(aufgeschrieben von) Paul Lißner, Gerichtsschreiber allda
Soweit die historische Notiz. Überträgt man die Brandstellen auf einen Ortsplan von heutiger Zeit, sieht man deutlich die ausgedehnte Brandzone. Beginnend beim Bauernhof Nr. 41 breitete sich das Feuer in Richtung Süden aus. Es vernichtete fast alle Häuser auf beiden Seiten des Dorfweges und kam erst auf Höhe vom Diesner-Tischler Nr. 117 zum Erliegen. Letztes betroffenes Haus war die Nr. 30 (1945 Familie Franz Dittrich), dessen Dach vom Feuersog abgerissen worden war.

Ausschnitt aus dem Ortsplan von Groß Schönau, erstellt von Lang / Konrad in den Jahren 1964 – 1979 mit roter Kennzeichnung der durch die Feuersbrunst von 1728 zerstörten Häuser und Scheunen
Einige vor allem unmittelbar am Bach gelegene Häuser scheinen allerdings verschont geblieben zu sein. Dabei ist zu beachten, dass die Häuser seinerzeit nicht an derselben Stelle gestanden haben müssen, wie die Hausnummern es für 1945 vermuten lassen. Gut zu erkennen ist das an der Nr. 32, die heute an der Straße steht, dort aber erst am Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde und zuvor in den Wiesen südlich davon gestanden hat.
Nicht identifiziert werden konnte das Haus der Witwe Anna Möller. Ich vermute es in der Nr. 39, da für alle anderen fraglichen Häuser ( Nr. 34, 35, 115) andere Eigentümer für jene Zeit ermittelt werden konnten.

Bei aller wirtschaftlicher Not, die sich aus den Bränden ergeben haben wird, ist anderseits dankbar festzustellen, dass offensichtlich kein Mensch durch das Feuer ums Leben gekommen ist. Wie lange der Wiederaufbau gedauert haben mag, darüber schweigen allerdings bislang die Quellen.

Abb. 2 Schönau Nr. 116, ein großes Umgebindehaus, das an der Brandstelle von 1728 neu errichtet wurde.
1Das Feuer wird erstmals bei J. Fiedler, 1898, Heimatkunde des politischen Bezirks Schluckenau auf S. 427 erwähnt.
2Das Grundbuch ist unter www.familysearch.com einsehbar.
