ein Flurdenkmal im Westen von Groß Schönau
Frau Marianne Kipping, geborene „Kasper-Bauer“ aus Schönau 244 zum Gedächtnis
Unsere Flur- und Wegekreuze sind im Allgemeinen Zeugnisse des religiösen Lebens unserer Vorfahren. So erinnern uns einige Kreuze mit Hilfe eines frommen Spruches an unsere Vergänglichkeit oder verweisen den gläubigen Menschen anhand von Bibelstellen aus dem Alten und auch aus dem Neuen Testament auf verschiedene religiöse Anforderungen im täglichen Leben. Während einige Kreuze nur der jeweiligen Familie oder dem aufmerksamen Wanderer als Andachtsstätte dienten, standen andere Kreuze im Blickpunkt der gesamten Gemeinde, wenn sie an bestimmten Festtagen bei Prozessionen einbezogen wurden. Es gibt aber auch Steinkreuze, die waren explizit Rechtsdenkmale, erinnert sei hier an die vielen Mord- oder Sühnekreuze, die vor allem aus den Ländern Mitteldeutschlands bekannt sind und zumeist aus dem Mittelalter stammen.
Das sogenannte Wiesenkreuz im Westen der Gemarkung von Groß Schönau, fast am Ende der langgestreckten Flur des Kasper-Bauers aus Schönau Nr. 244 hart an der Grenze zu Hainspach gelegen, hat zwar einen religiösen Text, den ich nachstehend noch bekannt geben werde. Das Kreuz selbst könnte jedoch auch ein derartiges Rechtsdenkmal sein, wenn auch die dahinter steckende Geschichte etwas skurril ist.
Wir befinden uns etwa im Jahr 1840. Eigentümer der Flur war zu jener Zeit Josef Elmer. Durch seine Heirat 1820 mit Theresia, der Erbtochter des Bauers Josef Hille, war er Besitzer des Bauerngutes Nr. 244 in Niederschönau geworden. Er selbst entstammte dem alteingesessenen Bauerngeschlecht Elmer aus Wölmsdorf Nr. 49. Mit Josef Elmer ist nun die Geschichte des Wiesenkreuzes verbunden.
Die Geschichte des Kreuzes beschreibt der Lehrer Josef Fiedler in Band XXIII des Nordböhmischen Exkursions-Klubs aus dem Jahr 1900 (S. 288) wie folgt:
Der frühere Besitzer (der Wirtschaft in Nieder-Schönau Nr. 244) hieß Josef Elmer, dessen Wiesen an dem genannten Kreuze vom Hainbache durchflossen werden. In der Wiese stand Gesträuch und bot für die Fischerei, welche der Herrschaft gehörte, einen sehr günstigen Platz. Die tiefer gelegenen Wiesen der anderen Bauern wurden von diesen planiert und lieferten einen größeren Ertrag, deshalb wollte auch Elmer seine Ernte vermehren. Er ging zum Grafen und bat um die Erlaubnis, seine Wiese planieren zu dürfen. Der Graf willfahrte seiner Bitte. Da kam der Oberamtmann Bek und ließ die Planierer vertreiben. Elmer wollte nicht glauben, der Graf hätte sein Wort zurückgenommen, und so planierte er weiter, bis er wieder vom Oberamtmann gestört und fortgejagt wurde. Elmer reiste nun zum Grafen nach Prag, konnte aber nichts ausrichten. Das Spiel ging wieder vom neuen los. Schließlich entstand unter den Bauern eine förmliche Revolte, sogar von Nixdorf und Wölmsdorf kamen sie dem Elmer zu Hilfe; die herrschaftlichen Störer waren gewarnt worden und blieben aus. Später simulierte Elmer Wahnsinn, und als der Graf den traurigen Zustand des Elmer erfahren hatte, soll er geäußert haben: „Jetzt ist’s genug.“ Die Wiese wurde also planiert. Als Elmer starb, hinterließ er die Wirtschaft seiner Frau, durch welche sie an Josef Kasper kam, dessen Nachkommen hier bis 1945 wirtschafteten. Josef Kasper war es auch, der 1840 das Wiesenkreuz errichtete. Es trägt folgende Inschrift:
Gottes Wahrheit, Tugend, Brüder lieben,
kein Herz, selbst nicht den Feind betrüben.
Barmherzig sein, getrost im Leiden
Bosheit, Arglist und Sünde meiden.
Das hat der Göttliche gelehrt!
Lebt so, dann seid ihr Seiner wert.
Josef Kasper, Schönau 1840 (ursprünglich Joseph Elmer)
(Auf der Rückseite d. Kreuzes steht: I.E. 1844)
Von Karl Franze, Nieder-Franze-Bauer aus Schönau Nr. 239, habe ich gehört, dass sich in jener Zeit tatsächlich ein juristischer Konflikt abgespielt haben muß, als sich die betroffenen Bauern im Bereich des Hainbaches ein eigenes Be- und Entwässerungssystem geschaffen hatten, welches auf energischen Widerstand seitens des damaligen Amtsmannes gestoßen war. Leider habe ich hierzu aber nichts genaueres mehr erfahren können.
Anmerkung: Text der Inschrift gemäß Überlieferung in der Familie Kasper. In der Fassung von Josef Fiedler steht statt Bosheit: Unrecht.

Elmers Wiesenkreuz von 1840 auf dem Grund des Kasper-Bauers in Groß Schönau Nr. 244


Alle Fotos M. Turyna, Velky senov