Den Geschwistern Martha Körner und Johann Hentschel vom Bauernhof „Saln-hons“ zum Gedenken
Der Botzenstaig bei Schönau ist eine alte Wegeverbindung, die in Oberschönau beginnt und nach Kaiserswalde führt und dabei südlich den Botzen streift, daher auch der Name des Weges. In seinem Verlauf kreuzte der Weg die bäuerlichen Fluren von Schönau von Süd nach Nord wie folgt: Nr. 117 (Dießner-Tischler), Nr. 113 (Müller-Bauer); Nr. 112 (Maschke-Bauer), Nr. 108 Saln-Hons (Hentschel-Bauer), Nr. 105 Berg-Ramsch (Rämisch-Bauer), Nr. 100 (Lissner-Bauer, Nr. 99 (Maier-Bauer), Nr. 94 Botzen-Bauer (Hille-Bauer). In der Gemarkung Kaiserswalde setzt der Botzenstaig seinen Weg durch die bäuerlichen Fluren fort, bis er etwa bei Nr. 140 (zuletzt Stepanek) die Dorfstraße erreicht. Auf alten Aufnahmen ist zu erkennen, dass der Botzenstaig auf der gesamten Strecke mit Bäumen bepflanzt war.
Zu Beginn des Weges, schräg gegenüber von Nr. 481, dem Wohnhaus von Johann Marschner, genannt „Bandel-Marschner“, steht das erste Wegekreuz, von dem jedoch bislang weder eine Inschrift noch alte Photos bekannt sind. Von diesem Flurkreuz ist der Granitsockel erhalten.

Auf halber Wegstrecke des Botzenstaiges und bereits auf der Flur vom Hentschel-Bauer Nr. 108 stehend, befindet sich das Flurkreuz von Saln-Hons, von dem heute ebenfalls noch der Granitsockel erhalten ist. Südlich vom Kreuz stand ein großer Baum. Die Kreuzigungsgruppe bestand aus drei Figuren: das Kruzifix sowie zwei weitere Figuren, sicherlich Maria und Johannes. Die Figurengruppe blickte dabei nach Oberschönau.

Das Flurkreuz hat folgende Inschrift:
Wohin Du Wandersmann
bleib stehn und sieh mich an
Es floß mein Blut und Schweiß,
fürn ganzen Erdenkreis.
Ich ging in den Tod für Dich,
auf daß Du lebst für mich.
Das Kreuz wurde laut Inschrift auf der Rückseite des Granitsockels im Jahr 1874 von Franz Hentschel errichtet. Auch heute noch ist die Inschrift gut zu lesen. Die Inschrift wird zudem durch eine kunstvolle Gestaltung des Namens Maria bereichert. Weiterhin findet sich auf der Vorderseite ebenfalls die graphisch besonders gestaltete Inschrift: IHS (Kurzform für den Namen Jesus).
Der Name Saln-Hons ist der Hofname zum Bauerngehöft Schönau Nr. 108. Die Landwirtschaft war ca. 30 ha groß und der Flurstreifen ca. 2,5 km lang. Vom äußeren Anschein her erscheint der Hof als ziemlich ursprünglich und zudem ungeteilt über die Zeiten gekommen zu sein.
Auf diesem Hof saß über Jahrhunderte eine Familie Hille. 1654 in der Berni Rula und 1668 im Urbar wird Paul Hille „der Dicke“ als Besitzer des Hofes genannt. Der Beiname „der Dicke“ findet sich auch in den Folgezeiten als Zusatzname für die Angehörigen der Familie Hille. Um 1700 wirtschafteten auf dem Hof Hans Hille und seine Frau Maria. In den Kirchenbüchern von Groß Schönau wird Hans Hille auch „Dicken-Alter-Hans“ genannt, sein Sohn Christoph dann folgerichtig „Dicken-Alter-Hans Christoph“. Die Familie Hille blieb bis nach 1850 auf diesem Hof, bis 1865 die Erbtochter Apollonia Hille den oben genannten Franz Hentschel aus Neudörfel heiratete, mit dem dann diese Familie auch in Schönau Fuß fasste. So gehörten später neben dem Hof. Nr. 108 Saln-Hons auch noch die Höfe Nr. 94 Botzen-Bauer und Nr. 152 Hentschel-Bauer in Niederschönau zu dieser Familie.
Der Enkelsohn von Franz Hentschel, Johann Hentschel, zuletzt wohnhaft in Modau/Oberramstadt, überlieferte mir schließlich die Kreuzesinschrift. Seine Schwester, Frau Marta Körner aus Halle, erzählte mir auch eine Deutung des Hofnamens: >sal‘n-Hons< käme demnach von >alter Hans<. Das korrespondiert ganz hervorrragend mit den oben genannten alten Kirchenbucheintragungen.



Fotos M. Turyna, Velky Senov

Standort von Saln-Hons-Kreuz auf der Flur des Bauerngutes Schönau Nr. 108 (Kartengrundlage https://ags.cuzk.cz/archiv/)
