Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Josef Hille 1849-1909, Pfarrer und Dichter

Josef Hille, Pfarrer in Nollendorf und Peterswalde (Erzgebirge) – Ein Mundartdichter aus Schönau in Nordböhmen.

Über das Leben von Josef Hille ist wenig bekannt. Wichtigste Quelle ist, neben den Kirchenbüchern von Schönau, die Pfarrchronik von Peterswalde, in der Pfarrer Josef Hille einige wenige Male Erwähnung findet. Noch schwieriger war es, über sein künstlerisches Schaffen Spuren zu finden. In der Heimatstube in Weißenhorn wurde ich durch Susanne Schür auf einen Gedichtband mit nordböhmischen Heimatgedichten aufmerksam gemacht; das „Spitzberg-Album“ von F. Hantschel und A. Paudler aus dem Jahr 1883, in dem einige in Hochdeutsch abgefasste Gedichte von Josef Hille abgedruckt waren. Josef Hille war zu jener Zeit Pfarrer in Nollendorf. Da im Inhaltsverzeichnis sein genaues Geburtsdatum angegeben wird, konnte Josef Hille eindeutig als Schönauer Kind identifiziert werden. Wenige Jahre später erschien eine von Franz Tieze unter dem Namen „Unse liebe Hejmt“ zusammengestellte Sammlung von Mundartliteratur, in deren 2. Heft (1893) weitere Gedichte und Erzählungen von Josef Hille zu finden sind.

Josef Hille wurde am 02.03.1849 in Schönau Nr. 131 als Sohn von Augustin Hille und seiner Frau Magdalena, geb. Jäckel, geboren. Der Vater war Bandfabrikant in Schönau Nr. 27 und Nr. 114, starb allerdings schon 1855. Über Schule, Studium und Priesterweihe ist nichts bekannt. Geistliche Mentoren waren sicherlich sein Onkel Domkapitular Alois Hille und gewiss auch sein Großonkel Bischof Augustin Bartholomäus Hille von Leitmeritz. Zunächst war er Kaplan von Zeidler und hat als solcher von April 1874 bis September 1875 in den Kirchenbüchern, unter anderen in Zeidler, Kunnersdorf und Fürstenwalde, seine Spuren hinterlassen. Seinen Dienst in Nollendorf / Erzgebirge hat er ausweislich der Eintragungen in den Kirchenbüchern spätestens am 16. Oktober 1882 begonnen. Der letzte Eintrag findet sich unter dem 17. April 1889. Im Jahr 1888 tritt er als Pfarrer von Nollendorf in Vertretung des damaligen erkrankten Pfarres von Peterswalde bei der dortigen Glockenweihe auf. Der erste Eintrag in den Kirchenbüchern von Peterswalde/Erzgebirge findet sich nach dem 14. Juli 1888 und dann ab 01. April 1889 durchweg als Pfarrer. Laut Peterswalder Kirchchronik war er dann über 6 ½ Jahre bis Sommer 1896 Pfarrer sowohl in Nollendorf als auch in Peterswalde. Zuletzt wirkte er als Pfarrer von Ruschowan/Hruschowan bei Komotau, wo er von 06. November 1896 bis 06. April 1906 in den Kirchenbüchern nachweisbar ist. Gestorben ist Pfarrer Josef Hille am 30.06.1909 mit 60 Jahren in Wien.

Nachstehend ein kleines Werkverzeichnis

aus „Unse liebe Hejmt“:

Der Denkzettel (S. 21) Schönauer Mundart Erzählung

Der Wetzkiezen-Frosch (S. 29) Schönauer Mundart Gedicht

Der Brautstempel (S. 41) Nollendorfer Mundart Gedicht

Eine noble Schlietenforth (S. 42) Nollendorfer Mundart Gedicht

Dar Pforr aus’n Erzgeberche (S. 51) Schönauer Mundart Erzählung

Kamschner Hocke (S. 60) Schönauer Mundart Gedicht

De Wittfrou (S. 121) Schönauer Mundart Gedicht

aus dem „Spitzberg-Album“:

Böhmen mein Vaterland (S. 74) Ballade

Der Wucherer (S. 255) Epigramm

Der jähe Tod eines guten Menschen (S. 255) Epigramm

Geben und Nehmen (S. 257) Gedicht

Der Fund (S. 391) Gedicht