Das Mühlengrundstück, Niedereinsiedel Nr. 81, war etwa 830 m² groß. Zur Niedermühle gehörte eine bis an den Mühlteich heranreichende, ca. 6309 m² große Wiese (Flst. 112/2), an deren westliche Kante der Mühlbach verlief. Der Mühlbach selbst wurde etwa auf Höhe des alten um 1865 abgebrannten Bauerngutes Nr. 8 vom Dorfbach abgezweigt und speiste etwas unterhalb vom Gut des Münzel-Bauers Nr. 1 „Altes Gericht“ einen ca. 3140 m² großen Mühlteich, trieb dann kurz vor dem Wiedereinmündung in den Dorfbach das Wasserrad der Niedermühle an und mündete kurz darauf in den Wölmsdorfer Bach.

Wie schon die überlieferten Flurkarten vermuten lassen, ist die Geschichte der Niedermühle eng mit dem Lehnbauerngut von Niedereinsiedel verbunden. Das Lehnbauerngut trug die Haus-Nr. 1 und war über mehrere Generationen im Besitz der Familie Herzig. Schon für das Jahr 1654 ist in der Steuerrolle als Besitzer Baltzer Herzig vermerkt, wenn auch in der Berni Rula für 1654 dieses Gut als verlassen gekennzeichnet ist1. Ihm folgte Georg Hertzig. Im Jahr 1718 war Gottfried Herzig Besitzer des Lehngutes. Um 1740 herum muß er gestorben sein, denn seine Witwe Salome Hertzig verkauft dem Sohne Johann Jacob Hertzig die von ihr „mit eigenen Mitteln und auf eigenem Grunde“ errichtete Mahlmühle mit einem Gang. Das Jahr der Übergabe ist leider nicht angegeben. Diese Information erklärt nun auch den Umstand, warum in der Liste von 1718, dem sog. Theresianischen Kataster, nur eine Mühle aufgeführt worden war, nähmlich die spätere Obermühle mit Matthes Hille als ihrem Besitzer. Die Niedermühle gab es zu jener Zeit offensichtlich noch nicht. Warum allerdings auch die Papiermühle nicht aufgeführt war, dafür kann ich bislang auch keine Erklärung finden.
Im Jahr 1743 jedoch verkauft Johann Jacob Hertzig die Mühle weiter an Johann Jacob Hille. Dessen Herkunft konnte bislang nicht geklärt werden. Eine Verwandtschaft zum Müller der Obermühle, Matthes Hille, wie im ersten Teil der Geschichte der Niedermühle vermutet wurde, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Möglicherweise lebte Johann Jacob Hille auch gar nicht in Niedereinsiedel, denn er findet sich weder in den Mannschaftsbüchern der Jahre 1750 und 1761. Statt dessen tritt hier die Familie Röttig als Müller auf, Hausnummer war seinerzeit die Nr. 15. Vermutlich war die Familie Röttig nur Pächter und nicht Eigentümer der Niedermühle. Auch in den Kirchenbüchern von Niedereinsiedel hat Johann Jacob Hille keine Spuren hinterlassen, außer bei der am 09.08.1760 erfolgten und bereits erwähnten Eheschließung seiner Tochter Maria Anna mit dem aus Hilgersdorf stammenden Müllersohn Gottfried Schicktanz. Kurz darauf wird Johann Jacob Hille verstorben sein. Am 01. September 1765 jedenfalls übernimmt laut Grundbuch Gottfried Schicktanz nach dem Tod seines Schwiegervaters die Niedermühle.
Gottfried Schicktanz stammte aus der Niederen Mühle in Hilgersdorf (später Nr. 12) und hatte Maria Anna, eine Tochter des Müllermeister Jacob Hille aus Niedereinsiedel geheiratet. Laut Auskunft der erhalten gebliebenen Kirchenbücher hatten Gottfried und Maria Anna Schicktanz zahlreiche Kinder, darunter den im Jahr 1762 geborenen Vinzenz Schicktanz, der schließlich das väterliche Müllerhandwerk in der Niedermühle von Niedereinsiedel fortführte. Er war verheiratet mit Veronika, einer Tochter des Niedereinsiedler Richters Jakob Herzig. Nach deren Tod am 19.11.1802 heiratete Vinzenz Schicktanz am 01.02.1803 Theresia, eine Tochter von Elias Dittrich, Häusler in Hilgersdorf. Aus dieser Ehe ist ein Kind überliefert: Am 06.08.1804 wurde der einzige Sohn geboren: Vinzenz, der schließlich das Müllerhandwerk von seinem Vater übernahm.
Der Brand der Niedermühle im Jahr 1869
Am 22.01.1869, gegen 2 Uhr Nachts, gab es in Niedereinsiedel eine große Brandkatastrophe, bei der die Niedereinsiedler Niedermühle abbrannte. Bei diesem Feuer starben in der Nr. 81 sowohl der 65 jährige Müller Vinzenz Schicktanz als auch zwei Mitbewohner, die 45jährige Witwe und Laubmacherin Franziska Hantsch und ihr 18 jähriger Sohn Wenzel Hantsch.
Der fürchterliche Brand der ganz aus Holz bestehenden Mahlmühle hat seinen Niederschlag auch in der damaligen Presse gefunden. Insbesondere der Tod der drei Menschen wurde thematisiert. Besonders tragisch war das Schicksal des 19 jährigen Opfers, von dem in der Sächsischen Dorfzeitung folgendes berichtet wurde: „Er war ein in jeder Beziehung wackerer Mensch, der in wahrhaft rührender kindlicher Liebe sein Leben zum Opfer brachte. Bereits dem über und über brenndenden Gebäude glücklich entkommen, findet er nirgends seine Mutter; er eilt in dasselbe zurück, um sie zu retten, aber man sah ihn nicht wieder. Später zog man drei halbverbrannte Leichname aus dem Schutte hervor.“ Allerdings berichtete der Tetschener Anzeiger auch, dass sich ein im Haus wohnendes Mädchen durch den Sprung aus dem ersten Stockwerk retten konnte und außer dem verbrannten Kopfhaar wohl keinen Schaden nahm.
Alle drei Unglücksopfer wurden zwei Tage später, am 24. Januar 1869, nachmittags gegen 3 Uhr, auf dem Niedereinsiedler Friedhof beerdigt.
Von Kindern oder einer Eheschließung des Vinzenz Schicktanz ist nichts bekannt, so dass davon auszugehen ist, dass die Brandkatastrophe auch zum Aussterben dieser Müller-Familie geführt hat.
Die Niedermühle ist nach dem Brand nicht wieder aufgebaut worden. An ihrer Stelle entstand später ein Wohnhaus des Fabrikanten Hesse aus Sebnitz.

Gasthaus Altes Gericht in Niedereinsiedel, das ehemalige Lehnbauerngut Nr. 1 von Niedereinsiedel, Abbildung von ca. 1932 [aus Slg Brück & Sohn]