Die Bandfabrik von J. Frinds Witwe in Kleinschönau
In den frühen Jahren der Bandweberei in Schönau und Umgebung waren Männer die Geschäftsführer und Firmeninhaber. Insofern fiel es doch etwas auf, als ich in frühen Listen von Firmeninhabern manchmal den Namen J. Frinds Witwe, Kleinschönau, las. Wer war diese Frau, deren Vornamen zwar niemals genannt wurde, die aber offensichtlich über einen längeren Zeitraum die Firma ihres Mannes weiterführte und über die Zeiten brachte.
Wir bewegen uns mit der Firma Frind in einem frühen Stadium der industriellen Entwicklung in Schönau und seinen Ortsteilen. Als im Jahr 1829 die Bandwarenfabrik Frind m. W. das erste Mal erwähnt wird, gab es nur wenige weitere, namentlich bekannte Firmen, wie z.B. Gebrüder Hille und die Fa. Schorisch in Schönau oder August Liebisch in der Leopoldsruh. Bereits 1987 wies Horst Frind in seinem Buch über die aus Hainspach stammenden Frind-Familien auf die Bandwarenerzeugung in Kleinschönau hin. Da ich mich ja schon seit einiger Zeit mit den Bandwarenfabriken von Schönau beschäftige, habe ich versucht, auch zu dieser Firma weitere Informationen zu finden.
Anfang des 19. Jahrhunderts lebte in Kleinschönau Nr. 40 (alte Nr. 31) die Familie Josef und Magdalena Frind. Seit 1808 bekam das Paar in regelmäßigen Abständen insgesamt 9 Kinder. Zunächst wurde der Vater als Bandweber bezeichnet. Spätestens aber seit 1821 ist der Vater Schnürenmacher in Kleinschönau Nr. 40. Als Schnürenfabrikant wird er dann erstmals 1829 und später vor allem im jährlich erscheinenden böhmischen Schematismus als Bandwarenfabrikant genannt. Zur Größe der Belegschaft und zum Produktionssortiment konnte ich leider keine Angaben finden. Josef Frind starb bereits 1838 mit 55 Jahren. Von nun an wird in den genannten Listen seine Frau Magdalena als Inhaberin genannt, wenn auch nur als J. Frinds Witwe. Magdalena Frind ist im Jahr 1783 in Hemmehübel Nr. 38 als Tochter des Strumpfwirkmeisters Johann Georg Rösler geboren worden. Ihre Mutter Johanna, geb. Müller, stammte aus Zeidler Nr. 129. Magdalena hatte einige Geschwister, ihr eigener Geburtstag konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Magdalena Frind starb am 28.10.1857 mit 76 Jahren in Klein Schönau 40 an Magenkrebs.
Magdalena Frinds Kinder starben früh oder als unverheiratete Junggesellen. Lediglich von ihrer Tochter Salome ist bekannt, dass sie im Jahr 1845 den Fabrikanten Emanuel Eiselt aus Kleinschönau Nr. 2 ehelichte. Die Fa. Eiselt und Neubert war spätestens seit 1844 in Kleinschönau aber auch auf eben demselben Anwesen Nr. 40 aktiv, dem Grundstück der Bandwarenfabrik von Frind. Nachdem E. Eiselt bereits kurz nach der Eheschließung im Jahr 1851 starb, ehelichte seine Frau Salome in zweiter Ehe den Moritz Eduard Neubert, den zweiten Geschäftsführer dieser Firma. Wohnhaus der Familie blieb weiterhin das Anwesen Klein Schönau Nr. 40. Beide Ehen von Salome, geb. Frind, blieben kinderlos. Nachdem sie selbst im Jahr 1854 mit 31 Jahren an TBC verstorben war, ehelichte Moritz E. Neuberth ebenfalls ein zweites Mal. Aus dieser zweiten Ehe mit Brigitta stammte der im Jahr 1855 geborene Nachfolger Eduard Moritz Neuberth. Kurz darauf, nachdem er im Jahr 1857 auf dem Grundstück neben Klein Schönau Nr. 2 die großen Fabrikgebäude Nr. 51, 52 und 54 errichtet hatte, zog der Fabrikant M. E. Neuberth mit seiner Familie aus der Nr. 40 in das neue Wohnhaus Klein Schönau Nr. 51. Damit endete die Geschichte von Klein Schönau Nr. 40 als Stätte einer Bandwarenfabrik.
1930 lebte hier der Gastwirt Johann Klinger.
Die Firmengeschichte von A. Eiselt und E. Neuberth ist allerdings ein eigenes Thema und muß an anderer Stelle gesondert behandelt werden. Zu diesen und zu Josef Frind kann man auch in der Chronik des Liehrschmiedes nachlesen.

Kleinschönau 40, es erinnert heute nichts mehr an die Geschichte der Bandfabrik von Frinds Witwe, Foto M. Turyna