Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Matz Marschner, ein Bauer in Hainspach im 17. Jahrhundert

bearbeitet nach einer historischen Karte unter https://ags.cuzk.cz/archiv/

Matz Marschner, ein Bauer in Hainspach im 17. Jahrhundert

Der heutige Beitrag führt weit in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Der 30jährige Krieg war erst wenige Jahre zuvor zu Ende gegangen. Ganz Europa hatte schwere Zerstörungen zu beklagen. Zahlreiche Bauernhöfe lagen wüst, entweder weil die Bewohner umgekommen waren oder in den Jahren nach Kriegsende in der Zeit der Gegenreformation des Glaubens wegen ihre angestammte Heimat verlassen hatten, um woanders ihr Gück oder ihr Seelenheil zu suchen.

Der Krieg hatte auch für Hainspach verheerende Folgen. Von den 22 Bauernhöfen des Dorfes waren im Jahr 1650 sage und schreibe 17 Höfe von ihren Besitzers verlassen und die Wirtschaften lagen wüst und öde danieder. Bis 1654 konnten immerhin 8 Bauernhöfe neu besetzt werden.

In jener Zeit lebte in Hainspach Matz Marschner; Matz ist eine Kurzform von Matthäus. Am 27.11.1656 hatte Matz Marschner seine aus Wölmsdorf stammende Frau Anna Hirsch geheiratet. Matz wird um 1633 und seine Frau ca. 1631 geboren worden sein. Das Paar hatte im Jahr 1663 mindestens 2 Kinder. Das Kirchenbuch jener Zeit hat allerdings Lücken. Vermutlich stammte Matz Marschner aus einer Bauernfamilie, von denen es zu jener Zeit in Hainspach Drei gab. Genaueres ist nicht bekannt. Die Kirchenbücher von Hainspach beginnen erst 1655.

Der 30. April 1663, das war ein Montag, war für Matz Marschner ein wichtiger Tag. An diesem Tag, es war Walpurgis, wurde dem Matz Marschner durch die Hainspacher Herrschaft das Bauerngut B 8, nach heutiger Zählung war das die Nr. 64, umsonst, also kostenfrei, übertragen. Der Hof war sehr groß und leistungsstark und ursprünglich mit 6 Ruthen berechnet worden. Weil der Hof jedoch viele Jahre lang unbesetzt, wüst und öde war, wurden ihm auf sechs Jahre hin bis Walpurgis 1669 per Freibrief alle Steuern und Leistungen erlassen. Danach wurden für den Hof nur noch vier Ruthen veranschlagt, was gewiß steuerliche Vorteile mit sich brachte. Er wurde jedoch weiterhin für einen großen Bauern gehalten wurde, der zwei Pferde hielt.

Ziemlich bald darauf muß Matz Marschner auch das Bauerngut B17 / Nr. 126 übernommen haben. Auch dieses Bauerngut war zu Walpurgis 1663 nach langer Zeit der Ödnis an einen neuen Besitzer und Nutzer übergeben worden. Und es war ein Pfarrbauer, das heißt, dass der Besitzer von allen Leistungen gegenüber der weltlichen Herrschaft befreit war und er nur, wie auch zwei weitere Pfarrbauern, Hofdienste auf dem Bauernhof des Ortspfarrers zu leisten hatte; das war die Nr. 129. Diese Regelungen betrafen in Hainspach zwei weitere Pfarrbauern und zwar die Nr. 34 und die Nr. 44, beide im Oberdorf gelegen. Es wird in den Urbaren von Streit berichtet, der aus diesen Verhältnissen hervorgegangen war. Es ist zu lesen, dass per bischöflichem Dekret zu Leitmeritz (dem Bischofsitz) vom 10.09.1664 dieser Streit thematisiert wurde. Matz Marschner wird von diesem Streit jedoch nicht mehr direkt betroffen gewesen sein, da er im Urbar erst 1668 als Besitzer des Hofes Nr. 126 genannt wird.

Wie lange und ob überhaupt Matz Marschner zwei Bauerngüter inne hatte, ist nicht bekannt. In dem etwas jüngerem Urbar D von 1668 wird als Besitzer des Hofes B8 / Nr. 64 bereits Georg Ulbricht genannt.

Da er bei den Geburten seiner Kinder stets Pfarrbauer genannt wird, wird sein Lebensmittelpunkt jedoch der Hof B 17 / Nr. 126 gewesen sein, der wie gesagt ein Pfarrbauer war.

Die Größe des Hofes ist nur schwer zu schätzen. Es könnten ca. 24 ha Gesamtfläche gewesen sein.

Bis zum Jahr 1677 sind für das Ehepaar Marschner 10 Geburten überliefert. Am 22.12.1677 (also ziemlich genau vor 345 Jahren) starb Matz Marschner im Alter von nur 44 Jahren -6 Wochen. Er hinterließ eine junge Witwe mit ihren 10 Kindern. Von einer Wiederverheiratung der Witwe wissen wir nichts. Anna Marschner starb als Pfarrbäuerin fast 30 Jahre später am 12.04.1706 mit dann 75 Jahren.

Von fast allen ihren Kindern kennen wir den weiteren Lebensweg; nur vom jüngsten Kind, dem 1677 geborenen Adam, wissen wir bislang nichts.

Zwei Söhne führten selbst eigene Landwirtschaften. Der Sohn Friedrich Marschner übernahm den väterlichen Hof B17 / Nr. 126 und war damit ebenfalls Pfarrbauer. Seine vier Kinder starben allerdings im Säuglingsalter bzw. als Kleinkind. Danach, ab 1701, hören wir nichts mehr von Friedrich und seiner Frau Elisabeth. Ihre Spuren verlieren sich bislang im Dunkel der Geschichte. Den Hof Nr. 126 übernahm spätestens 1719 Christoph Ulbricht, der zudem Mahlmüllermeister und Ziegelstreicher war.

Zacharias Marschner, der jüngste Sohn von Matz Marschner, heiratete eine Bauerstochter vom Hof B4 / Nr. 44 in Hainspach und erwarb im Jahr 1700 von Christoph Rösler den Hof B3 / Nr. 37. Hier ist die Familie noch bis zum Jahr 1746 nachweisbar, als man den Hof an den Ortsrichter Johann Frantz Dietrich verkaufte.

Die älteste Tochter Maria heiratete ebenfalls einen Bauernsohn (Daniel Rösler vom Bauerngut Nr. 91 und vermutlich ein Bruder von Bartel Rösler, dem Namensgeber des späteren Bort’l-Bauern). Zwei weitere Töchter, Anna und Eva, heiraten ebenso Bauerssöhne aus Hainspach (Marschner-Bauer Nr. 102 und Kofer-Bauer Nr. 47).

Matz Marschner gehörte also zu jener Generation Hainspacher Landwirte, die nach den verheerenden Auswirkungen des 30jährigen Krieges Hainspach, den Mut hatten, wieder von vorn zu beginnen, für sich und ihre Familien ein neues Leben aufzubauen und dem Ort wieder eine Zukunft zu geben. Diese Zeilen sollten an ihn erinnern.