Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Mühlen in Hilgersdorf – eine Spurensuche

Beitragsbild: Dießnermühle, Hilgersdorf Nr. 12 (Sammlung Franz Kocian, Lörrach)

Die Wassermühlen von Hilgersdorf – Eine Spurensuche

Zum Gedenken an Frau Regina Jäger, geb. Knobloch, aus Hilgersdorf Nr. 23

Der unvergessene Siegfried Hentschel hat sich neben vielen anderen Themen auch mit den Wassermühlen von Hilgersdorf befasst und mir dazu eine kleine Aufstellung überlassen. Demnach gab es in Hilgersdorf 1945 folgende Mühlen (von Süden nach Norden): „Dießners Sägewerk“ Nr. 12, die „Nieder- oder Kegelmühle Pilz“ Nr. 70, „Sieber-Ramsch“ Nr. 77 und die „Gartenmühle“ Nr. 120, ganz weit im Oberdorf gelegen. Darüber hinaus waren ihm weitere Mühlen bekannt, wie beim Gut Nr. 287 „Heltsjusef“ und Nr. 181, die zum Lehngerichte gehörte, und wohl eher privatem Gebrauch dienten, und andere, die längs nicht mehr in Betrieb waren: die „Schleifmühle“ bei Nr. 45, die „Ölmühle bei Bauernseff“ Nr. 73 und die „Mittelmühle“ Nr. 78.

Alle Wassermühlen hatten oberschlächtige Wasserräder und wohl nur die Mühle beim Bauern Heltsjusef hatte einen Mühlteich. Vom Zaalwasser, das den oberen Ortsteil als Dorfbach durchfloß und den Mühlen Nr. 120 und Nr. 78 zugleich als alleiniger Wassergraben diente, wurde auf Höhe der Mühle Nr. 70 ein erster gesonderter Mühlgraben abgezweigt, der jedoch bald wieder dem Zaalwasser zugeführt wurde. Erst unterhalb des Hofes vom Diesner Bauer Nr. 61 „bei Staffen“ wurde ein regulärer Mühlgraben abgezweigt, der fortan westlich am Ort entlang geführt wurde. Der Mühlgraben speiste die ehemalige Schleifmühle Nr. 45 und vereinigte sich kurz darauf mit dem aus Nordwesten heranströmenden Heimichtbach. Dieser schließlich diente im Niederdorf der Dießner-Mühle Nr. 12 als Mühlgraben. Kurz darauf vereinigten sie sich mit dem Dorfbach, der hier Hubenbach hieß. Bei Nr. 181 (Josef Müller) zweigte allerdings erneut ein Mühlbach ab, der jedoch auf Hilgersdorfer Grund keine weitere Mühle antrieb. Sein Ziel war die Lobendauer Mahlmühle Nr. 45. Auf Hilgersdorfer Grund war dieser Mühlgraben zuletzt wohl nicht mehr zu erkennen, bleibt jedoch weiterhin als gesondertes Flurstück erhalten.

Blickt man nun in die älteste bekannte ausführliche Nachricht über Hilgersdorf aus dem 16. Jh., nämlich die Teilungsurkunde der Schleinitze aus dem Jahr 1566, so finden sich dort auch die frühesten Nachrichten über die Hilgersdorfer Mühlen: Demnach gab es 1566 in Hilgersdorf eine Mahlmühle und eine „schneidende“ Brettmühle, leider, so wie auch sonst in dieser alten Urkunde, ohne Nennung von Familiennamen. Nur wenige Jahre jünger ist das Urbar von 1574, das berichtet von einer der Herrschaft Hainspach zugehörigen Mahlmühle mit zwei Rädern „dabei ist ein Garten und eine Wiese“, es wird jedem Mitmüller in der Herrschaft das Recht eingeräumt, diese Mühle zu „gebrauchen“. Es wird desweiteren auch eine dem Urban Sibers gehörende Brettmühle genannt. Erwähnungen der Hilgersdorfer Mühlen in den Quellen des 17. Jh. sind rar; nur im Urbar von 1668 wird unter Häusler Nr. 38 Baltzer Sieber als Betreiber einer Brettmühle genannt.

Dies ändert sich zu Beginn des 18. Jh. Im sog Theresianischen Kataster von 1718 werden für Hilgersdorf gleich drei Mühlen aufgezählt, zudem unter Nennung der Müllermeister: Es sind dies: Zacharias Heine, Heinrich Heine und Andreas Thoms. Mit Hilfe der bald darauf eingerichteten Grundbücher von Hilgersdorf lassen sich zumindest die beiden Heine-Müller genealogisch exakt einbinden. Darüber hinaus beginnt nun für die Mühlen auch eine eigene Zählung, auf die im Folgenden aufgebaut werden soll:

No. 1 später Nr. 12

1738 übernimmt Gottfried Schicktanz von seinem Schwiegervater Meister Zacharias Heine eine zweigängige baufällige Mahlmühle;

1945 Sägewerk Erich Dießner

No. 2 später Nr. 45

1746, dem Zacharias Herzig wird erlaubt, auf seine Spesen für seinen Sohn Joseph Herzig eine eingängige Mahlmühle zu errichten;

1945 nicht mehr in Betrieb, die Gebäude waren verfallen

No. 3 später Nr. 78

1723 Hans Georg Heine kauft von seiner Mutter Anna, der Witwe von Heinrich Heine, eine eingängige Mahlmühle ab

1945 August Pilz, Mittelmühle, zuletzt ein Mietshaus

No. 4 später Nr. 70

1750 Hans Georg Heine wird erlaubt, für seinen Sohn Anton Heine auf seine eigenen Spesen eine eingängige Mahlmühle zu errichten,

1945 August Pilz, Mahl- oder Kegelmühle und Bäckerei

Gärtner 12 später Nr. 120

1749 Josef Schneider, Häusler in Lobendau, kauft von Hans Georg Ramisch dessen eingängige Mahlmühle und den dazu gehörigen Garten.

1945 Familie Bauer, zugleich auch eine Schankwirtschaft „Die Gartenmühle“

Diese fünf Mühlen finden sich auch auf den alten Karten von Hilgersdorf aus dem Jahr 1843 wieder.

Da die Mühlen No. 2 (Nr. 45) und No. 4 (Nr. 70) offensichtlich Neugründungen waren, wissen wir nun, dass die Mühlen No. 1 und No. 3 (also die zuletzt bekannten Nr. 12 und Nr. 78) die frühen und bereits im 16. Jh. genannten und damit die ältesten Mühlen von Hilgersdorf waren.

Unsicherheiten bestehen bei der Gartenmühle Nr. 120, die als solche für das Jahr 1748 bereits als existierend vorausgesetzt wird, ältere Hinweise jedoch in den Grundbüchern nicht aufzufinden waren, obwohl die Besitzer dieses Grundstückes, des Gärtners alter Zählung G12, bis ins 16. Jh. zurückverfolgt werden konnten.

Anm.

1) Bei Nr. 181 gab es eine Brettmühle, die zum Lehngericht gehörte und vor 1880 eingegangen ist. Konkrete Nachrichten zu dieser Mühle habe ich nicht gefunden.

2) Der in der Liste von 1718 genannte Andreas Thoms findet sich zwar auch im Urbar 1668 (2264), allerdings unter den Bauern und ohne jeglichen Hinweis auf eine Mühle.

Hilgersdorf, Ortsmitte, Verlauf des Mühlgrabens und Lage der Schleifmühle Nr. 45 (Viereck). Bearbeitet nach einer historischen Karte von 1843 (https://ags.cuzk.cz/archiv/ )