Beitragsbild: Hainspach / Lipova cp 110, aktuell über google-streat
Zur Geschichte des Kunze-Bauern-Hofes in Hainspach Nr. 110 und seine Verbindung zur Familie Frind in Hainspach
Beschäftigt man sich mit Heimat- und Familienforschung in Hainspach, kommt man an der großen Frind-Familie nicht vorbei. Mit viel Fleiß und sicher auch noch mehr Durchhaltevermögen haben Horst und Iris Frind vor vielen Jahren eine sehr umfangreiche Zusammenstellung zu den zahlreichen Frindfamilien nicht nur aus Hainspach selbst sondern auch aus den umliegenden Dörfern zusammengetragen und publiziert. Neben einer intensiven Durcharbeitung der in Leitmeritz befindlichen Kirchenbücher dieser Region konnten die Autoren auch auf verschiedene andere Vorarbeiten und genealogische Studien zur Familie Frind zurückgreifen.
Mittlerweile sind seit der Erstpublikation über die Hainspacher Frindfamilie 33 Jahre vergangen und die genealogische Quellenlage hat sich erheblich verbessert. Zahlreiche weitere Quellen und Karten sind nunmehr im Internet abrufbar und stehen der Forschung zur Verfügung, und das in einem wohl nicht für möglich gehaltenen Umfang, was uns nunmehr erlaubt, die von Horst Frind seinerzeit vorgelegte genealogische Arbeit behutsam zu ergänzen und dort wo nötig auch zu korrigieren.
Ein Blick in die Kirchenbücher zeigt, dass die von Horst Frind ermittelten genealogischen Linien stimmig sind und sich leicht bestätigen lassen. Neue Erkenntnisse ergeben sich jedoch aus der Auswertung der Grundbücher. Diese sind allerdings nicht über das Leitmeritzer Kirchenbucharchiv sondern über die genealogische Website der Mormonen zugänglich, die neben den Kirchenbüchern auch weitere genealogisch relevante Archivalien digitalisieren und der Forschnung exklusiv und unkompliziert zur Verfügung stellen.
Mit der Familie Frind sind bekanntlich mehrere bäuerliche Güter aber auch einige kleinere Wirtschaften, sogenannte Gartennahrungen, verbunden. Horst Frind hat das in seinem Buch sehr anschaulich dargestellt und als Stammhof der Familie die Wirtschaft Nr. 126 angegeben.
Der älteste Hof, der mit dem Namen Frind in Verbindung gebracht werden kann, ist jedoch die heutige Nr. 110.
Anhand zugänglicher Unterlagen konnten ca. 33 ha als Gesamtgröße für diesen Hof ermittelt werden. Der Hof trug nach alter Zählung sowohl im Grundbuch von Hainspach als auch im ältesten erhaltenen Mannschaftsbuch die Nr. 15. Im Grundbuch wird als frühester Besitzer Georg Frind (1646-1701) genannt. Das ist der älteste namentlich bekannte Sohn vom Stammvater Balthasar Frindt (1608-1683), der bereits 1654 in der Berni Rula als Besitzer des Gutes Nr. 15 aufgeführt wird. Georg Frind übergibt am 24.02.1709 das zweirüthige Bauerngut an seinen Sohn Tobias Frind (1678-1746). Dieser wiederum übergibt den Hof im Jahr 1748 an seinen Sohn Hans Adam Frind (1724-1794). In den Grundbüchern jener Zeit werden in der Regel jedoch keine Hausnummern genannt. Daher erfolgt die genaue Identifizierung der in Rede stehenden Verkaufsobjekte derart, dass angegeben wird, zwischen welchen anderen Besitztümern das betreffende Grundstück liegt. 1748 lautet daher die Lagebeschreibung für diesen Hof so: zwischen den Bauerngütern von Hans Christoph Marschner und Hans Marschner innen liegend. Durch verschiedene Vergleiche läßt sich zeigen, dass es sich dabei um die Höfe Nr. 102 (Grohmann-Bauer) und Nr. 121 (Pietsch-Bauer) handelt. Der Stammhof hatte also die Nr. 110. Im Jahr 1774 wiederum übernimmt Joseph Frind (1748-1816) das Bauergut von seinem Vater Hans Adam Frind. In diesem Jahr sind die Nachbarn Hans Georg Marschner (Nr. 102) und Gottfried Schlenkrich (Nr. 121). Die Familie Frind verbleibt auf diesem Hof bis zum Jahr 1881, als Anton Frind ohne männliche Erben stirbt. Den Hof übernimmt sein Schwiegersohn Anton Kunze aus dem Bauerngut Hainspach Nr. 102. Dies ist auch die Erklärung für den bis 1945 gebräuchlichen Hofnamen: Kunze-Bauer. Anton Kunzes Sohn Josef ehelichte 1909 die Agnes Mayer aus Nixdorf. Über deren zweite Ehe mit Eduard Frind aus dem Hof Nr. 91 kam der Hof Nr. 110 wieder an die Familie Frind, wo er bis zur Vertreibung der Besitzer 1945 verblieb.
Der Hof blieb also von 1654 bis 1945 und damit fast 300 Jahre lang immer im Besitz von Nachkommen von Balthasar Frind, dem Stammvater der Hainspacher Frindfamilien.
Das von Horst Frind ursprünglich als Stammhof aufgeführte Bauerngut Nr. 126 (nach alter Zählung B17) kommt erst im Jahr 1763 für kurze Zeit in den Besitz der Frindfamilie, als oben genannter Johann Adam Frindt (1724-1794) auch noch den Hof seines verstorbenen Schwiegervater Hans Georg Ulbricht übernimmt. Der Hof wird Pfarrbauerngut genannt und liegt zwischen Gottfried Schlenkrichs Hof (Nr. 121) und der Wirtschaft des Hochwürdigen Herrn Dechanten (Nr. 129). Nach seinem Tod 1794 übernahm der Sohn aus zweiter Ehe, Johann Anton Frind, den Hof, der aber bereits 1817 starb. Seine Frau Apollonia bewirtschaftete den Hof noch bis 1828. Dann übernahm den Hof Josef Paul aus Schönau, der hier in Hainspach Nr. 126 eine bis 1945 andauernde Tradition eines Fleischerhandwerks begründete.
Literatur und Quellen:
Horst u. Iris Frind, Das Geschlecht Frind aus Hainspach und Umgebung (Frankfurt/M 1987)
Urbare, Grundbücher, Mannschaftbücher und Kirchenbücher bei
