Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Röhrsdorf und die Familie Richter

Beitragsbild: Röhrsdorf Nr. 21, Bauerngut Richter, bearbeitet nach https://ags.cuzk.cz/archiv/

Die Familie Richter. Ein Uhrmacher- und Müllergeschlecht aus Röhrsdorf bei Hainspach.

Von alters her werden für Röhrsdorf 1 Lehnrichter, 6 Bauern und einige Gärtner genannt. Im Verzeichnis der Untertanen von 1654 wird jedoch vermerkt, dass nur das Lehnsgut besetzt, alle anderen dagegen wüst, also unbesetzt, waren (Müller 2015). Die einzige Mühle von Röhrsdorf, eine Wassermühle, wird bereits im Teilungsvertrag von 1566 erwähnt.

Röhrsdorf Nr. 21, Richter-Bauer (Sammlung Floßbach)

Die hier interessierende Richter-Familie tritt in Röhrsdorf im Jahr 1700 das erste Mal namentlich auf, als der Müllermeister Elias Richter und seine Frau Sabine ihr erstes Kind auf den Namen Hans Georg taufen ließen. Die Herkunft von Elias Richter ist bislang ungeklärt [hier gibt es inzwischen schon weitere Forschungsergebnisse].

Seine Taufe findet sich im Hainspacher Kirchenbuch leider nicht. Nach dem Tode seiner ersten Frau im Jahr 1705 heiratete Elias ein zweites Mal. Die Ehe mit Dorothea Schmidt aus Hainspach war sehr kinderreich. Von 1706 bis 1725 wurden 15 Kinder geboren, von denen die meisten bereits im Kleinkindsalter starben. In einem Einwohnerverzeichnis von 1718 wird nun Elias Richter das erste und einzige Mal sowohl als Müller als auch als Bauer (B3) bezeichnet. Dieses Gut konnte mit der späteren Nr. 21 in Röhrsdorf identifiziert werden. Der oben genannte älteste Sohn Hans Georg hat später diesen Hof übernommen. Dessen Nachkommen bewirtschafteten den Hof schließlich bis zur Vertreibung im Jahr 1945.

Zacharias, der älteste Sohn aus der zweiten Ehe, wurde dagegen Nachfolger von Elias Richter als Müllermeister von Röhrsdorf und war ebenfalls zweimal verheiratet. Bei seinen Söhnen tritt nun erstmals in den Kirchenbüchern die Berufsbezeichnung Uhrmacher auf, wobei der älteste Johann Josef in Hainspach Nr. 26, der zweite Johann Anton Franz in Röhrsdorf Nr. 36 und der jüngste Zacharias Wenzel wiederum in Hainspach Nr. 97 gelebt haben und als Uhrmacher aktiv waren.

Nachfolger als Müller wurde dagegen sein dritter Sohn Johann Franz Richter. Auch unter dessen Söhnen findet sich mit Lorenz Richter wieder ein Uhrmacher. Dieser führte sein Handwerk allerdings im elterlichen Gut Nr. 24 aus. Er starb unverheiratet mit 27 Jahren als Junggeselle, wie im Übrigen auch zwei seiner Uhrmacher-Onkel. Sein Bruder Jakob war ebenfalls Uhrmacher und lebte in Röhrsdorf Nr. 36, dem Haus, wo auch schon sein Groß-Onkel Johann Franz Richter gewirkt hatte. In den folgenden Generationen sind dann keine weiteren Uhrmacher mehr nachweisbar.

Der Beruf Uhrmacher erscheint für das Böhmische Niederland zunächst erst einmal als etwas ungewöhnlich, kann man sich doch hier wohl kaum ein häusliches Uhrmacherhandwerk, etwa in Form einer Manufaktur, vorstellen. Andererseits ist auffällig, dass zu jener Zeit wohl in jedem Dorf das Uhrmacherhandwerk ausgeübt wurde, so dass ich schon mehrfach bei meinen Forschungen auf Träger dieses Berufszweiges gestoßen bin, so in Wölmsdorf eine Familie Schneider und in Leopoldsruh eine Familie Frenzel.

Die Wassermühle von Röhrsdorf mit der Nr. 24 gehörte sicherlich ursprünglich zum Bauerngut Nr. 21, dessen Flur das Grundstück der Mühle vollständig umfasst. Möglicherweise ist der Grund von Nr. 24 erst später aus der ursprünglichen Flur von Nr. 21 herausgelöst worden. Die Lage der Flur ist auf alten Karten gut zu rekonstruieren, die Größe des Gutes dagegen nur schwer zu ermitteln. Wesentlicher Bestandteil des Mühlenanwesens war und ist der Mühlbach, dessen inzwischen weitgehend vertrockneter Graben heute das letzte sichtbare Überbleibsel der einstigen Röhrsdorfer Wassermühle ist. Der Mühlgraben zweigte im Oberdorf auf dem Grundstück von Nr. 31 vom Röhrsdorfer Bach ab und durchzog ab daher recht parallel zum mittleren Dorfweg das Dorf in Nord-Südrichtung bis er direkt vor dem Mühlengehöft einen Mühlteich speiste. Auf einer alten Karte von 1843 ist zu erkennen, dass der rechteckige Mühlteich gemeinsam mit zwei weiteren Gebäuden einen kleinen Hof umfasste (Bild 2). Das westlichere Gebäude ist durch ein kleines Mühlradsymbol als die eigentliche Mühle gekennzeichnet. Wenn auch vom Mühlenkomplex nichts weiter erhalten ist, darf man aufgrund der topographischen Situation doch davon ausgehen, dass durch das Wasser ein oberschlächtiges Wasserrad gespeist wurde. Die sonstigen Nachrichten verweisen darauf, dass es sich bei der Röhrsdorfer Mühle um eine Brettschneidemühle gehandelt hat.

Röhrsdorf Nr. 24, Situationsplan von 1843, bearbeitet nach der Vorlage unter https://digi.soalitomerice.cz/digitalnibadatelna/

Das Ende der Mühle ist nur schwer zu fassen. Der letzte Müller, Josef Richter, heiratete 1845. Bis 1854 wurden 5 Kinder geboren, 1865 starb seine Frau Klara, eine geborene Hille aus Schönau 114. Er selbst ist dann nicht mehr nachweisbar. Sein Cousin Anton Richter aus Röhrsdorf Nr. 36 wird dann 1866 noch einmal selbst als Müllermeister bezeichnet, doch schon 1867 ist er nur noch Bandweber. Es darf wohl angenommen werden, dass in jenem Jahrzehnt der Mühlenbetrieb zum Erlegen gekommen ist und auch der Gebäudekomplex bald darauf zugrunde gegangen sein muss. Im Zensus von 1921 ist das Haus schon nicht mehr erfasst.

Bilder der Mühle existieren naturgemäß nicht. Geblieben sind Ruinen der Wassermühle und der fast gänzlich verfallene Mühlgraben.

Mühlgraben neben der Ortsstraße

Blick in den Radkasten der Röhrsdorfer Wassermühle (alle aktuellen Bilder Slg. W. Hentschel, Lipova)