Der Gedenkstein von Johann Josef und Marie Gertrud Hille auf dem Kirchfriedhof in Groß Schönau

Auf dem historischen Friedhof von Groß Schönau gibt es neben einigen Grabsteinen aus dem Barock auch Grab- und Gedenksteine aus jüngeren Zeiten, insbesondere aus dem Klassizismus. Ein bedeutender Künstler jener Zeit war Franz Pettrich (29.08.1770-23.01.1844), der aus Trebnitz bei Leitmeritz stammte und später vor allem in Dresden wirkte, dabei allerdings gerade auch im Nordböhmischen Niederland zahlreiche Werke hinterlassen hat. Ein regelrechtes Werksverzeichnis gibt es zu diesem Künstler bislang nicht. Gelegentlich wird darauf hingewiesen, dass sich auch auf dem Kirchfriedhof von Groß Schönau Objekte aus seiner Hand erhalten haben.
Das Denkmal, das heute hier vorgestellt werden soll, ist kein Grabstein sondern vielmehr ein Gedenkstein. Wohl bald nach 1822 ließen die erwachsenen und dankbaren Kinder von Johann Josef Hille, Schneidermeister in Schönau Nr. 50, und seiner Frau Marie Gertrud, geb. Paul aus Schönau Nr. 321, den Gedenkstein errichten (Text siehe unten). Als Künstler und Bildhauer wird in verschiedenen Quellen und Übersichten eben jener oben genannte Franz Pettrich angegeben. Damit ist auch dieser Gedenkstein ein bedeutendes Kunst- und Kulturdenkmal aus dem Klassizismus auf dem Schönauer Kirchfriedhof und somit auch noch heute von besonderer kulturgeschichtlicher Bedeutung für Velky Senov.
Auch für einen Laien ist die besondere künstlerische Gestaltung des Gedenkstein ersichtlich und der Gesamteindruck ergreifend. Beeindruckend das geschwungene Leichentuch, das sich um ein großes Steinkreuz windet; zu Füßen ein Rosenstrauß. Ein hervorragendes Beispiel für die Schaffenskunst von Franz Pettrich.
Um 1985 stand der Gedenkstein noch zwischen Sakristei und Haupteingang an der Südseite der Schönauer Kirche (Abb. 1). Jahre später sah der Zustand jedoch sehr bedrohlich aus, der Gedenkstein lag zerbrochen auf dem Erdboden und man mußte Arges für sein Schicksal befürchten (Abb. 2). Gegenwärtig allerdings ist der Stein aufgerichtet und steht dicht an der Friedhofsmauer (Abb. 3). Das Denkmal ist im staatlichen Verzeichnis der Kulturgüter von Velky Senov aufgeführt. Allerdings wird dort vermerkt, dass der Text witterungsbedingt kaum noch zu lesen ist. Daher soll hier der Inschriftentext wiedergegeben werden, so wie ihn der Verfasser vor 40 Jahren abgeschrieben hat [in Klammern die heute nicht mehr lesbaren Partien].
Denkmal Frommer Liebe
[den im] Herrn verstorbenen Eltern
JOHANN JOSEPH HILLE
[29.Sept.] 1754 gest. am 2. Aug. 1813
und
MARIA GERTRUD geborene PAUL
[12.] Dez. 1751 gest. [16.] Sept. [1822]
gewidmed
von ihren dankbaren Kindern
Augustinus Bartholomäus
[Franz Josef]
[Ambros]
[Veronika]
Unter den dankbaren Kindern befinden sich für Schönau bedeutende Persönlichkeiten, wie z. B. Bischof Augustin Bartholomäus Hille, der 11. Bischof von Leitmeritz, sowie die Brüder Ambros und Franz Josef Hille, die zu den Begründern der industriellen Baumwollfertigung in Schönau zählen. Zu beiden Brüdern sind im Übrigen auf dem selben Friedhof die eigenen Begräbnissteine ebenfalls erhalten geblieben und heute noch zu sehen. Veronika dagegen war verheiratet mit Florian Hesse aus Nixdorf und wurde so selbst Ahnin weitere Fabrikanten in Schönau und Umgebung.

Foto: Karin

Literatur zu Franz Pettrich:
Hans Geller: Franz und Ferdinand Pettrich. Zwei sächsische Bildhauer aus der Zeit des Klassizismus, Dresden 1955.
https://eliasfriedhof.de/files/content/pdfs/heitmann-grabmale_franz_petrich.pdf
Denkmalverzeichnis von velky senov:
https://pamatkovykatalog.cz/nahrobek-rodiny-johana-josepha-hilleho-14649697
Werkverzeichnis zu Franz Pettrich aus commons wikimedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Sculptures_by_Franz_Pettrich_in_the_%C5%A0luknov_Hook
