
Rudolf Pathe, Fotograf in Lobendau (1898-1962).

Werbeanzeige im Volkskalender von 1933.
Das Fotoatelier Pathe in Lobendau.
In Erinnerung an Klaus Müller aus Lobendau .
Vor einiger Zeit machte die Nachricht die Runde, dass man auf einem Dachboden eines Hauses von Lobendau den fotografischen Nachlaß eines Fotografen gefunden habe. Es stellte sich heraus, dass dies der Fotonachlaß von Rudolf Pathe war,
Durch glückliche Umstände ist ein Lebensbericht von Rudolf Pathe erhalten geblieben, aus dem hier berichtet werden kann:
Demnach wurde Rudolf Pathe am 09.09.1898 in Schluckenau als Sohn von Josef Pathe und seiner Gattin Martha geboren. Der Vater war Zuschneider in der Schuhfabrik Strobach in Lobendau, die Mutter arbeitete in Heimarbeit für die Kunstblumenindustrie. Nach der Schulzeit war Rudolf Pathe zunächst in einer Blumenfabrik in Sebnitz/Sachsen tätig, was mit einem täglichen Arbeitsweg von 2 x 10 km verbunden war. Schließlich erhielt er auf Vermittlung seines Oberlehrers, der ob des Zeichentalentes von Rudolf Pathe wußte, eine Lehrstelle beim Fotografen Meiser in Schluckenau, wo er das Fotografenhandwerk erlernte. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 und der Einberufung des Meisters führte er zunächst das Geschäft mit einem weiteren Gesellen weiter, bis er schließlich selbst einberufen wurde. Nach Kriegsende 1918 geriet er in Gefangenschaft u. a. in Verona, wo er, so berichtete er, sich aufgrund seines Maltalentes gut „über Wasser halten“ konnte. Nach der Entlassung 1919 und nachgeholter Gesellenprüfung ging Rudolf Pathe auf Wanderschaft und kam u. a. auch nach Budapest, Cottbus, Mühlheim a. d. Ruhr, Bozen und Meran in Südtirol. Um 1926/1927 kehrte er heim. Am 24.08.1928 heiratete er auf dem Annaberg Martha Thoms aus Lobendau und konnte schließlich 1930 das Photo-Atelier-Pathe in Lobendau eröffnen.


Die Eheleute Pathe vor dem Fotoatelier in Lobendau, 1931
1931 und 1940 wurden dem Ehepaar zwei Söhne geboren. Bis 1938 bewohnte die Familie eine Wohnung in Lobendau Nr. 17. Das Geschäftshaus Lobendau Nr. 111 wurde 1939 erbaut und kurz vor Weihnachten bezogen. Es steht heute noch und ist links des Dorfweges zu finden, der an der Straßenbrücke beginnend ins Oberdorf führt.

Lobendau Nr. 111, Aufnahme W. Pathe 1966
Die Familienidylle wurde durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges zerstört. 1944 wurde Rudolf Pathe einberufen. Das Kriegsende brachte auch für die junge Familie Pathe gravierende Änderungen mit sich. Das bei den letzten Kriegshandlungen beschädigte Haus wurde zwar repariert, jedoch nicht wieder bezogen. Die ersten wilden Vertreibungen gingen an Familie Pathe vorbei. Pfingsten 1946 war es dann jedoch soweit und die Familie mußte mit 50 kg Gepäck die Heimat verlassen. Der Großvater Josef Pathe war bei einem Grenzübertritt am 17.11.1945 erschossen worden. Über viele Stationen landete die Familie schließlich in Kirchhasel bei Rudolstadt/Thüringen. 1949 gelang es Rudolf Pathe, in Neustadt/Orla (Thüringen) das Foto-Geschäft eines Herrn Bienefeld zu übernehmen und so in seiner Profession wieder zu arbeiten. 1960 erkrankte Rudolf Pathe und übergab das Geschäft zum 01.01.1962 an den Sohn Werner, der das Atelier weiter führte. Am 26.12.1962 starb Rudolf Pathe im Alter von 64 Jahren.
Rudolf Pathe eröffnete sein Atelier als die Zeit der Hartpappenbilder vorbei war. Von daher ist es schwierig, heute ohne weiteres konkrete Aufnahmen diesem Atelier zuzuordnen.
1966 hat der Soh Werner eine erste Reise durch Lobendau nach der Vertreibung durchgeführt und dabei zahlreiche Fotoaufnahmen von Häusern und Leuten angefertigt, die heute als Dokumentation jener Zeit ein unschätzbares Gut darstellen.

Eine Transportmappe für Fotos aus dem Atelier Pathe (Slg. Willmann)