Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Foto-Wenzel in Groß Schönau

Das Fotogeschäft Johann Wenzel in Groß Schönau.

Kurt Teschner in dankbarer Erinnerung.

Als Familien- und Heimatforscher freue ich mich immer wieder über die alten Bilder. Insbesondere die alten Hartpappenbilder mit Portraitaufnahmen meiner Vorfahren haben es mir angetan. Oft sind es ja die einzigen persönlichen Informationen zu den Ahnen, die uns über die Lebensdaten aus den Kirchenbüchern hinaus erhalten geblieben sind. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Bilder die verlustreichen Zeiten infolge von Flucht und Vertreibung überstanden haben. Gern erinnere ich mich dann auch dankbar an die kleine Familien-Geschichte, als mein damals 7-jähriger Onkel am Tag der Vertreibung aus Groß Schönau nichts Besseres zu tun wußte, als mit einem Griff in die Fotoschachtel zahlreiche der für mich heute so wertvollen Bilder der Ahnen zu ergreifen und es tatsächlich zu schaffen, sie durch alle Wirren jener Zeit zu retten.

Doch sollen heute nicht so sehr die wundervollen Portraitaufnahmen interessieren. Denn auch die Rückseiten jener Hartpappenbilder können Geschichten erzählen. In der Regel findet sich dort nämlich die Visitenkarte des jeweiligen Fotografen, oft im Jugendstil reichlich verziert und mit geometrischen oder figürlichen Grafiken versehen.

Ehepaar Johann und Maria Theresia Wenzel

Ein sehr bekannter Fotograf in Schönau war Johann Wenzel. Eine ganze Reihe meiner Fotos wurden in seinem Atelier aufgenommen. Firmensitz war Schluckenau, von Johann Wenzel selbst wohl um 1890 gegründet. Die Adresse lautete: Gasthof zum Adler, Hausnummer 799. Bereits frühzeitig, wohl kurz nach 1900, gründete Johann Wenzel in Schönau eine Filiale. Diese befand sich zunächst in einem Anbau an der Drogerie Nake, Schönau Nr. 317. Schließlich wurde 1929 am Dorfweg gegenüber dem Bauernhof Nr. 325 Hille „Klejörge“ ein Neubau mit eigenem Atelier errichtet. Dabei handelt es sich um das Doppelhaus Nr. 516/517, in welchem auch der Konditormeister Rudolf Hille sein Café eröffnete, den Einheimischen als „Hille-Konditor“ bekannt. Weiterhin gab es hier den Herren- und Damensalon Josef Stricker. Johann Wenzel bildete in seinem Fotogeschäft auch Lehrlinge aus. Bekannt sind folgende Namen: Gerhard Klinger aus Wölmsdorf, Rudolf Beer aus Kunnersdorf und Edith Hejsek aus Groß-Schönau.

Groß Schönau Nr. 517 mit dem Atelier von Foto-Wenzel, Aufnahme 2012

Nach 1945 wurde aus dem Fotoatelier übrigens eine Weinstube, in der auch Heimat- und Schulfreunde ihre Treffen veranstalteten.

Johann Wenzel wurde am 28.10.1869 geboren und starb am 12.02.1951 in Eibau. Am 25.06.1895 heiratete Johann Wenzel die Maria Theresia Holfeld aus Rumburg Nr. 309. Das Ehepaar hatte drei Töchter: Maria, Elisabeth (Else) und Johanna. Die beiden letzteren erlernten beim Vater das Fotografenhandwerk. Das Zeugnis, ausgestellt von Johann Wenzel für die Tochter Else, über die „Ausbildung in allen Fächern der Portraitfotografie“ vom 10.03.1926 ist noch erhalten. Die Tochter Johanna übernahm schließlich mit ihrem Ehemann Otto Teschner das Geschäft in Groß Schönau.

Hartpappenbilder wurden bis nach dem 1. Weltkrieg hergestellt. Dabei kamen verschiedene Formate zur Anwendung. Überliefert sind Aufnahmen mit den Maßen 16,5 cm x 10,5 cm bis hin zu 11,5 cm x 5,5 cm. Standardmaße waren jedoch wohl 10,5 cm x 6,5 cm, die auch bei zahlreichen anderen Fotografen zur Anwendung kamen. Die grafischen Darstellungen auf der Rückseite variieren zum Teil erheblich, leider ist es bislang nicht gelungen festzustellen, ob die verschiedenen Darstellungen gleichzeitig angewendet wurden oder ob hier zeitliche Unterschiede zum Tragen kommen.

Später wurden auch hier die Papierbilder hergestellt. Da diese jedoch auf der Rückseite keinen Werbe-Aufdruck des Fotogeschäftes kennen, sind sie nur schwer nachzuweisen.

Das Fotoatelier Wenzel hat Aufnahme gefunden in der vorbildlichen Website:

http://www.fotorevers.eu/de/