Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Fotostudios in Rumburg.

Beitragsbild: Elisabethgasse in Rumburg; hier waren einige Fotoateliers angesiedelt

Fotostudios in der Klostergasse und in der Pragergasse in Rumburg.

Genealogische Studien zur zeitlichen Einordnung von Hartpappenfotos im Nordböhmischen Niederland im 19. Jahrhundert.

Anlaß für die Beschäftigung mit diesem Thema war die Erfahrung, dass ich zwar Fotos von Vorfahren aus dem Nordböhmischen Niederland hatte, diese Fotos jedoch nicht näher vom Alter her datieren konnte. Literatur über Fotografen des 19. Jahrhunderts in Nord-Böhmen ist nicht gerade reichhaltig gesät. Reflexartig wird man zwar auf Standardswebsites zum Fotografenwesen zurückgreifen1, dort in der Regel jedoch vor allem kunstgeschichtlich relevante Hinweise finden. Nur in Ausnahmefällen gibt es nähere Angaben zum Fotografen oder gar zum Foto-Atelier. Vor einiger Zeit hatte ich mich schon einmal des Themas angenommen und über den Fotografen Johann Wenzel in Schönau für die Zeitschrift Unser Niederland einen Beitrag verfasst2, der bei fotorevers nachgedruckt wurde.

Vorliegender Beitrag soll nun helfen, diese bedauerliche Lücke zumindest für das Nordböhmische Niederland etwas zu schließen. Da dies ja keine Zeitschrift für das Fotografenwesen oder gar zur Geschichte der Fotografie ist, sei es mir erlaubt, nachstehende Aussagen schwerpunktmäßig auf genealogische Analysen zu beschränken und kunstgeschichtliche Aspekte zu vernachlässigen.

Fotoatelier Lange

Rumburg Klostergasse 10

Das 1864 in einer Annonce in der Rumburger Zeitung erwähnte Fotoatelier Lange ist das bislang älteste bekannte Atelier an dieser Adresse. Fotos aus diesem Studio sind bislang nicht nachweisbar, daher gibt es auch keine Hinweise zur Reversgestaltung. Bemerkenswert der Hinweis in der Annonce, dass das Atelier stets gut geheizt sei.

Fotoatelier Adalbert Berka

Rumburg Klostergasse 10

Adalbert Berka eröffnete sein Atelier für Malerei und Photographie 1865. Er stammte ursprünglich aus Prag und hatte zuvor sein Atelier aus Schönlinde nach Rumburg in das Geschäftshaus von L. Beste in der Klostergasse 10 verlegt. 1867 warb er in der Rumburger Zeitung und wies darauf hin, dass er auch Aquarell- und Ölmalerei anfertigen würde. 1869 übernahm A. Schrauber das Atelier. Adalbert Berka wechselte offenbar nach Aussig (1877) und ist später (ab 1878) auch in Zittau nachweisbar.

Fotografische Aufnahmen von A. Berka aus Rumburg datieren damit zwischen 1865 und 1869.

Abb. 1, Revers eines Fotos aus dem Atelier A. Berka, Rumburg.

Fotoatelier Anton Schrauber

Rumburg Klostergasse 10, Warnsdorf Hauptstrasse 25 und „Künstlergasse“ 1175

Auf jüngeren Fotos wird auf dem Revers als Gründungsjahr des Fotoateliers das Jahr 1857 angegeben. Dieser Hinweis konnte bislang nicht verifiziert werden.

Anton Schrauber stammte aus Friedland und wurde dort 1836 geboren. Am 10.02.1862 heiratete er in Warnsdorf Emilia Josefa Hackel, die Schwester des Fotografen Franz Hackel, und wurde seit dem in den Kirchenbüchern Fotograf genannt. 1863 zog die Familie nach Neufranzthal 123 bei Warnsdorf. Im Jahr 1869 gründete er in Rumburg in der Klostergasse 10 „ehem. Salon von Herrn Berka“ eine Niederlassung. Auf einem Revers wird auch eine Niederlage in Henersdorf erwähnt, vermutlich ein Schreibfehler, falls Hennersdorf, ein Ortsteil von Rumburg, gemeint sein sollte.

1871 stellte Anton Schrauber als Mitglied der Photographischen Gesellschaft sein Verfahren der Erzeugung von Glacè und Emailbilder vor. Auch sonst sind in den Medien seiner Zeit zahlreiche Spuren von ihm zu finden. So verweist er darauf, dass er nur Sonn- und Feiertage öffnet, und sucht anderenorts nach Lehrlingen. Es ist überliefert, dass er um 1877 Foto-Aufnahmen vom Leitmeritzer Bischof Anton Frind tätigte, die allerdings bislang nicht aufgefunden werden konnten. Jüngere Reversgestaltungen verweisen auf Auszeichnungen in Guben 1882 und Görlitz 1885.

Anton Schrauber starb am 30.09.1889 im Alter von 53 Jahren als Fotograf in Warnsdorf 1175 an Lungen-TBC.

Glacè-Aufnahmen von Anton Schrauber datieren daher ca. 1870 bis ca. 1880 und es ist stets zusätzlich die Niederlassung Rumburg angegeben. Die Bildformate sind durchweg oval. Jünger sind vermutlich Fotos mit den Medaillen von Guben und Görlitz und aufwendig gestalteten Revers.

Die Eheleute Anton und Emilie Schrauber hatten 5 Kinder, von denen der 1863 geborere Sohn Anton Johann später ebenfalls Fotograf wurde und in Warnsdorf 1504 sein Atelier führt, wo er am 25.07.1936 starb. Fotos mit der Angabe „Künstlergasse 1175“ auf dem Revers sind wohl ihm zuzurechnen.

Abb. 2, Glacè-Foto aus dem Atelier A. Schrauber, Warnsdorf und Rumburg. Abgebildet ist Alois Hille (1851-1916)

Fotoatelier A. Krticzka

Rumburg, „im Garten der Garküche“

Im Nordböhmischen Gebirgsboten teilte A. Krticzka im August 1859 mit, dass er nach seiner Rückkehr aus Amerika und ausgestattet mit den neuesten Erkenntnissen zur Photographie im Gartenlokal des Dr. Kittelt photographische Aufnahmen auf Glas, Leder und Leinwand anfertige, das Atelier Ende 1859 jedoch nach Schönlinde verlegt habe.

1861 zeigt A. Krticzka erneut seine photographischen Tätigkeiten „im Garten der Garküche bei Herrn Blaha“ in Rumburg an. Weitere Hinweise gibt es zu diesem Fotografen nicht. Fotos sind bislang keine bekannt.

Fotoatelier Franz Hackel

Rumburg Prager Gasse 6 „im Gasthaus zur Garküche“ und Warnsdorf

Franz Hackel stammte aus Tollenstein bzw. St. Georgenthal und wurde um 1846 als Sohn von Franz Hackel und seiner Gattin Amalia, geb. Wieta, geboren3. Als Fotograf wurde er erstmals 1869 anläßlich der Taufe seines am 02.06.1869 geborenen Sohnes Alfred Anton erwähnt. Das Fotoatelier befand sich zu diesen Zeit in Altwarnsdorf 427. Pate war der Ehemann seiner Schwester, Anton Schrauber, Fotograf in Neufranzenthal b. Warnsdorf 123. Franz Hackel selbst war wiederum Pate bei der Taufe seiner Nichte Elfrieda Anna Schrauber am 03.03.1871. Bei diesem Ereignis war er noch Fotograf in Warnsdorf. Wann die Fotografische Anstalt in Rumburg eröffnet wurde, ist noch unbekannt. Sie befand sich in der Prager Gasse 6, im sog. „Gasthaus zur Garküche“, wie im Revers gern und regelhaft betont wurde.4 Franz Hackel starb am 07.12 1889 bereits mit 43 Jahren an TBC. Da war er Fotograf in Rumburg 394.

Fotografische Aufnahmen von Franz Hackel aus Rumburg datieren daher zwischen 1871 und 1889.

Abb. 3, Foto aus dem Atelier F. Hackel, Rumburg. Abgebildet ist Johann Hille (1829-1911)

Fotoatelier Johann Müller

Rumburg Prager Gasse 6 / Klostergasse 13 / Elisabethgasse 6

Von Johann Müller ist nur sehr wenig bekannt. Er wurde am 19.10.1863 in Alt-Haida 26 als Sohn des Webers Johann Müller und seiner Frau Magdalena, geb. Johne, geboren. Als Fotograf trat er erstmal am 26.09.1890 bei seiner Trauung mit Maria Pietschmann aus Rumburg 265 auf. Das einzige (?) Kind, Johanna Anna Magdalena, wurde am 14.07.1895 geboren, starb allerdings bereits wenige Wochen später am 09.09.1895. Anläßlich des Todes der Kaiserin Elisabeth „Sissi“ im Jahr 1898 wurde die Prager Gasse in Rumburg umbenannt in Elisabethgasse, so dass Fotos mit dem Verweis auf das Atelier in der Elisabethgasse 6 auf die Zeit um 1900 oder später zu datieren sind.

Zu dieser Zeit gab es auch in Schönau a.B.N.B5 eine Filiale. Johann Müller hat noch im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts Hartpappenfotos angefertigt.

Abb. 4, Revers eines Fotos aus dem Atelier J. Müller, Rumburg.

Abb. 5, Foto aus dem Atelier J. Müller, Rumburg, Filiale Schönau. Abgebildet sind Alois Hille (1851-1916) und seine Frau Magdalena, geb. Lösche (1851-1922) und Revers

Fotoatelier Alfred Anton Hackel

Rumburg Klostergasse 13 und Deutsch Gabel

Alfred Anton Hackel wurde am 02.06.1869 in Altwarnsdorf 427 als Sohn von Franz Hackel geboren (siehe diesen). Er führte die Profession seines Vaters weiter6. Das Atelier befand sich wie das Atelier seines Vaters in der Klostergasse 13. Die meiste Zeit war Alfred Hackel vermutlich jedoch in Deutsch Gabel tätig7, wo er auch am 29.03.1944 als Fotograf starb.

Abb. 6, Foto aus dem Atelier F. Hackel, Rumburg und Leipa. Abgebildet ist Johann Hille (1868-1899) und Revers zum Foto

Fotoatelier Valentin Heine

Rumburg Klostergasse 13

Zum Leben und Wirken des Fotografen Valentin Heine ist nichts weiter bekannt. Einziger Nachweis ist ein Hartpappenfoto, das auf den 16. Juli 1913 datiert ist. In Georgswalde unweit von Rumburg gab es weitere Fotografen mit dem Namen Heine. Eine Verwandtschaft konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Abb. 7, Revers eines Fotos aus dem Atelier V. Heine, Rumburg, datiert auf den 16.07.1913.

Fotoatelier Franz Gröschel

Rumburg Klostergasse 12

Das Atelier befand sich in der Klostergasse 12 im „Gasthaus zur Bierhalle“. Später gab es Filialen in Schluckenau, Bahnhofstrasse Nr. 315, Nixdorf, vis-a-vis der Turnhalle bzw. Stadt Wien, Warnsdorf, „nächst dem Schützenhaus“, und Niedergrund, „Hampels Restaurationsgarten“. Einige Fotos sind datiert um 1885. Lithographen waren Türkel und Steiner in Wien.

Franz Gröschel wurde am 16.01.1864 in Oberhennersdorf, Ortsteil von Rumburg, als Sohn des August Gröschel (1823-1911), Schuhmacher in Oberhennersdorf 208, und seiner Frau Maria, geb. Hirschberger, geboren. Bei seiner Trauung am 04.10. 1898 in Rumburg mit der Fabrikantentochter Emilia Mann aus Rumburg 373, geb. 16.12.1867, war er bereits Fotograf und wohnte in Rumburg Nr. 7.

Am 10.05.1910 erfolgte ein Umzug nach Oberhennersdorf 208, das Atelier verblieb in Rumburg.

Dem Ehepaar wurden vier Kinder geboren, von denen zwei jung verstarben. Die Tochter Emilia Martha (geb. 14.02.1901) führte den Beruf ihres Vaters weiter aus und wurde im Zensus 1921 als Fotografin im Geschäft des Vaters genannt. Sie heiratete 1934 Friedrich Kunigt. Dann verliert sich ihre Spur.

Da bislang nicht geklärt werden konnte, von wann bis wann Franz Gröschel sein fotografisches Atelier führte, sind Fotos von ihm schwer zeitlich einzugrenzen. Hartpappenbilder sind jedoch gewiss der Zeit von 1885 – 1910 zuzuordnen.

Abb. 8, Foto aus dem Atelier F. Gröschel, Rumburg. Abgebildet ist Alois Hille (1875-1936), und Revers zum Foto

Abbildungsnachweis

Atelier Berkahttps://oldthing.at/Fotografie-A-Berka-Rumburg-Klostergasse-10-Portrait-junge-Dame-im-Festkleid-0040219293

Atelier Müllerhttps://oldthing.de/Fotografie-J-Mueller-Rumburg-Pragergasse-6-junges-Ehepaar-in-dunkler-Kleidung-0040893584

Atelier Heine https://oldthing.de/Hartpappfoto-Rumburg-Klostergasse-13-Hochzeit-0041404325

Anmerkungen

1https://wiki.genealogy.net/Kategorie:Fotostudio, vorbildlich auch die polnische Website http://www.fotorevers.eu/de/

2 – A. Hille, Das Fotogeschäft Johann Wenzel in Groß Schönau. In: Unser Niederland Folge 752, 2012, S. 196.

3 – Allerdings konnte die Geburt von Franz Hackel bislang weder in St. Georgenthal noch in Tollenstein nachgewiesen werden, während dessen die Taufe seiner älteren Schwester Emilie Josefa am 21.12.1837 in Georgenthal Nr. 111 erfolgte, wo die Eltern am 21.05.1833 auch geheiratet hatten (Archiv Litomerice L61/12-65). Die Familie Hackel muß also danach in einen bislang unbekannten Ort verzogen sein.

4 – Es gibt eine Fotografie von meinem Urgroßvater Johann Hille (1868-1899) in jungen Jahren, auf dem Revers (goldene Schrift auf schwarzem Untergrund) wird neben dem Atelier Rumburg, Pragergasse Nr. 6, auch eine Filiale in Leipa, Nikolaigasse Nr. 1, erwähnt. Als Lithograf war hier nicht mehr Leopold Turkel sondern A. Grünhäuser aus Wien tätig.

5 – „an der Böhmischen Nordbahn“; ab 1909 Groß Schönau (Böhmen)

6 – https://wiki.genealogy.net/Hackel_(Deutsch_Gabel)/Fotostudio

7 – Das Atelier in Deutsch Gabel in der Alten Brauhausgasse 80-81 wurde augenscheinlich der Angaben auf einem Revers 1873 gegründet. Die Vorbesitzer konnten bislang aber nicht verifiziert werden.