In Erinnerung an Alfred Koch – Zeidler, der sich jahrzentelang dieser Frage gewidmet hat.

Königswalde Nr. 304 – Künstliche Erhebung, die als Standort der historischen Turmhügelburg gilt.
Ob es auf diesem Grundstück in Königswalde eine Turmhügelburg gab, ist noch nicht abschließend entschieden. Verbindliche Auskünfte könnten wohl nur reguläre archäologische Ausgrabungen an dieser Stelle geben, die hat es aber nach Auskunft des Rumburger Museums dort noch nicht gegeben. Allerdings war für mich die Information darüber, dass hier eine solche Burg gestanden haben könnte, so überraschend, dass auch ich mich dieser Frage gewidmet habe. Und so habe ich versucht, weitere Indizien für oder gegen die These zur Existenz einer Turmhügelburg in Königswalde beizutragen und insbesondere geschaut, ob die Grundbücher Hinweise geben können.
Die bekannte Literatur zum Thema ist schnell aufgezählt. Erstmals beschäftigte sich 1887 Amand Paudler in den Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursionsklubs Nr. 10, S. 199-200, mit dieser Frage, als er einen Besuch in Königswalde schilderte, in dessen Verlauf er den Erzählungen um eine Ritterburg in Königswalde nachgegangen war. Zuletzt hat sich in der deutschsprachigen Literatur Christian Maaz 2009 in der Sächsischen Burgenforschung Band 22 zu dieser Frage geäußert und verschiedene Indizien für die Existenz einer Burg an dieser Stelle zusammengestellt. Von Herrn Maaz habe ich dankenswerter Weise auch die beiden Aufnahmen (Abb. 2 und 3) erhalten.
Anders als zum Beispiel in Groß Schönau, wo die Tradition die alte und schon zu Zeiten der Hussitten untergegangene Wasserburg im Bereich des Hauses Nr. 133 lokalisierte und die auch noch heute erkennbare Fluraufteilung in dieser Hinsicht Bände spricht, mangelt es in Königswalde an eindeutigen Spuren.
Nach allgemeiner Überlieferung befand sich die Turmhügelburg von Königswalde im Bereich des Hauses Nr. 304. Das Haus selbst, das heute nicht mehr steht, wurde nach entsprechender Angabe im Grundbuch durch Anton Handtusch vor dem Jahr 1837 erbaut. Für die durch A. Paudler überlieferte Aussage, dass das Haus bereits im Jahr 1816 neu erbaut worden sei, konnte ich bislang keine Bestätigung finden. Im Gelände sind Reste eines alten aus Bruchsteinen errichteten Kellers zu sehen, die von der Burgstelle herrühren sollen und damit auch heute noch die fragliche Stelle ausreichend kennzeichnen.
Das Haus Nr. 304 gehört zu einer sogenannten Gartennahrung, also einem Gärtner oder Kleinbauer; die dazugehörige Hofstelle trug die Nr. 237. Vor der Einführung der bis heute noch gültigen Hausnummern im Jahre 1771 lautete die Hausnummer 212. Laut Aussage der Grundbücher ist die Familie Handtusch spätestens seit dem Jahr 1727 hier nachweisbar, da Hans Handtusch am 14. Oktober 1727 von Tobias Hesse, dem Richter in Neu Georgswalde, den „Garten nebst Wohngebäuden und Scheunen“ abkaufte. Wie auch heute noch, werden im Kaufvertrag einige Rechte Anderer aufgeführt, die uns interessante Details zum Grundstück verraten. Ganz leicht der heutigen Leseweise angepasst, erfahren wir folgendes:
„Zu wissen ist, das der Georg Adam Richter und der Adam Eyser das Brunnenwasser vor ihrem Haus nothdürftig von diesem Garten in Röhren auf ihre Gütter zuführen machthaben und die Röhren, wann sie wandelbahr werden, in Herbst oder in Frühling legen müssen, ohne alle Widerrede, wie das Gerichtsbuch aussagt. Hingegen muß jeder dem Besitzer des Garten Jährl. /2 (?) Tag ander Arbeith ohne Entgeldt verrichten.“
Die Gartennahrung selbst war nicht sehr groß. Ich schätze so um die 6 ha. Die gut zu rekonstruierende Flur habe ich auf beiliegendem Plan gekennzeichnet. Die beiden erwähnten Hausnummern 237 und 304 habe ich eingetragen. Der älteste zu ermittelnde Besitzer dieser Flur war also ein Richter, wenn auch aus Georgswalde. Ob hierin noch ein Nachwehen eines alten herrschaftlichen Gutes zu erahnen ist, muß aufgrund der fehlenden Quellen Spekulation bleiben.

Flurplan zur Gartennahrung Nr. 212 / 304, Bearbeitet nach einer historischen Karte von 1843 https://ags.cuzk.cz/archiv/
Nachstehend Fotos vom Grundstück Königswalde Nr. 304 – Aus Bruchsteinen errichteter Keller; vermutlich stand hier früher die Turmhügelburg



Allle Fotos: C. Maaz