Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Schönau Nr. 337 – Die Mangel

Schönau Nr. 337 – Die Wandlung von einem Industriegebäude zu einem Wohnhaus

Auch in Groß Schönau stellte sich seinerzeit die Frage, wie mit industriell geprägten Immobilien umzugehen sei, wenn diese nicht mehr gebraucht wurden, bzw. ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr gefragt war. Ein Beispiel für eine sinnvolle Nachnutzung eines Industriebaus in Groß Schönau soll der heutige Beitrag beleuchten.

Das vorzustellende Gebäude war ursprünglich eine Mangel und gehörte zur Färberei Schönau Nr. 137. Das Gebäude muß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein, da es in einer Karte aus der Zeit um 1880 bereits eingetragen ist. Eine eigene Hausnummer hatte das Gebäude damals offenbar nicht. Die Färberei Nr. 137 gehörte zu jener Zeit Ernst Konrad, der das Haus im Jahr 1847 erwarb und vermutlich die Färberei dort überhaupt erst eingericht hat.

Von der Mangel gibt es alte Fotos aus der Zeit um 1900 (Slg Turyna), die uns einen ersten Eindruck vom ursprünglichen Aussehen geben, bevor das Gebäude später zu einem Wohnhaus umgebaut wurde.

Demnach bestand das Gebäude aus einem großen ebenerdigen Werksaal mit hohen Fenstern, darunter auch ein Rundbogenfenster, und hatte ein sehr großes Krüppelwalmdach. Die Dachfläche wurde durch zwei Reihen Fledermausgauben durchbrochen, was darauf hinweist, dass das Dachgeschoß möglicherweise zweietagig war. Auf der Giebelseite verfügte das erste Dachgeschoß über drei Fenster. An das Gebäude schlossen sich Holzbauten an, deren Funktion nicht näher zu bestimmen ist. Rechts im Bild ist ein Teil des Hauses Nr. 137 zu sehen, der Konrad-Färbe, und im Hintergrund sieht man die Kirche.

Im Jahr 1928 gehörte die Mangel noch der Familie Konrad. Die Tageszeitung vom 04. Mai 1928 berichtete, dass Herr Domeniko Bologna aus Nixdorf beabsichtige, das Mangelgebäude des Herrn Adolf Konrad zu erwerben und zu einem Kino- und Konzertgebäude umzugestalten. Die Gemeinde Schönau bekundete die Absicht, nach Vollendung des Bauvorhabens die städtischen Lichtspiele dahin zu verlegen. Das Vorhaben scheint jedoch alsbald gescheitert zu sein. Schon 1930 war das Gebäude jedenfalls im Besitz der örtlichen Sparkasse und wurde wiederum von der Gemeinde Schönau erworben. Vom Vorhaben, darin ein Kino einzurichten, war nun nichts mehr zu vernehmen. Vielmehr beantragte der Obmann der Bauabteilung der Stadt, Herr Wilhelm Entrich, das der Gemeinde gehörige ehemalige Mangelgebäude auf der Parzelle 201/1 nach den vom Schönauer Baumeister Josef Ebermann ausgearbeiteten Bauplänen zu einem Wohngebäude mit Kleinstwohnungen umzubauen, was mit Beschluß v. 26.08.1930 auch bewilligt wurde. Schon am 15.12.1930 wurde das Bauvorhaben fertiggestellt. Der Neubau erhielt die Haus-Nummer 337.

Planzeichnungen zum Umbau von Schönau Nr. 337 zu einem Wohnhaus (Archiv Decin)

Folgende Umbauten waren dabei von besonderer Bedeutung: Durch Vertiefung des Erdgeschosses wurde das Gebäude vollständig unterkellert und durch Einziehung einer Decke ein Dachgeschoß für Wohnzwecke gewonnen. Die Treppe wurde als Massivstiege ausgeführt. Zur Rauchabführung wurden vier Kamine hergestellt, die in zwei Schornsteinköpfen mündeten. Im Keller entstanden eine Waschküche und drei Kellerräume; im neuen Erdgeschoß ein Flur, vier Küchen und vier Zimmer sowie Toiletten (Aborts) und im Dachgeschoß neben einem weiteren Flur sechs Zimmer, teilweise mit großen Fenstergauben, vier Kammern, Aborts. Darüber gab es noch einen Bodenraum. Für uns heute befremdlich die Anweisung, dass das Dachtraufen- und die Abwässer in den Ortsbach einzuleiten waren. Eigentümer des Gebäudes blieb weiterhin die Stadt. Gemäß Hauordnung, deren Übergabe am 19.03.1931 durch die Neumieter schriftlich bestätigt wurden, gab es im Neubau 10 Wohnparteien mit Kleinstwohnungen. 1939 hat sich deren Zahl bereits verringert, da im Erdgeschoß Kanzleiräume erwähnt werden. Nunmehr gab es 8 Wohnräume und 6 Büroräume. Eine Bestandaufnahme 1945 ergab für dieses Wohnhaus noch 7 Parteien mit insgesamt 16 Personen. Von einer Kanzlei war da nicht mehr die Rede.