
Östlicher Teil der Gemarkung Grafenwalde mit den Hausnummern Johannisberg Nr. 28-33. Die „4-Häuser“ sind violett umrandet. Berabeitet nach einer historischen Karte von 1843 (https://ags.cuzk.cz/archiv/).
Die 4-Häuser bei Fürstenwalde.
Die sogenannten 4-Häuser waren ein kleiner Weiler an der Straße von Johannisberg nach Kaiserswalde. Der Weiler bestand ursprünglich wohl aus 4 Häusern, von denen aber zwei irgendwann abgebrannt sind. Heute stehen von diesen vier Häusern noch die Nr. 28 und die Nr. 30. Wichtige Flurnamen waren Hofefeld und Hutweide. Geschichtlich sind die 4-Häuser eng verbunden mit zwei weiteren Häuser, die erheblich dichter an Fürstenwalde heran standen, so dass manch einer sie als eigentlich zu Fürstenwalde gehörend betrachtete. Dazu passt gut der Umstand, dass für diese 6 Häuser gemeinsam in alten Karten ebenfalls der Name Fürstenwalde aufscheint.
Zwischen den Häusern Nr. 32 und Nr. 33 und Fürstenwalde bestand jedoch von alters her eine Grenze. Hier trafen die Gebiete der Hainspacher auf die der Schluckenauer Herrschaft. Diese Besonderheit gilt es zu beachten, wenn wir nun versuchen, die Entstehung und die Geschichte dieses Weilers genauer zu betrachten. Die 1945 gebräuchlichen Hausnummern lauteten 28-33, diese Zählung schloß an die Hausnummern von Johannisberg an.
Quellen zur Erforschung der Geschichte dieser Häuser sind die Grundbücher und die Mannschaftsbücher von Johannisberg, die im Leitmeritzer Archiv online einsehbar sind. Des weiteren halfen die Kirchenbücher von Johannisberg und Fürstenwalde, einzelne Fragen zu beantworten.
Die Grundbücher zeigen auf, dass die Nr. 28, 29 und 32 quasi auf grüner Wiese entstanden und zwar auf den Feldern des ehemaligen Schönauer Vorwerks:
1715 wird das Grundstück für die spätere Nr. 32 verkauft, Käufer war Baltzer Oppitz;
1728 wird das Grundstück für die spätere Nr. 29 verkauft, Käufer war Zacharias Kloß aus Fürstenwalde;
1731 wird das Grundstück für die spätere Nr. 28 verkauft, Käufer war Hans Hille, genannt „Pohl-Hillen-Hans“, ein Sohn des Bauern Paul Hille aus der Nr. 99 in Oberschönau (B14).
1746 wird das Grundstück für die spätere Nr. 30 verkauft, Käufer war Zacharias Hille, der später in Oberschönau das Bauerngut Nr. 113 innehatte (B19). Er übergab das Haus 1755 an seinen gleichnamigen Sohn.
Am jüngsten ist wohl Nr. 31, für das sich frühestens ab 1788 Spuren finden lassen. Ältester fassbarer Besitzer ist Josef Hille, ein Sohn des eben genannten Zacharias Hille aus Nr. 30. Auch ist nicht sicher, ob der ursprüngliche Standort von Nr. 31 derselbe ist, wie auf der Karte mit Stand von 1843 dargestellt ist.
Eine Besonderheit bildet das Haus Nr. 33, das zudem am dichtesten an Fürstenwalde grenzt. Hier wird zum Jahr 1729 berichtet, dass Hans Jacob Rösler das Haus von seinem Vater Andreas Rösler übernimmt. Dieser Andreas Rösler war laut Kirchenbücher Reisemann in Grafenwalde, bekam sein jüngstes Kind 1704 in Fürstenwalde. Dieses Haus entstand also vermutlich bereits im 17. Jahrhundert. Zu dieser Familie und zu diesem Grundstück sind daher noch weitere Recherchen notwendig.
Diese sechs Häuser zählten sicher bis 1770 zur Gemeinde Johannisberg und hatten dort die Nummern 1-5 inne (Nr. 46 entstand ja erst später). Spätestens 1773 erhielten sie jedoch neue Hausnummern und wurden fortan Fürstenwalde Nr. 5-Nr. 9 genannt. Allerdings wurden die Einwohner weder in den Fürstenwalder Mannschaftsbüchern aufgeführt, noch wurden die Bewohner in den Fürstenwalder Kirchenbüchern berücksichtigt, vielmehr gab es für diese 6 Häuser separate Listen der Mannschaftsbücher als auch separate Kirchenbücher, beides jedoch unter dem Namen Fürstenwalde. Spätestens 1850 wurden die 6 Häuser wieder der Gemeide Johannisberg zugewiesen. Sie erhielten nunmehr die Nr. 28-33.
Was verbirgt sich nun hinter dieser seltsamen Ansammlung von einzeln stehenden Häusern ? Josef Fiedler hat dies in seiner Heimatkunde des politischen Bezirkes Schluckenau (1989) auf S. 361 mit Geschehnissen im frühen 17. Jahrhundert in Verbindung gebracht. Jedoch sprechen die Angaben in den Grundbüchern gegen eine solche Deutung. Vielmehr haben wir es hier vermutlich mit einem Ansiedlungsversuch von neuen Siedlern auf Feldern des ehemaligen Schönauer Vorwerks zu tun, wie wir es auch schon bei den Gründungen von Leopoldsruh, Grafenwalde und Johannisberg gesehen haben. Anders als dort war im Bereich der 4-Häuser diesen Versuchen kaum Erfolg beschieden. Über die Gründe mag man nur spekulieren. Vielleicht hilft auch hier ein Blick in die Fiedlersche Heimatkunde (hier S. 431), wonach die 4 Häuser so abgelegen waren, dass sie „in rauhen und schneereichen Wintern fast gänzlich von allem Verkehre abgeschlossen“ waren. Ganz offensichtlich waren diese Grundstücke einfach nicht attraktiv genug für potentionelle Erwerber, bei denen es sich ja zumeist um junge Leute handelte, die kurz davor standen, eigene Familien zu gründen. Zudem wird in den genannten anderen Ausbausiedlungen auch zu jener Zeit noch das eine oder andere Grundstück wohl noch zu haben gewesen sein.

Historische Aufnahme vom Pirsken in Richtung Botzen (1925); links: Nr. 32, Mitte: Nr. 30, rechts: Nr. 28 (Sammlung M. Turyna, Velky Senov)