Der Botzen, 2025 Blick von West, von hieraus ist der Botzen in seinem Erscheinungsbild noch einigermaßen unverändert.
In Erinnerung an den Heimatforscher Franz Bienert.
Letztens wurde ich nach aktuellen Kenntnissen zur Botzenmauer bei Schönau gefragt. Hier scheint es jedoch so zu sein, dass der Kenntnisstand noch ähnlich unbefriedigend ist wie zu den Zeiten von Amand Paudler und Fanny Zekel. Getrost darf man sicher die Vermutung, die Mauer sei als Ersatz für sonstige, nicht ausreichend vorhandene anderweitige Fronarbeit der Bauern entstanden, in das Reich der Fabel verweisen. Verschiedene Indizien lassen auf ein hohes Alter der ca. 4 km langen und den Botzen auf halber Höhe umlaufenden Mauer schließen. Betrachtet man die Flurkarte von Kaiserswalde, so ist gut zu erkennen, dass die bäuerlichen Landwirtschaften alle direkt an der Botzenmauer enden. Da die Fluraufteilung bereits bei der Entstehung unserer (Waldhufen)-Dörfer geschah und seitdem, mit wenigen heute noch gut nachvollziehbaren Ausnahmen, weitgehend unverändert erhalten geblieben ist, kann daraus geschlossen werden, dass die Botzenmauer bei der Anlage der Fluren bereits bestanden hat und durch die damaligen Siedler offensichtlich respektiert wurde. Auf Schönauer Seite ist der Befund leider nicht so deutlich, sieht hier der Flurenverlauf doch etwas anders aus, da hier die beiden relevanten Fluren (Botzenbauer Nr. 94 und Botzenhofmann Nr. 88) sich eng an den Mauerverlauf anlehnen. Da unsere Dörfer im Grunde nach im 12. und 13. Jahrhundert im Zuge des mittelalterlichen Landesausbaus entstanden sind, muss die Botzenmauer da schon bestanden haben.
Bereits Amand Paudler (1886) und mit ihm einige andere haben damals schon vermutet, dass die Steinwälle, es gibt ja solche auch auf anderen Bergen in der Oberlausitz und im Nordböhmischen Niederland, bereits in „heidnischer“ Zeit entstanden sind. Mit „heidnischen“ Zeiten waren zu seiner Zeit die vorchristlichen Perioden gemeint, hier wohl insbesondere die Zeit der Slawen.
Auffällig ist nun, dass diese Berge durch einige weitere Gemeinsamkeiten geprägt sind, das sind besondere Orte, die religiöse Bezüge aufweisen. Beim Botzen sind das die Kleine und die Große Michelskirche, mit denen einige Sagen verbunden sind. Hier haben jedoch niemals Kirchen gestanden, die Namen sind wohl die letzten Erinnerungen an religiös bestimmtes Geschehen auf diesen Bergen, das wir heute allerdings kaum noch inhaltlich fassen können. Als ich vor vielen Jahren einmal mit dem bekannten Schluckenauer Heimatforscher Franz Bienert auf dem Pirsken war, um auch dort ähnliche Steinwälle zu inspizieren, erzählte er davon, dass auch für diesen Berg ähnliche Orte (oder besser Erinnerungen ?) überliefert seien.
Die Botzenmauer selbst scheint mir jedoch bedeutend älter zu sein. Mit Blick auf Sachsen, wo es dieses Phänomen ebenfalls gibt, darf wohl davon ausgegangen werden, dass diese Steinwälle durchaus eisenzeitlich oder noch älter sind. In dieser Zeit, wir sprechen hier von den Jahrhunderten vor Christi Geburt, lebten in Böhmen vor allem keltische Völker. Um auch für die Schönauer Botzenmauer einen keltischen Ursprung annehmen zu dürfen, bedarf es allerdings weiterer Forschungen. Hilfreich wären archäologische Funde, die eine Besiedlung des Berges in jener Zeit belegen würden. Mir ist allerdings nicht bekannt, ob solche Funde jemals vom Botzen geborgen wurden. Da bekanntlich der Botzen derzeit aufgrund der bergbaulichen Nutzung einer stetigen Zerstörung ausgesetzt ist, läuft die Zeit weg, um derartige Untersuchungen noch durchführen zu können. Möglicher Weise wird durch den Bergbau nicht nur ein bedeutendes geographisches und die Landschaft weithin bestimmendes Monument beseitigt, sondern gar auch eine überregional bedeutende archäologische Fundstätte, mithin ein Kulturdenkmal, zerstört.
Anm.: F. Zekel (1886) erzählt auf S. 269 auch erstmals die Sage über die „Botzenwacht der Frauen“, die sich auf der Botzenmauer abspielt.

Botzen bei Groß Schönau mit nachgezeichnetem Verlauf der Botzenmauer auf Kaiserswalder Flur (bearbeitet nach: https://ags.cuzk.cz/archiv/)
Literatur:
A. Paudler, Die Botzenmauer bei Schönau. Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursions-Clubs IX, 1886, S. 37-43
F. Zekel, (zu Botzenmauer und Pirskenmauer) Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursions-Clubs IX, 1886, S. 309-311
M. Turyna aus Velky Senov hat sich ebenfallsmit der Botzenmauer befasst und mirfolgende Unterlagen und Fotos zur Verfügung gestellt:




An der Gemarkungsgrenze wurden einige Grenzsteine fetgestellt, die neben einer Zahl auch die Inschrift H-S aufweisen. Die Oberseite ist mit einem Kreuz versehen.



M. Turyna datiert die Errichtung der Botzenmauer in die Zeit von Leopold Antonín Salm-Reifferscheidt (1699-1769).
