
Schönau Nr. 79 – die Eberschänke.
Zur Erinnerung an die Franz-Bäuerin Marie Meier und ihre Schwester Elsa Paul.
Die Eberschänke in Schönau war, wie schon der Name sagt, die Obere Schänke in Schönau und hatte die Haus-Nr. 79, nach alter Zählung jedoch H1. Die Geschichte der Schänke ist relativ gut belegt. Das Grundstück gehörte ursprünglich zu einer Gemeindeflur, die paralle zum Flurstreifen des Eber-Bauers Nr. 77 verlief und zugleich die Grenze zu Kaiserswalde bildete. Der Flurstreifen selbst begann an der Sächsischer Grenze und endete am Dorfweg / Kaiserstraße.
Die Geschichte der Oberen Schänke begann laut Grundbuch am 10.11.1732, als sich der Richter von Leopoldsruh mit Namen Johann Josef Paul eine Baustelle hatte anreissen lassen. Der Verkäufer der Baustelle ist leider nicht angegeben, vermutlich wird es jedoch die Gemeinde selbst gewesen sein. Johann Josef Paul verfügte seit dem 18.02.1730 vermög eines hochobrigkeitlichen Decrets über eine Schankgerechtigkeit, durfte also Alkohol ausschenken. Wann die Schänke nun genau errichtet wurde, ist leider nicht überliefert. Am 19. Januar 1744 stand sie jedoch bereits, da wurde sie an Christoph Fischer aus dem Schönauer Oberdorfe verkauft. Der Kaufpreis betrug 200 Reichsthaler. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Lage des Hauses näher beschrieben. Es stand neben dem Haus des Totengräbers und neben dem Fluss-Wasser an Elias Oppitz Bauerngut (Nr. 77) (also dem Dorfbache) und hatte selbst einen Teich, auch gehörte ein Gärtel dazu. Wenige Jahre später, am 7. Oktober 1755, verkaufte Christoph Fischer das Anwesen an seinen Schwiegersohn Anton Möller. Erwähnt werden in diesem Zusammenhang auch dessen Eltern: + Hans Christoph und Magdalena Müller sowie deren Kinder Jacob und Apollonia.
Im Jahr 1773, am 8. September, kaufte Johann Georg Strobach das Grundstück sowie das darauf befindliche Auhaus. Das war ein Sohn von Hans David Strobach, Bauer in Oberschönau Nr. 37 (alt B4), im Volksmund Schneiders–Lies genannt. Kurz zuvor hatte Johann Georg Strobach die aus Niederschönau stammende Maria Magdalena Rämisch geheiratet. 1771 bekam das Haus als neue Hausnummer die Nr. 79, welche bis zu seiner Zerstörung nach 1945 gültig blieb. 1779 wird Johann Georg Strobach im Mannschaftsbuch als Bierschänker genannt. Von 1774 bis 1783 sind die Geburten von 8 Kindern überliefert. Als Johann Georg Strobach 1789 und seine Frau Magdalena 1791 plötzlich starben, hinterließen sie 5 unmündige Kinder. Die älteste 18jährige Tochter Magdalena hatte wohl die Absicht, der Wirtschaft weiterhin vorzustehen, was offenbar von ihrem Vormund Philipp Jacob Menzel unterstützt wurde, zumal der älteste, damals 15jährige Bruder Sebastian Strobach beabsichtigte, in Hainspach das Bäckerhandwerk zu erlernen (dieser eröffnete in Hainspach Nr. 17 später auch tatsächlich eine Bäckerei). Am 7. März 1793 übernahm Josef Herlt, Bauerssohn aus Nixdorf, die Gastwirtschaft und war nun der Oberschänker. Vier Wochen später heiratete er die eben genannte Magdalena Strobach. Ihr gemeinsamer Sohn Johann Herlt, ein Bandweber, heiratete in zweiter Ehe die Karoline Schneider aus Wölmsdorf Nr. 50. Diese hatte aus einer früheren Beziehung einen Sohn Franz mit in die Ehe gebracht, der schließlich Nachfolger von Josef Herlt und damit Gastwirt in der Eberschenke wurde. Franz Schneider und seine Frau Theresa hatten wohl drei Kinder: die Tochter Marie heiratete den Johann Liebisch, den späteren „Bandel-Lieb’sch“, und hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung dieser bedeutenden Firma. Der eine Sohn Reinhold übernahm die Gastwirtschaft, zu der inzwischen auch eine kleine Landwirtschaft von mehreren Hektar Größe gehörte. Der andere Sohn war Hausschlächter in Niederschönau. Reinhold Schneider und seine aus Kaiserswalde stammende Frau Marie bewirtschafteten Haus und Hof bis zur Vertreibung 1945. Ihre Töchter, die Franz-Bäuerin Marie Maier und Elsa Paul, durfte ich noch kennenlernen. Beide haben mich sehr in meinen Forschungen zu den Schönauer Landwirtschaften unterstützt.
Von der Eberschenke ist ein Bild erhalten geblieben. Zur Raumaufteilung oder zur Größe der Gastwirtschaft ist mir leider nichts bekannt geworden. Aus dem Jahr 1933 datiert die Genehmigung zur Errichtung einer Benzinzapfstation, also einer Tankstelle. Genehmigungsinhaber war die Vacuum Oil Company, Prag.
Ob nach der Vertreibung der deutschen Besitzer das Haus bewohnt bliebt, weiß ich nicht. 1956 scheint das Gebäude der Eberschänke endgültig eingegangen zu sein, da es auf entsprechenden Luftbildern nicht mehr zu sehen ist.

Aufstellung der landwirtschaftlichen Fläche (Methode: kreative Schätzung)