Umbaumaßnahmen 1885 am Radhaus (Archiv Decin).
Die Niedere Mühle in Schönau (die Göbel-Mühle).
Dieser Beitrag führt nach Groß Schönau zur Niederen Mühle. Nur wird dieser Name wohl niemanden mehr etwas sagen, der Name Göbel-Mühle dafür umso mehr. Das Haus Nr. 186 in Niederschönau war eine bekannte Bäckerei. Die letzte Zeit bis zur Vertreibung war hier der Fink-Bäcker tätig. Ob in den letzten Jahrzehnten die Wassermühle noch in Betrieb war, kann ich leider nicht sagen. Dagegen ist bekannt, dass zum Betrieb auch eine kleine Landwirtschaft von ca. 8 ha Größe, die ursprünglich mal zum Bauerngut Nr. 187 gehört hat. Ein anderer landwirtschaftlicher Nachfolger auf dem Grund des erwähnten Bauerngutes Nr. 187 war die Familie Schneider aus Nr. 192.
Die ehemalige Wassermühle Nr. 186 gehörte zu den ältesten Mühlenstandorten in Schönau und wurde bereits in den frühsten Einwohnerlisten aufgeführt. Im Gegensatz zur anderen, auf dem Grundstück Nr.156 zu lokalisierenden Mühle, wurde sie in früher Zeit Niedermühle genannt. Die weiteren Mühlen in Groß Schönau, die Runkel-Mühle (Messer-Frenzel) und die Weiße Mühle, beide im Ortsteil Leopoldsruh, wurden, wie schon in meinen frühreren Beiträgen zur Geschichte Leopoldsruh dargestellt, erst in späterer Zeit errichtet.
Bereits im ersten Schönauer Grundbuch werden verschiedene Müller genannt, so 1665 Lorenz Zimmermann für die Niedermühle und 1662 Georg Elmer als Obermüller.
In den Schönauer Kirchenbüchern tauchen die Schönauer Müller ebenfalls sehr früh auf. So läßt in den Jahren 1666-1670 der Müllermeister GeorG Elmer, Obermöller, zwei Kinder taufen. Das Müllerehepaar Christoph und Sarvina Hille lassen von 1676 bis 1687 fünf Kinder taufen. Die nächste, sicher der Niederen Mühle zuzuordnenden Familie ist die Müllerfamilie Oppitz, die in den Schönauern Kirchenbüchern namentlich von 1680 bis 1740 erwähnt wird.
Den Müllerfamilien war leider keine größere Beständigkeit beschieden. So wechselten sich in jeder Generation andere Familien ab. Der Familie Oppitz folgte ab ca. 1750 die Familie Liebisch. Ihr folgte die Familie Heine, wobei der Name Heine in der Müllerforschung einen guten Klang hat, taucht dieser ja in den verschiedensten Dörfern der Hainpacher Herrschaft immer wieder auf. 1832 heiratet der Müllermeister Josef Göbler aus Hermsdof, Gabler Herrschaft, die Magdalena, eine Tochter des letzten Müllers aus der Familie Heine. Göbler ändert ab 1837 seinen Namen in Göbel. Die Familie Göbel blieb dann beständig auf dem Grundstück bis ca. 1940. Die letzten Jahre wirtschaftet hier der Fink-Bäcker.
Zu jeder Wassermühle gehört ja auch ein Mühlbach. Ein Mühlteich jedoch ist hier nicht nachzuweisen. Der Mühlbach, der das Wasserrad der Niederen Mühle antrieb, begann seinen Lauf etwa auf Höhe des Marschner-Bauers Nr. 163, als er vom Schönauer Dorfbach abgezweigt wurde. Bei Haus Nr. 194 floss er schließlich wieder in den Dorfbach zurück.

Rekonstruktion des Unteren Mühlgrabens auf Basis von https://ags.cuzk.cz/archiv/
Der Mühlenkomplex bestand aus zwei Gebäuden. Das Hauptgebäude selbst war ein L-förmiger Bau, wobei der Gebäudeteil mit der Wassermühle parallel zum Mühlbau stand und sich das Wohnhaus senkrecht dazu erstreckte. Auf der anderen Wegseite wurde später noch eine Scheune errichtet. Vom Mühlengebäude ist ein schönes Bild erhalten geblieben, welches mir Frau Edith Leusche, die letzte Tochter aus der Familie Göbel, zur Verfügung gestellt hat.

Göbelmühle, Schönau Nr. 186, Aufnahme um 1940 (Fotosammlung Leusche, Meerane)

Haustür mit Inschrift im Türsturz von 1846 (Aufnahme M. Turyna VS)
