Die Fabrikantenfamilie Dominik Liebisch und ihr Wirken in Schönau a.d.b.N.
Schönau Nr. 307 und die Fabrikantenfamilie Dominik Liebisch
Hier hatte der bekannte Schönauer Leinwanderzeuger Dominik Liebisch seine Produktionsstätte. Sein Vater war Bauer in Kunersdorf b. Schluckenau, wo Dominik am 5. März 1796 geboren wurde. Er heiratete 1823 in Schönau Apollonia Hesse aus Schönau Nr. 4331, eine Weberstochter, und war dann über viele Jahre hinweg selbst Weber und lebte in Schönau Nr. 281. Im Jahr 1835 kaufte er von Anton Ernst [ein Immobilienhändler?] Haus Nr. 307, zu der eine kleine sogenannte Gartennahrung gehörte. Ab spätestens 1839 wird er Handelsmann genannt. Bald darauf muß er seine Firma gegründet haben, so war er 1848 Leinwandproduzent, als in jenem Revolutionsjahr aufgebrachte Weber an der Hainspacher Bierbrücke bei Schönau einen Handelswagen erstürmten, der große Ladungen des aus England stammenden sog. Maschinengarn transportierte, und dasselbe auf freiem Felde verbrannten. Robert Lahmer berichtet in seiner Chronik von Schluckenau, dass die Weber anschließend zum Leinwandfabrikanten Dominik Liebisch nach Schönau gingen, um auch dort Maschinengarn zu suchen, dort aber nichts fanden. Diese Geschichte findet sich auch in dem kleinen Heft zur Enthüllung des Schönauer Kriegerdenkmals im Jahr 1930. Dieses Heft zitiert auch mehrfach aus den Denkwürdigen Vorfällen, einer Sammlung von geschichtlichen Aufzeichnungen zur Schönauer Geschichte von eben diesem Dominik Liebisch, der somit auch zu einer interessanten Geschichtsquelle geworden ist. Leider ist mir nicht bekannt, ob sich irgendwo die gesamte Schrift von Dominik Liebisch erhalten hat.
Dominik Liebisch hatte mit der Herstellung von Leinentextilien in Schönau gewissermaßen eine Auslauftechnologie bedient, haben doch alle anderen Textil herstellende Firmen jener Zeit statt dessen schon Baumwolle verarbeitet.
Bleibende Verdienste hat sich Dominik Liebisch erworben, als er im Jahr 1858 die Renovierung der barocken Skulpturengruppe um St. Johannes Nepomuk in Schönau veranlasste. Das Nepomuk-Denkmal steht heute bei der Kirche. Die Inschrift auf der Rückseite erinnert heute noch an das Engagement von Dominik Liebisch.
Dominik Liebisch ist 1869 im Alter von 73 Jahren als Leinwandfabrikant und Ausgedinge in Schönau Nr. 307 verstorben. Sein Grabstein findet sich heute noch auf dem alten Friedhof bei der Schönauer Kirche (Bild 2). Vermutlich ist mit seinem Tode die Leinwandproduktion zum Erliegen gekommen. Keiner seiner Söhne hat diese Firma weitergeführt. Das Grundstück übernahm zunächst der Schwiegersohn und Steinmetz Ferdinand Kindermann, und nach dessen Tod der Sohn Josef Ferdinand, der das Anwesen nach seinen Bedürfnissen umbaute (siehe Beitrag Familie Kindermann in Schönau 307).
Nur ein einziges Mal, bei der Hochzeit seines gleichnamigen Sohnes im Jahr 1861, und sonst nicht wieder, wird auch die Nr. 325 als Stätte der Leinwandfabrik genannt.
Die Fabrikantenfamilie Liebisch und das Anwesen Schönau Nr. 325
In Schönau Nr. 325 wohnte seit seiner Hochzeit der zweitgeborene Sohn von Dominik Liebisch gleichen Namens, der zur Unterscheidung von seinem Vater der jn. genannt sein soll. Dominik Liebisch jn. war ebenfalls Industrieller und ist spätestens ab 1890 Wasch-Knopffabrikant in Schönau Nr. 325.
Aus der Hand von Dominik Liebisch jn liegt ein handschriftlicher Bericht zur Firmengeschichte vor, die in der Schönauer Turmknopfurkunde aufbewahrt wurde. Demnach hat Domini Liebisch jn. das Geschäft der Rumburger Weber Erzeugung im Jahr 1868 vom Vater übernommen. Die Anzahl der Beschäftigten war rückläufig: bia 1874 40-45 Weber, 1875-1876 20 Weber, 1877 nur 12 und 1878 nur noch 5 Beschäftgte. In jenem Jahr fing Dominik Liebisch das Gerschäft der Knopferzeugung von Leinwand …[schwer lesbar] an und beschäfttigte gegenwärtig [1878] damit Herrn Josef Müller aus Schönau als Werkführer und 8 Mädchen, geschrieben Schönau am 7. September 1878.
Dieser Firma war keine lange Existenz beschieden. Als Dominik Liebisch jn. 1900 in Prag im Alter von 66 Jahren starb, waren drei seiner Söhne bereits verstorben. Der vierte Sohn, Josef, verstarb kurz darauf ebenfalls. Den Hof Nr. 325 übernahm später die Nichte Anna, welche im Jahr 1900 den Stefan Hille aus der Landwirtschaft Schönau Nr. 163 geheiratet hatte. Diese Familie Hille, gen. Gleorche oder auch Klejörge, blieb dann bis zur Vertreibung 1945 auf diesem Hof.
Der spätere Knopffabrikant Heinrich Wünsche, Nachmittags Angestellter in der Firma von Dominik Liebisch, erwarb am 01.01.1900 die Knopffabrik. Er führte die Produktion weiter, bis um 1903/04 an der Hauptstraße mit den Häusern Nr. 422 und Nr. 423 ein neuer Firmensitz errichtet wurde.
Eine der wenige Spuren, die die Knopffabrik von Dominik Liebisch jn. hinterlassen hat, ist die Notiz, dass der junge Franz Josef Müller, der spätere Nickel-Müller von Groß Schönau, zu jener Zeit Werkmeister beim Knopffabrikanten Dominik Liebisch in Schönau Nr. 325, wohl noch vor 1883 in einem Gewölbe eben dieses Grundstückes seine ersten Versuche zur Oberflächenveredelung von Metallblechen unternommen haben soll.
Literatur
Robert Lahmer, Chronik der Stadt Schluckenau. Schluckenau 1889, S. 154 (Bericht über die Maschinengarnverbrennung an der Bierbrücke im Jahr 1848)
Gedenkschrift anläßlich der Kriegerdenkmal-Enthüllung und des Heimatfestes in Groß Schönau v. 12. Bis 14. Juli 1930. Rumburg 1930, mit Auszügen aus den „Denkwürdigen Vorfällen“
Erhard Marschner, Franz Josef Müller, in W. Pfeifer, Der Heimatkreis Schluckenau, Kempten 1977, S. 183.

Grabstein Liebisch auf dem historischen Kirchfriedhof von Groß Schönau

Grabstein der Eheleute Liebisch, sowie vom Sohn August Liebisch.

Schönau Nr. 307, nach den umfangreichen Umbauten 1937

Inschrift auf der Rückseite des Nepomukdenkmals bei der Kirche von Groß Schönau mit dem Namen von Dominik Liebisch

Musterkärtchen der Fa. Dominik Liebisch in Schönau (1878)

handschriftliche Firmengeschichte von Dominik Liebisch jn. (1878)