Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Die Bänderweberei von Franz-Josef Müller in Niederschönau Nr. 161

Frau Margarethe Müller, Ebersbach, zum Gedenken.

Neben verschiedenen relativ großen Firmen zur industriellen Erzeugung von Bandwaren gab es in Groß Schönau einige kleinere Betriebe, die eher engere Familienbetriebe waren. Heute soll die kleine Bänderweberei von Franz-Josef Müller in Niederschönau Nr. 161 vorgestellt werden.

Franz-Josef Müller, der Gründer der Bandweberei Müller, entstammte einer alt eingesessenen Familie von Bandwebern in Niederschönau. Am 08.02.1784 erwarb der Urgroßvater von Franz-Josef Müller gleichen Namens das Auhaus H 148 von Johann Christoph Hille. Das Auhaus liegt zwischen den Auhäusern von Josef Hentschel und Franz Müller (später Nr. 167) und trägt seit der Hausnummerierung im Jahr 1771 die Nr. 161. Zum Haus gehörte ein zwei Fleckel großer Garten, die Parzellen-Nummer lautete 319. Durch das Grundstück floß der Mühlgraben von Niederschönau. Im Norden grenzte das Flurstück an den Dorfbach.

Franz-Josef Müller wurde im Jahr 1879 in Hainspach geboren, da sein Vater spätestens ab 1875 Werkführer in Hainspach Nr. 123 war. Dabei handelt es sich um die alte Ziegelmühle. Hier hatte die überregional bedeutende Bänderfabrik von Hille & Hampel ihren Hainspacher Firmensitz und hier produzierte sie auch. Die Beziehung des Vaters zur Bänderfabrik von Hille & Hampel läßt sich bereits auf dessen Hochzeit 1871 aufzeigen, bei der der Fabrikantensohn Josef Hille Trauzeuge war.

Franz-Josef Müller heiratete im Jahr 1907 Marie Hille aus der Landwirtschaft Nr. 163 in Niederschönau „Gleorche“ und war 1909, dem Jahr der Geburt seines Sohnes Franz, Vorarbeiter und Bandweber in Schönau Nr. 161. Bei welcher Firma er tätig war, ist leider nicht bekannt. Die Bandweberei von Franz-Josef Müller muß vor dem 28.04.1911 gegründet worden sein. Mit diesem Datum beantragte Franz-Josef Müller nämlich beim „löblichen Gemeindeamt“ von Schönau die Baugenehmigung für einen Abeitsraum auf Parzelle 319/2 in unmittelbarer Nähe zu seinem Wohnhaus Schönau Nr. 161. Zum Bauantrag gehört eine Bauzeichnung, erstellt vom Architekten und Baumeister Franz König aus Schluckenau, und ein Lageplan. Die Baugenehmigung zur Errichtung des Arbeitsraumes wurde am 08.06.1911 erteilt. Die Genehmigung zur Inbetriebnahme schließlich datiert vom 26.06.1912. Interessant in diesem Zusammenhang sind einige modern anmutende Hinweise und Bedingungen zum Arbeitsschutz und dergleichen. Über die hergestellten Produkte selbst ist leider nichts bekannt. Auch sind offenbar keine Erzeugnisse erhalten geblieben.

Die Bandweberei von Franz Josef Müller bestand aus einer kleinen Halle, dem Arbeitsraum zur Erzeugung von Bandwaren. Die Halle hatte eine Größe von 12,50 m x 9,90 m bei einer lichten Höhe von 3,80 m. An den Längstseiten waren jeweils 4 Fenster eingebaut. Im Raum standen 4 Webstühle. Als Antrieb für die Maschinen diente ein Elektromotor. Eine ursprünglich geplante Abortanlage für Männer und Frauen wurde aus mir nicht bekannten Gründen letztlich nicht errichtet. Möglicherweise verzichtete man auf den Anbau, da nur engere Familienangehörige in der Firma arbeiteten und die Toilette im Wohnhaus Nr. 161 benutzt werden konnte.

Die Firma war nicht groß, eher ein Familienbetrieb. Margarethe Müller erzählte mir seinerzeit, dass anfangs zusätzlich zu den Familienangehörigen 3 weitere Leute in der Firma arbeiteten. Vom Inneren des Arbeitsraumes gibt es ein Foto, es zeigt den Schwiegersohn von Franz-Josef Müller, Johann Wilde, offenbar bei Versandarbeiten. Im Hintergrund sieht mal ein mehrteiliges Fassettenfenster, so ein Fenster ist auch auf der Bauzeichnung zu erkennen.

Franz-Josef Müller wurde als Fachkraft zunächst nicht ausgewiesen. Er starb 68 jährig 1947 in Ebersbach, seine Frau 20 Jahre später. Wie lange die Firma von Franz-Josef Müller existierte, ist nicht bekannt. Auf einem Luftbild des Jahres 1950 ist das Werkstattgebäude noch zu sehen, bzw. zu erahnen. Auf dem Luftbild von 1953 ist es schon nicht mehr vorhanden. Heute stehen auf dem Grundstück neuzeitliche Industriegebäude.

Franz Josef Müller (1879-1947), Bändererzeuger in Schönau Nr. 161

Bänderweberei Schönau 161, Bauzeichnung, Lageplan und Schnittzeichnungen aus der Bauakte von 1911 [Archiv Decin]

im Arbeitsraum der Bandweberei, Johann Wilde, Schwiegersohn von Franz Josef Müller, [Familienarchiv K. Wilde]