
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Schönau eine Reihe bedeutender Knopfproduzenten. Unten diesen spielte der Gemeinde-Vorsteher und Kaufmann Josef Schams eine nicht ganz unwichtige Rolle. Ihm seien diese Zeilen gewidmet.
Zu den frühesten Bewohnern des Hauses Schönau Nr. 132 habe ich bereits an anderer Stelle berichtet. Bis um 1865 war Eigentümer der Wagner-Hofmann. Nach einem Brand in jener Zeit begann ein Neuanfang für das Haus, als Josef Schams 1867 die Brandstelle erwarb und darauf ein neues und größeres Haus errichtete.
Der Kaufmann Josef Schams stammte aus Rumburg, wo er am 10.08.1840 als Sohn von Wenzel Schams, einem Lohgerbermeister in Rumburg Nr. 162, und dessen Frau Eleonora geboren wurde. 1862 heiratete er in Schönau Anna Maria Müller, eine Tochter von Lorenz Müller, zu jener Zeit noch Bandweber, später dann jedoch Band- und Knopffabrikant in Nieder-Schönau Nr. 167. Josef Schams lebte die ersten Schönauer Jahre in Nr. 317, einem Haus von Carl Philipp Menzel, dem bekanntesten Handelsmann und Unternehmer in Schönau jener Zeit. In Schönau Nr. 317 wurden auch die ersten beiden Kinder der Eheleute Schams geboren, die allerdings bereits im Kleinkindalter verstarben. Nach dem Umzug in Haus Nr. 132 folgten die Geburten von drei weiteren Kindern.
Josef Schams war nicht nur Handelsmann sondern darüber hinaus auch unternehmerisch tätig. In einer alten Chronik wird berichtet, dass er in Nr. 132 zunächst einen Kaufladen und dann auch ein Wirtshaus einrichtete. Für 1867 ist z. B. ein Weinhaus Josef Schams erwähnt. 1869 wird er Gemischtwarenhändler genannt. Bald darauf muß er mit Hornarbeiten begonnen haben. Zunächst wurden Horndrückel erzeugt, dann auch Fenstergriffen, etc. Da dies wirtschaftlich offenbar nicht so gut funktionierte, sattelte er um auf die Produktion von Knöpfen aus Büffelhörnern und wurde ein Knopffabrikant, von denen es in Schönau der damaligen Zeit ja einige weitere gab, darunter sein Schwiegervater Lorenz Müller in Nieder-Schönau Nr. 167. Schönau Nr. 132 verfügte im Nordflügel über einen werkstattmäßigen Anbau, in dem offenbar im Obergeschoß die Hornknopffabrikation angesiedelt war. Aus dem Jahr 1878 liegt ein Werbeblatt der Firma vor, auf dem auch das Firmengebäude abgebildet wurde. Zum Werbeblatt gehörte auch die auf einer weiteren Abbildung dargestellte Produktionspalette. Im Jahr 1892 erwarb Josef Schams von Josef & Johann Dittrich, Holzspulenerzeuger in Leopoldsruh, deren Fabrikgebäude Leopoldsruh Nr. 22. Zwei Jahre später begann sein Schwiegersohn Franz Josef Frenzel dort mit der Erzeugung der Taschenmesser.
Für 1897 wird berichtet, dass die Fa. Schams auch nach Deutschland, Frankreich, England und Amerika exportierte.

Josef Schams war auch politisch aktiv. So war er 1874 Geschworerener am Kreisgericht Böhmisch-Leipa. 1879 wurde er zum Gemeindevorsteher in Schönau gewählt, als welcher er bis 1884 tätig war. In dieser Funktion bedankte sich Josef Schams z. B. 1880 bei den löblichen freiwilligen Feuerwehren von Hainspach, Nixdorf, Wölmsdorf und Schönau für den schnellen Einsatz betreffs eines am 25 Juli d. J. ausgebrochenen Schadenfeuers.

Beispiele aus der Produktionspalette
Wie lange die Firma Schams existierte, ist bislang nicht bekannt. Josef Schams starb 1912 im Alter von 72 Jahren. Die Witwe Anna Schams blieb weiterhin im Hause wohnen. Im Jahr 1921 gab es im Obergeschoß des Anbaus einen Arbeitsraum mit 7 Knopfmaschinen und einem 3 PS-Elektromotor; im Erdgeschoß dagegen gab es eine Maschinen- und Bauschlosserwerkstatt. Eigentümer von beidem war die Firma Schicktanz-Hesse-Grohmann, von denen die Familie Schicktanz zu jener Zeit ebenfalls in Nr. 132 wohnte. Das Wohnhaus gehörte da bereits dem Schwiegersohn von Josef Schams, Franz Josef Frenzel, Messerfabrikant in Leopoldsruh Nr. 22, der 1894 die Schams-Tochter Maria geheiratet hatte. Franz Josef Frenzel starb 1946 in Nr. 132 im Alter von 85 Jahren.

Schönau Nr. 132, links im Hintergrund das Werksgebäude der Fa. Wünsche Nr. 422



Fotos Slg. Turyna, VS