Die Flur
Schönau Nr. 123 steht auf einem Grundstück, das zu einer kleinen Landwirtschaft gehört, einer sogenannten Gartennahrung, welche nach einer alten Zählung die Bezeichnung G 8 trägt. Es gehörte zu einer kleinen Gruppe von Landwirtschaften, die Erb-Drescher genannt wurden und in der Regel viel kleiner waren, als die übrigen Gartennahrungen. Der Flurstreifen war jedoch ähnlich den bäuerlichen Fluren wie eine Waldhufenflur ausgebildet. Beginnend am landwirtschaftlichen Hof erstreckten sich die Felder und Wiesen in einem geschlossenen Streifen bis hin zum Wald. Der Flurstreifen ist heute nur mäßig gut zu rekonstruieren. Rechts grenzte die Flur an die sogenannten Folgewiesen, die seit dem 16. Jhd. dem Pfarrbauer gehörten und ebenfalls wie ein landwirtschaftlicher Flurstreifen wirkte. An der linken, westlichen Seite schloß sich direkt der nächste Flurstreifen eines Erbdreschers an (G 9, Nr. 125). Der Flurstreifen war laut familiärer Aussage ca. 3 ha groß. Er umfasste ursprünglich Äcker und Wiesen. Wald gehörte nicht dazu. Die Flurstücksnummer lautete 536/1.

Haus Nr. 123 und der schmale Flurstreifen Göbel, bearbeitet nach einer Vorlage https://ags.cuzk.cz/archiv/
Der Flurstreifen endete am sogenannten Damm. Hier begannen die Fluren von Klein Schönau. Entlang der Grenze zu Altgrafenwalde floss ein Bach, der in letzter Zeit auch ein Wasserbassin speiste. Der zum Grundstück gehörende Flurstreifen erstreckte sich auch noch etwas in die Flur von Kleinschönau hinein. Unklar ist, ob diese Flächen auch der Familie Göbel gehörten.
Die Vorbesitzer
Älteste bekannte Besitzer der Wirtschaft war im Jahr 1574 Nicol Mey, weitere Namen, die in jenem Urbar genannt wurden, sind Marten Frenzel / Liebisch. 1654 wird Johann Herrin genannt. 1668 Tritt Mathes Endler auf. Dann erscheint im Urbar von 1677 die Familie Fischer, die die folgenden 100 Jahre diesen Hof bewirtschaften wird.
Stammvater der Familie war Christoph Fischer, welcher um 1635 geboren wurde. Am 06. Januar 1655 heiratete er und bekam von 1656 bis 1667 sechs Kinder. Da war er noch Häusler in Oberschönau H5. 1698 starb er mit 63 Jahren als Gärtner. Sein Sohn Georg, 1656 geboren, heiratete 1701 Maria Hülle. Deren Sohn Georg heiratete 1726 die Häuslertochter Anna Möller. 1728 erwarb er vor den Gnädigen Obrigkeitlichen Gerichten von seinem Vater einen kleinen Erbdrescher Garten. Bei dieser Gelegenheit wird auch kurz die Lage der Gartennahrung beschrieben: Das Grundstück grenzte an des Hans Christoph Grohmanns Erbdrescher Gärtel [Nr. 125] und an die sog. Folgewiese des Pfarrbauern Georg Hille, sowie an die Obrigkeits Vorwerk Felder. Dem Paar wurden 5 Kinder geboren, darunter 1732 die Tochter Anna Elisabeth. Ihr Ehemann Hans Anton Kindermann erwarb 1764 den Garten vom verstorbenen Schwiegervater Georg Fischer und verkaufte ihn dann selbst 1801 an seinen künftigen Schwiegersohn Joseph Hille, ein Bauernsohn, der aus der Landwirtschaft Nr. 113 in Schönau stammte „Müller-Bauer“. Von diesem erwarb den Garten dann schließlich, auch hier wieder vom künftigen Schwiegervater, am 21. April 1837 der aus Stolpen in Sachsen stammende Carl Göbel. Bei dieser Gelegenheit wurde die Größe des Grundstücks angegeben: 1 Joch 887 Klafter der Acker und 1590 Klafter die Wiese, das sind 0,895 ha Acker und 0,576 ha Wiese, sind somit ca. 1,471 ha Gesamtfläche. Einen Monat später, am 15.05.1837, heirateten Carl Traugott Göbel und Agnes Hille.
Ein Bild von Schönau Nr. 123

Schönau Nr. 123, vor dem Umbau 1911, Slg. Marschner, Greußen
Durch glückliche Umstände ist ein Foto von dem alten Anwesen Schönau Nr. 123 erhalten geblieben. Man erkennt ein eingeschossiges strohgedecktes Haus. Die rechte Gebäudehälfte ist massiv ausgeführt und die linke in Blockbohlenbauweise, ganz links der Stall. Im Dachgeschoss eine Bodenkammer mit Schleppdach. Zwischen den Fenstern der Wohnstube war eine Niesche eingefügt, offenbar mit einem Heiligenbild darin. Ob die Wohnstube und die Küche ehedem auch in Blockbohlenbauweise, also in Form eines Umgebindebaus, ausgeführt waren, ist nicht mehr zu entscheiden. Im Küchenbereich war das Haus mit einem Gewölbe unterkellert.
Der Umbau im Jahr 1911
1910 starb Helene, die Frau von August Göbel (I), der daraufhin nach Leopoldsruh 5 zog, wo er 1921 nebst zweiter Gattin und Sohn Karl lebte. Das Haus Nr. 123 übernahm der älteste Sohn August (II). Vermutlich im selben Jahr 1911 ist das Haus zum großen Teil abgetragen worden. Nur die massive Wohnstube und die Küche blieben erhalten und wurden im Neubau Nr. 123 integriert. Architekt und Baumeister war Franz König aus Schluckenau. Der Bauantrag aus jener Zeit ist erhalten geblieben und mit ihm die beigefügten Bauzeichnungen. Über der Tür wurde ein Monogramm angebracht: A.G.

Planunterlagen zum Neubau von Schönau Nr. 123, Archiv Decin
1921 wohnten in diesem Haus zwei Wohnparteien; Ehepaar Heine und August Göbel (II) mit Frau und drei Kindern. 1927 wurde noch ein kleiner Stall an das Haus angebaut. Des weiteren gab es schon immer ein separates Scheunengebäude, das auf mehreren Fotos jener Zeit zu sehen ist.


Letzte Bewohner des Hauses waren 1945 der Tischlermeister Karl Göbel, jüngster Sohn von August Göbel I, nebst Frau und Tochter. Zudem wohnte das Ehepaar Wenzel nebst zwei Kindern hier.
Die weitere Familiengeschichte Göbel wird in einem separaten Beitrag dargestellt.