
Groß Schönau Nr. 37, das Bauerngut Schneiders-Lies. Slg H. Strobach, Sonthofen,
Hans und Isolde aus Groß Schönau Nr. 37 zum Gedenken.
Zu den interessantesten und überaus ertragreichen Objekten in der Heimatforschung gehören sicherlich die allseits in unseren Dörfern überlieferten Hofnamen, ist ihnen zuweilen doch manch alte geschichtliche Erinnerung zueigen. Der heutige Exkurs führt in eine Zeit, in der die Leute oft nicht nur bei ihrem Namen genannt wurden, sondern wohl ebenso häufig mit ihren Spitz- und Hofnamen.
Neben den primär lagebezogenen Hofnamen, wie (hier einmal vor allem auf Groß Schönau bezogen) z. B. Ober-Bauer, also der „oberste“ Bauer des Dorfes (hier Nr. 77) oder „Botzen-Hofmann“, also der Hofmann-Bauer, dessen Felder am Botzen liegen (Nr. 88), gibt es solche, die zur direkten Unterscheidung gleichnamiger Bauernfamilien dienen: wie Ober-Lieb‘sch (Nr. 85) und Nieder-Lieb‘sch (Nr. 216); hier gehört auch noch Patzer-Lieb‘sch (Nr. 42) hinzu. Dann gibt es jedoch Hofnamen, deren Herkunft sich nicht gleich erschließt. Zuletzt hatte ich z. B. versucht, den Hofnamen „Salen-Hons“ zu deuten (Nr. 108).
Der Name „Schneiderslies“ war über Jahrhunderte hinweg mit dem Hof Nr. 37 verbunden, eine Wirtschaft, die zwischen den Bauerngütern Nr. 19 „Fisch-Bauer“ und Nr. 41 „Fut-Ramsch“ zu finden war. Als Wirtschaftsfläche habe ich 25 ha ermittelt, darunter fast 8 ha Wald, der letztlich bis an die sächsische Grenze reichte.
Seit 1738 wirtschaftete hier die Familie Strobach, zuvor eine Familie Marschner, davor eine Familie Hille. Auf der Suche nach Spuren, die helfen könnten, den Hofnamen Schneiderslies zu deuten, bin ich weit in die Geschichte dieser Familien zurück gegangen. Hilfreich waren dabei wieder wie gehabt insbesondere die Kirchenbücher, die das Leitmeritzer Archiv dankenswerter Weise online zur Verfügung stellt.
Nachdem im 17. Jahrhundert durchgehend eine Familie Hille als Besitzer des Hofes ermittelt werden konnte, taucht zu Beginn des 18. Jahrhunderts Hans Marschner als Ober-Bauer auf. Dieser war 1677 bei der Geburt seines 1. Kindes noch Häusler. Bauer wird er zuerst 1702 genannt, da war er allerdings schon 57 Jahre alt. Wann also Hans Marschner die Wirtschaft Nr. 37 tatsächlich übernahm, kann nicht mehr ermittelt werden. Nachfolger ist sein im Jahr 1687 geborener jüngster Sohn Elias. Dieser hatte im Jahr 1709 geheiratet, seine Frau Elisabeth starb allerding schon 1724 im Kindsbett. Elias heiratete erneut und zwar die Anna Maria, eine Tochter von Christoph Hille, ein Bauer aus Schönau Nr. 299 mit dem damaligen schönen Hofnamen: „Wirth-Hans-Christel“. Diese Anna Maria wurde nun im Jahr 1738 plötzlich selbst Witwe. Ihr Mann, Bauer Elias Marschner, hinterließ ihr 5 Kinder erster Ehe und weitere 5 Kinder aus der gemeinsamen Ehe. Was soll eine Frau jener Zeit mit 10 unmündigen Kindern tun ? Wir ahnen es: selber ein weiteres Mal heiraten. Nun kommen wir der Erklärung des Namens schon etwas näher. Dazu müssen wir noch einmal zu ihrem längst verstorbenen Schwiegervater Hans Marschner zurückkehren. In den Kirchenbüchern, er starb 1728, wurde er letztlich nur der „Ober-Bauer“ genannt. Spitz- oder Hofnamen waren in den Kirchenbüchern jener Zeit äußerst spärlich gesät. Sein Sohn Elias jedoch wird im Kirchenbuch 1738 anläßlich seines Todes „Matzen Schneiders Elias“ genannt. Eine Deutung der ersten beiden Namen ist schwierig. Matz kann auf den Nach-Namen Maatz oder den Vor-Namen Matthäus zurückgeführt werden. Schneider ist in diesem Fall eher eine Berufsbezeichnung. Hans Marschner wäre damit vielleicht der „Matzen Schneider“ gewesen. Sein zweitjüngster Sohn Hans trug übrigends zusätzlich den Namen „Matzen Schmiedel Hans“.

Übersicht zur den Hochzeiten der Familien „Marschner – Hille – Strobach“
Als die erwähnte junge Witwe Anna Maria Marschner nun ihrerseits ein zweites Mal heiratete, und zwar den Witwer Zacharias Hille, genannt „Schmiedel“, ein Häusler aus Oberschönau, und am 16.08.1742 ihre Tochter Anna Maria taufen ließ, fügte der Kirchenbuchführer beim Vater Zacharias Hille die Anmerkung bei, dass dieser jener sei, „welcher die Schneiders Eliassen hat“. Aus dieser Formulierung ist nun unschwer der spätere Hofnamen „Schneiders ‘lies“ entstanden, der mit dem Hof bis 1945 verbunden blieb.
Die Landwirtschaft Schönau Nr. 37
Aus der Liehchronik wird berichtet:
1813 war auch eine Schlacht bei Bautzen gewesen. Es sind in Schönau sehr viele Gewehre, die sollen von der Schlacht bei Bautzen herrühren. 1813 war in Schönau ein Brand ausgebrochen, bei grossem Sturm. Der Bauer Pietschmann in Oberschönau hatte Flachs im Backofen gedorrt. Der war zum Brennen gekommen. Da brannten 13 Häuser ab, darunter 3 Bauern. Strobach, Hille Philipp und Anton Liebisch. Liebisch hat sein Bauernhaus über die Strasse hinausgebaut, die andern zwei sind auf dem alten Platz.

Flurstreifen zur Landwirtschaft Schönau 37 (Norden rechts; links das Gehöft)

Rekonstruktion der Flurstücksgrößen zum Wirtschaftsstreifen der Landwirtschaft Schönau Nr. 37 „Schneiders-Lies“

links, etwas verdeckt vom Haus des Opitz-Tischlers, das Bauernhaus Schönau Nr. 37, im Hintergrund die Wirtschaft Schönau Nr. 41, Fut-Ramsch

Vor dem Eingang, v. links: Mutter Veronika Strobach, Marie Hille, Schwester von Joseph Strobach, ihre Töchter Marria und Christa, rechts Joseph Strobach, Bauer (Slg. H. Strobach)

Veronika Strobach mit einer Enkeltochter Hille

Veronika Strobach 1936, das Auto ist geschmückt für eine Tauffahrt und steht vor dem Bauernhaus Schönau Nr. 37

1923 wurde die Scheune neu errichtet, Archiv Decin.

Skizze, Grundriß des Bauernhauses Schönau Nr. 37 „Schneiders-Lies“ von H. Strobach, Sonthofen