Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Der Damm von Kleinschönau

Frau Dorothea Christ, geb. Schierz aus Kleinschönau 43, zum Gedenken.

Wenn man von Groß Schönau auf der Zeidler Straße nach Süden fährt, passiert man auf der linken Straßenseite einige Häuser, die wohl erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts oder noch später erbaut wurden. Zwischen den Häusern mit den Nr. 505 und 518 biegt links ein unbefestigter Weg nach Kleinschönau ab, der in einem weiten Bogen vorbei am Haus Nr. 504 bis schließlich zur Ortsstraße von Kleinschönau führt. Auf Höhe des erwähnten Hauses Nr. 504 biegt links wieder ein ebenfalls weit gebogener Weg ab, an dem einige schon sehr alte Häuser von Kleinschönau stehen.

Dieser Weg, beginnend an der Zeidler Straße bis zur Nr. 504, wurde im Volksmund „Damm“ genannt. Er bildete über Jahrhunderte hinweg die Gemarkungsgrenze zwischen Schönau und Grafenwalde.

Der Name Damm überrascht insofern, da man mit Damm eigentlich entweder ein etwas größeres Gewässer oder auch eine Eisenbahn (wie z. B. in Niederschönau) verbindet. Beides sucht man hier allerdings vergeblich.

Um eine plausible Erklärung für diesen Damm zu finden, muss man ein wenig in die Geschichte von Kleinschönau zurückblicken. Vor ca. 200 Jahren sahen unsere dörflichen Fluren in einem bestimmten Punkt völlig anders aus und unterschieden sich sehr von dem, wie unsere Eltern und Großeltern die Fluren erlebten. In allen Gemarkungen gab es zahlreiche und teilweise sehr ausgedehnte Teiche. Schaut man sich alte Karten an, so erkennt man in den Fluren große, oftmals aneinander gereihte, teilweise wie Kaskaden wirkende Teiche. Diese Teiche dienten nicht als Wasserreservoire von Wasser- oder Brettmühlen, sondern dienten wohl stets der Fischzucht. Über die Besitzverhältnisse konnte ich bislang wenig herausfinden, jedoch ist anzunehmen, dass sie herrschaftlichen Eigentums waren. Sicher gab es auch Privatteiche, wie der in einer alten Karten von Schönau aus dem 18. Jahrhundert eingetragene große „Lipsche Teich“ vermuten lässt. Der lag zwar auf der Flur des Schönauer „Patzer-Liebschen“-Bauerngutes und hat von diesem wohl auch seinen Namen bekommen. Hundert Jahre später wird als Eigentümer des ehemaligen Teiches jedoch das Dominum Hainspach, also die Hainspacher Herrschaft, genannt. Der in Groß Schönau und weit darüber hinaus gut bekannte „Schwarze Teich“ von Leopoldsruh ist der letzte erhaltene große Teich dieser Art in der Schönauer Feldflur.

In dem oben geschilderten Areal, also in der von der Zeidler Straße, dem Damm und der Kleinschönauer Ortsstraße eingerahmten Fläche, gab es nun im 18. Jahrhundert ebenfalls einen dieser großen Teiche. Wie lange er bestand, ist mir leider nicht bekannt. In der anschließenden Zeit der Siedlungsverdichtung von Leopoldsruh und Kleinschönau wurde diese Fläche wohl aus verständlichem Grunde stets ausgespart. In einer anderen alten Karte des 19. Jahrhunderts findet sich hier der Flurname „Forbricht“.

Unterhalb des Dammes gab es, bereits auf Schönauer Flur, weitere kleine Teiche, von denen sich jedoch noch weniger Spuren erhalten haben.

Ausschnitt aus dem Landkartenblatt Nr. 4 der 1. Josephinischen Militäraufnahme, in der Mitte der Kleinschönauer Teich

Der Kleinschönauer Teich wurde im Übrigen durch ein kleines Gewässer gespeist, das aus dem großen, zwischen Kleinschönau und Johannesberg gelegenen Waldgebiet kam, und dessen Bachlauf sich noch in den 50iger Jahres des 20. Jahrhunderts in einem Luftbild schwach abzeichnete. Ob dieser Verlauf auch noch durch eine gewisse erhöhte Bodennässe ausgeprägt war, vermögen wohl nur noch die letzten ehemaligen Bewohner von Kleinschönau zu sagen. Als einziger verbliebener Zeuge dieses großen Teiches ist jedoch der sogenannte Damm von Kleinschönau bis in unsere Zeit erhalten geblieben.

Kleinschönau – Der Damm heute – die leichte Erhebung des Weges ist noch zu erkennen (google street).