Alfred Richter, Schweden, in dankbarer Erinnerung.

Gasthaus Teichrichter, Leopoldsruh Nr. 46 (1939) davor Hermann Richter und sein Sohn Josef Richter sowie dessen Familie.
Dieses weit über die Gemeindegrenze von Groß Schönau hinweg bekannte Gasthaus war das einzige Gasthaus in Leopoldsruh. Die Gaststube befand sich im Erdgeschoß in der sogenannten Bohlenstube. Es gab 6 Tische mit je 4 Stühlen.
Das Haus war eins der für diese Gegend so typischen Umgebindehäuser und lag vis-a-vis vom Damm des Schwarzen Teiches in Leopoldsruh. Es muss am Ende des 18. Jahrhunderts, aber nach 1794, errichtet worden sein und gehört damit zur jüngeren Siedlungsphase von Leopoldsruh, gemeinsam mit den anderen Gebäuden, die direkt entlang des Schwarzen Teiches errichtet wurden. Über die frühen Bewohner ist nur wenig bekannt. Erste Bewohner war eine Familie Anton Schmied, die bis 1820 nachweisbar ist. Zu dieser Zeit (1820) lebt hier auch die Familie Franz Hesse mit vier Töchtern. 1835 taucht das Haus erstmals in den Grundbüchern auf als Johann Frenzel das Haus vom Nachlaßverwalter Augustin Marschner erwirbt. Ab 1840 ist hier eine Familie Hille fassbar, wobei der Hausherr zumeist als Bandweber tätig war.
Erster Gastwirt in Leopoldsruh Nr. 46 war Karl Hille, der hier zunächst ebenfalls als Bandweber wirkte und bei der Geburt seines Sohnes Johann 1881 das erste Mal Schankwirt genannt wurde. Wir dürfen damit die Gründung der Gastwirtschaft auf nur wenige Jahre zuvor ansetzen. Ab 1893 ist Karl Hille dann Gastwirt in Leopoldsruh Nr. 46. Als er und seine Frau beide im Jahr 1899 starben, hinterließen sie drei minderjährige Kinder, über deren Verbleib ich nichts erfahren konnte.
Im Jahr 1900, ein Jahr nach dem Tod der beiden letzten Besitzer, erwarb Hermann Richter, bis dahin Strumpfwirker in Nixdorf Nr. 204, das Gebäude. Zwischen 1905 und 1915 errichtete er rechts vom Gasthaus in Richtung Nr. 47 eine Laube und hinter dem Gebäude eine Kegelbahn, beides mit Ausschank, welche jedoch nur im Sommer geöffnet waren. In Haus Nr. 46 befanden sich zudem auch ein Kolonialwarengeschäft und eine Tabaktrafik, welche von den Frauen der Familie betrieben wurden. Über viele Jahre hinweg bewirtschaftete Herrmann Richter auch das Ausflugslokal am Lilienteich unterhalb von Leopoldsruh.
Der Gastwirt Herrmann Richter hatte aus verschiedenen Ehen 3 Söhne. Der älteste Sohn Herrmann, geb. 1891, hatte beim Metzner-Fleischer in Groß Schönau das Fleischerhandwerk erlernt und kam auf der anschließenden Wanderschaft bis nach Hamburg und Rügen. Schließlich gründete er in Gablonz und dann in Maffersdorf eine Fleischerei. Alfred, der zweite Sohn, war Bandweber zuerst bei Hossner und später bei August-Göbels-Söhne, beides in Groß Schönau, und lebte zunächst jedoch in Nixdorf. Josef, der dritte Sohn von Herrmann Richter, erlernte auch das Fleischerhandwerk und übernahm später vom Vater den Gaststättenbetrieb. Als er 1941 als Soldat in den II. Weltkrieg einrücken musste, wurde das Gasthaus geschlossen. Nach dem Tod von Herrmann Richter 1942 zog der Sohn Alfred Richter mit seiner Familie aus Nixdorf nach Leopoldsruh Nr. 46. Das Gasthaus wurde zu Wohnzwecken umgebaut und das Gewerbe (Lebensmittelhandel und Tabakverkauf) aufgegeben. Das Ende des Krieges und die Vertreibung der Deutschen bedeuteten auch für diese Familie gravierende Veränderungen. 1948 wanderte Alfred Richter mit seiner Familie schließlich nach Schweden aus. In den 50iger Jahren gelang es Josef Richter, das Haus wieder zurückzukaufen. 1975 sind er und 2006 seine Frau hier auch verstorben.

Hermann Richter (2. V. rechts) zu seinem 80. Geburtstag am 12.01.1939 mit seinen Söhnen (von links): Josef, Hermann, Herbert und Alfred
(beide Bilder Slg. + A. Richter, Schweden)