Wilhelm Rösler zum Gedenken.

Die Holzstiftelfabrik von Zeidler & Menzel in Leopoldsruh 22, Slg.W. Rösler, Solingen
Die Runkel-Mühle war die ältere der beiden Wassermühlen von Leopoldsruh. Allerdings wird der Name Runkel-Mühle vermutlich niemandem aus Leopoldsruh und Groß Schönau mehr etwas sagen. Viel bekannter ist dagegen ihr letzter Name: Messerfabrik Frenzel in Leopoldsruh 22. Anders als die Weiße Mühle, die ihre Entwicklung als ein Mehrfamilienhaus beschloss, verkörperte diese Mühle einen Wandel, wie man ihn an vielen anderen Standorten von Wassermühlen erleben kann, nämlich dem zu einem Industriestandort.
Diese Wassermühle wird kurz nach 1700 errichtet worden sein. Erster Müller war Gottfried Güntter, der um 1673 in Rosenhain geboren wurde. Er entstammte vermutlich einem alten Müllergeschlecht, bereits 1620 wurde sein Vorfahr Christoph Güntter als Neumüller erwähnt.
Bis um 1700 wurde in den Schönauer Kirchenbüchern die Schönauer Wassermühle bei Nr. 156 als Obermühle genannt. Spätestens um 1705 verlagerte sich dieser Begriff jedoch auf die neu errichtete Mühle am Herrnbach im späteren Leopoldsruh. Der Mühlgraben für die Wassermühle zweigte etwa auf Höhe der späteren Weißen Mühle vom Herrnbach ab und verlief dann parallel und westlich der Häuser am Dorfweg entlang. Kurz bevor er die Mühle erreichte, speiste er einen Mühlteich. Das Wasserrad befand sich augenscheinlich im nördlichen Gebäudeteil. Von dort strömte das Wasser dann wieder in den nahe vorbeifließenden Herrnbach.
Aus der Obermühle wurde dann um 1740 herum nach dem Bau der Weißen Mühle die Mittelmühle. In jener Zeit wechselte auch die Hausnummer von 15 nach 13.
Nach dem Tode von Gottfried Günther im Jahr 1730 betrieb sein gleichnamiger Sohn die Mühle weiter. 1740 konnnte er sie dann auch käuflich erwerben. Gottfried Günther jn. verkaufte die Mühle dann allerdings bereits 1748 weiter an Hans Christoph Hesse aus Nixdorf, vielleicht ein Grundstücksmakler, denn bereits ein Jahr später 1749 verkaufte dieser das Objekt weiter an Zacharias Zimmer, bis dahin ein Bäcker und Häusler in Niederschönau. 1750 wird Gottfried Günther jn. als nach Aussig verzogen bezeichnet. Familie Zimmer,bewirtschaftete die Mühle ca. 20 Jahre lang bis sie dann 1768 an Zacharias Röttig, einem Mahlmüllermeister aus Obereinsiedel, verkauft wurde. Das Grundstück grenzte an Philipp Menzels Garten und an obrigkeitliche Felder. 1778 verkaufte Zacharias Rettig die Mühle an den Sohn Joseph. 1788 verkaufte wiederum die Familie Rettig die Mühle an Johann Christoph Frenzel, der sie gemeinsam mit Bäckermeister Johann Pilz aus Nixdorf erwarb. Auffällig ist, dass all diese Familien nur jeweils eine Generation lang die Mühle bewirtschafteten. Der letzte Müller, Hans Christoph Frenzel, starb 1832 mit 78 Jahren. 1833 erwarb Karl Menzel das Grunstück durch Einartung. Bereits ein Jahr später dann Anton Schneider nach + Christoph Frenzel.
Das war nun der Zeitpunkt für einen gründlichen Wandel im Lebenslauf der Mühle. Um 1830 hatte Carl Ludwig Menzel aus Schönau Nr. 317 eine Kaffee-Surrogatfabrik gegründet. Etwa im Jahr 1836 wurde dafür im Bereich der Wassermühle in Leopoldsruh eine Cichorien-Fabrik als neuer Gebäudekomplex errichtet. Als Ausgangsstoff für die Kaffee-Ersatzproduktion dienten Runkelrüben, die der vormaligen Mittelmühle nun den neuen Namen „Runkel-Mühle“ gaben. 1842 wird berichtet, dass Karl Menzel, Leopoldsruh, Runkelrübenmehl herstellt. 1843 sollen die Gebäude abgebrannt sein, wurden aber gleich wieder aufgebaut. Für das Jahr 1847 wird berichtet, dass die Jahresproduktion der Firma von Karl Menzel 4 Tausend Zentner betrug, was für Böhmen einen Spitzenwert darstellte. 1851 starb allerdings Karl Menzel mit nur 51 Jahren. Sein jüngerer Sohn Phillip Clemens Menzel führte die Firma zunächst zwar weiter, aber auch er starb fünfundzwanzigjährig nur wenig später im Jahr 1857 an Typhus, so dass die Firma zum Erliegen kam und die Produktion von Cichorien eingestellt wurde.
Der ältere Sohn Karl Ludwig Menzel, übrigens der erste Postmeister von Schönau, übernahm dann den Firmenkomplex, gründete am 21.07.1859 gemeinsam mit Johann Zeidler eine Holzstifteerzeugung. Die Holzstiftefabrik bestand aus 2 Haupt- und 3 Nebengebäuden. Die Firma wurde am 29.09.1863 als „Zeidler & Menzel“ registriert. Produziert wurden Stifte für die Schuhproduktion. 1864 legte man sich eine Dampfmaschine mit 10 PS sowie einen Dampfkessel ebenfalls mit 10 PS zu. Im Jahr 1868 wird berichtet, dass an 28 mit Wasserkraft in Bewegung gehaltene Maschinen „ca. 80 Arbeiter tätig sind, die ein Fabrikat liefern, dass jenes der amerikanischen Holzstifteproduktion in jeder Beziehung übertrifft“. Die Firma hatte mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen. So berichtete die Tagespresse von einem Insolvenzverfahren, das aber wohl überstanden wurde. Eine andere Zeitung berichtete 1874, dass an einem Montag 40 Arbeiterinnen wegen Lohnabminderung gestreikt hätten. Im Jahr 1883 starb Karl Josef Menzel. Bald darauf verlieren sich die Spuren der Familie Menzel in Leopoldsruh. Der Gebäudekomplex hatte dann nacheinander mehrere Besitzer. Unter anderen arbeitete hier um 1883 auch Josef Müller, der spätere Mit-Inhaber der Nickelei „Hille & Müller“ mit Dampfmaschinen und experimentierte an der Galvanisierung von Blechen. Dann stellten hier Johann und Josef Dittrich Holzspulen her. Im Jahr 1892 erwarb der Knopffabrikant Josef Schams die Gebäude und sein Schwiegersohn Franz-Josef Frenzel begann mit der Erzeugung von Taschenmessern. Die Geschichte der Firma „Messer-Frenzel“ soll allerdings Thema eines weiteren Beitrages zur Geschichte von Leopoldsruh sein.

Leopoldsruh Nr 22, Messer-Frenzel, Slg. M. Turyna, VS
Literatur: Gedenkschrift anläßlich der Kriegerdenkmal-Enthüllung und des Heimatfestes in Groß Schönau i. B. (1930).