
Leopoldsruh 34. Die Weiße Mühle. um 1900.
Die Weiße Mühle in Leopoldsruh war zuletzt ein Mehrfamilienwohnhaus. Der große Fachwerkbau mit der Hausnummer 34 prägte die Landschaft weithin. Eine Wassermühle war sie jedoch schon seit langer Zeit nicht mehr. 1945 gab es hier 7 Wohn-Parteien und ein Gewerbe, die Bäckerei Krause. Das Gebäude gehörte dem Fabrikanten Eduard Neubert aus Kleinschönau.
Die Weiße Mühle war die jüngste der Wassermühlen von Schönau und Leopoldsruh. Nördlich am Gebäude hatte sie einen kleinen Mühlteich, der wiederum vom Schwarzen Teich gespeist wurde. Der Mühlbach begann am Staudamm des Schwarzen Teiches und führte entlang des Dorfweges geradezu bis zum Mühlteich. Genaueres zum Wasserrad konnte ich nicht herausfinden, jedoch darf man annehmen, dass es ursprünglich ein oberschlächtiges Rad war. Der Mühlgraben führte danach gleich wieder in den Leopoldsruher Heresbach, oder wie er zuletzt hieß, Hernsbach.
Im ältesten erhaltenen Kaufvertrag vom 04.07.1745, in dem Johann Carl Rößler die Mühle erwirbt, wird ein originaler Kaufvertrag vom 31.05.1738 erwähnt, der bislang nicht weiter verifiziert werden konnte. Dieser Johann Carl Rößler war der Sohn vom Obermöller bzw. ab 1705 Mittelmöller in Schönau, das ist Schönau Nr. 156, Hans Christoph Jaroslaw Rösler und wurde am 17.10.1707 dort geboren. Er war verheiratet mit Anna Maria Schneider, der Tochter von Elias Schneider, welcher 1730 eine Baustelle erwirbt (zuletzt Leopoldsruh Nr. 33, Abwartung der auf dem Breth-Hübel neu erbauten Brettmühle. Das ist die bislang früheste Erwähnung dieser Brettmühle, die zu jener Zeit also noch keine „Weiße“ Mühle war.
Allerdings wird zuvor der aus Weifa stammende Tobias Schneider ab 1726 als Häusler und Brettschneider genannt. Zuvor war er Häusler und Bäcker in Schönau. 1740 und 1741 starben er und seine Frau als Bretschneider in Leopoldsruh. Gewohnt haben sie allerdings in Leopoldsruh 33, das er 1730 als Abwartung der auf dem Breth-Hübel neu erbauten Bretmühle erworben hatte. Vermutlich ist den Kaufverträgen mehr zu entnehmen, da in diesen mehrfach Bezug auf die Brettmühle genommen wird.
Im Jahr 1743 wird die bislang Obermühle genannte andere Mühle in Leopoldsruh (Nr. 22/zuletzt „Messer-Frenzel“) erstmals Mittelmühle genannt, so dass daraus geschlossen werden darf, dass es nun eine weitere, oberhalb gelegene Mühle gab. Diese hat allerdings nie den Namen Obermühle geführt. Der Namen Weiße Mühle ist sicher als Pendant zur „Schwarzen Mühle“ in Salmdorf Nr. 1 zu sehen, die ja am gleichen Bach lag. Es kann aber auch sein, dass der Name darauf hinweist, dass im Gegensatz zur Brettmühle in der Weißen Mühle Mehl gemahlen wurde.
Der erste namentlich bekannte Müller der Weißen Mühle ist Hans Carl Rösler, der hier im Jahr 1751 mit Frau, Schwiegervater und drei Kindern lebte. Carl Rösler entstammte einem alten Schönauer Müllergeschlecht. Schon sein Großvater Daniel Rösler war Müller in Schönau. Er selbst war zuvor Pachtmüller auf der Mühle auf Christoph Hülles Grund, das war die spätere Pietschmühle, die sich zwar auf Schönauer Grund befand, jedoch durch den Nixdorfer Bach gespeist wurde und zuweilen zu Wölmsdorf gezählt wird. Hans Carl Rösler ist auch nicht lange in Leopoldsruh geblieben. 1766 ist er schon Müller in Nixdorf. Nachfolger war der Müller Jacob Fischer, sein gleichnamiger Sohn heiratete 1767. Hier wurden von 1768 bis 1780 mehrere Kinder geboren, von denen die meisten jedoch noch jung gestorben sind. 1781 ist Johann Franz Jäger Pachtmüller der Weißen Mühle. Er war zuvor bereits Müller in Schönbüchel, wo u. a. auch sein Sohn Franz Josef geboren wurde. Dieser war später ebenfalls Müller in der Weißen Mühle und starb 1847 als Ortsrichter von Leopoldsruh. Um 1800 erhielt die Weiße Mühle, wie auch alle anderen Häuser in Leopoldsruh, eine neue Hausnummer: Aus Nr. 24 wurde Nr. 34, die bis zum Abriss gültig war. Der Sohn Franz Jäger war ebenfalls Müller in der Weißen Mühle und Gemeindevorsteher von Leopoldsruh. Bis 1869 bekommt er seine Kinder in der Weißen Mühle. Danach wanderte er nach Amerika aus. Sein Sohn Gustav Adolf Jäger schließlich gründete in Schönbüchel die Strick- und Wirkwarenfabrik Jäger. Wohl zu dieser Zeit war der Mühlenbetrieb in der Weißen Mühle, Leopoldsruh Nr. 34, offenbar eingestellt worden. Das Gebäude wurde 1873 an den Fabrikanten Eduard Neubert aus Klein Schönau verkauft, der wie oben erwähnt im Gebäude Wohnungen einrichtete.

Leopoldsruh Weiße Mühle, Slg. M. Turyna, VS

Slg. Liebisch

Die Weiße Mühle und ihr Umfeld
Literatur: Erhard Marschner, Die Strick- und Wirkwarenfabrik Gustav Jäger in Schönbüchel (Nordböhmen). Unser Niederland 1973/10 und 12, S. 305 und S. 307.