Wie auch in den anderen Orten des Niederlandes erfolgte auch in Schönau im Jahr 1771 eine allgemeine Nummerierung der Häuser. Dies geschah so wie auch im übrigen Österreich auf Anweisung seitens der Landesregierung in Wien.
Bei der Nummerierung ging man wie folgt vor: Man begann am Alten Gericht mit der Nr. 1. Danach folgten alle Häuser bachaufwärts und zwar nördlich des Dorfbaches, bis man etwa bei der Nr. 79 das oberste Haus des Ortes erreichte (Obere Schänke). Nun wechselte man auf die andere Bachseite, nummerierte die Häuser durch, bis man wieder das letzte Haus auf dieser Seite erreichte (etwa Nr. 216, „Niederliebsch“, bzw. Nr. 219 unterm Bahndamm gelegen). Es erfolgte wiederum ein Seitenwechsel und man nummerierte nunmehr beginnend mit der Nr. 220 erneut auf der nördlichen Bachseite, bis man schließlich wieder das Alte Gericht erreichte. Die letzte so vergebene Hausnummer war die Nr. 325 (Hille-„Gleorche“). Wurde nun ein neues Haus gebaut, so erhielt es die nächst folgende Hausnummer, unabhängig davon, wo es errichtet worden war.
Manchmal bekam ein Neubau aber auch eine Hausnummer eines vor längerer Zeit bereits wieder abgerissenen Hauses, wie z. B. die Nr. 50, welches ursprünglich im Oberdorf an der Straße stand (Neben Hille & Hampel) und das Geburtshaus des Leitmeritzer Bischofs Augustin Bartholomäus Hille war. Nach Abbruch des Hauses wurde die Hausnummer 50 an Josef Marschner vergeben, der am Dorfbach inmitten des Ortes in der Nähe der Zeidler Straße einen Neubau errichtet hatte. Auch die Nr. 326, das so genannte „Schweizerhaus“, erbaut von Max Bruch, ist eine neu vergebene Nummer, da die alte Nr. 326, ursprünglich ein Gärtner oder Kleinbauer, nicht weit ab von der Nr. 325 gestanden haben muß. Andere Hausnummern, wie z. B. die Nr. 155, welche bereits im Adresskalender von 1929 fehlte, wurden nicht wieder vergeben. Die ebenfalls fehlende Nr. 10 fand sich dagegen als Hausnummer der Waldidylle am Lilienteich wieder.
Nun war diese Hausnummerierung von Schönau nicht die erste. Bereits spätestens seit 1736 ist aus den Kichenbuchunterlagen eine ältere Nummerierung zu ersehen. Anders als bei der zuerst vorgestellten Nummerierung erfolgte seinerzeit, das genaue Datum der Einführung ist mir nicht bekannt, die Vergabe der Hausnummern offensichtlich getrennt nach Besitzgütern. Zunächst wurden die Bauernwirtschaften nummeriert, wieder beginnend am Alten Gericht. Die zuoberst gelegene Bauernwirtschaft, vulgo „Oberbauer“ bekam die No. 10. Es erfolgte wiederum der Bachseitenwechsel. Die oberste Wirtschaft auf der südlichen Bachseite war der „Wirsigbauer“, zuletzt Nr. 85. Er bekam die No. 11. Die letzte Bauernwirtschaft auf der südlichen Seite war die heutige Nr. 187, vulgo „Asyl“, welche damals die No. 27 erhielt. Auf der nördlichen Bachseite schloss sich die No. 28, „Franzens-Jakob“ an, gehörte zuletzt zur Nr. 239 „Nieder-Franzen“. Die letzte Bauernwirtschaft war der „Kirchbauer“, Nr. 316, welcher die No. 39 bekam. Parallel erfolgte die Nummerierung der Gärtner. Zu denen zählten eine ganze Reihe von kleineren Landwirtschaften, Kleinbauern, die von alters her jedoch nicht zu den Bauern gezählt worden waren. Schließlich bekamen in ähnlicher Weise auch die Auhäusler eine eigene Hausnummer.
Aber auch dieses war nicht die erste Hauszählung in Schönau.
Im bekannten Heimatbuch von Groß Schönau, das der unvergessene Erhard Marschner 1988 vorgelegt hat, ist bereits eine Liste der Haushalte, darunter auch der Landwirte, aus dem Jahr 1718 publiziert worden, die z. T. mit Besitzerangaben aus dem Jahr 1656 parallelisiert wurde. In den letzten Jahren ist es nunmehr gelungen, diese Liste in Korrelation zur tatsächlichen Hausnummerierung zu bringen. Die Ergebnisse werden zudem dadurch unterstützt, dass auch aus dem Jahr 1668 ein Urbar erhalten geblieben ist, in welchem die Robotleistungen, also der Arbeitsleistungen, der Schönauer Einwohner gegenüber der Hainspacher Herrschaft festgehalten wurden. Das Urbar führt die Bauern in einer bestimmten Reihenfolge auf, wie: der Erste, der Ander, etc. Aufgrund familienkundlicher Forschungen kann nunmehr gezeigt werden, dass diese Reihenfolge mit der tatsächlichen Lage innerhalb des Ortes korrespondiert. Eine Verknüpfung mit den beiden Listen von 1654 und 1718 ist ohne weiteres möglich. Die Nummerierung der Hausbesitzer in der Liste von 1718 geschah jedoch nach einem anderen Ordnungsprinzip. Diesmal wurde beim obersten Bauer auf der südlichen Bachseite begonnen: No. 1 war der Landwirt Mathes Liebsch. Dessen Wirtschaft ist zu parallelisieren mit der heutigen Nr. 85 „Wirsigbauer“, bis Ende des 19. Jhd. quasi der „Oberliebsch-Bauer“. Der am weitesten im Niederdorf gelegene Bauer war die Wirtschaft von Hans Protze (No. 17), zuletzt das Asyl mit der Nr. 187. Es folgte wieder der Wechsel auf die andere Bachseite: No. 18 (Besitzer Hans Opitz), zuletzt Nr. 234 (vulgo Franzens-Jakob) bis hinauf ins Oberdorf: No 39: Besitzer Zacharias Opitz, der „Oberbauer“, Nr. 77. Eingefügt wurde unter No. 30 die Wirtschaft von Johann Endler, dem damaligen Orts-Richter. Dabei handelt es sich um das sog. Alte Gericht, Nr. 1, dem ehemaligen herrschaftlichen Lehengut, das in der Aufzählung von 1668 noch separat genannt wurde. Die Zählung der Gärtner erfolgte dementsprechend.
Nachstehend folgt eine Aufstellung der Schönauer Bauern mit Angaben zur bis 1945 gültigen Hausnummer, dem überlieferten Spitznamen und der Besitzerangabe aus dem Jahr 1654. Dabei sind folgende Besonderheiten zu beachten. Der Kindermann-Bauer, Nr. 307, bewirtschaftete Felder auf der südlichen Bachseite, die früher zur Nr. 155 gehört haben. Die Bewirtschaftung der Felder zur ehemaligen Nr. 305 konnte bislang nicht geklärt werden. „Spediteur-Rämisch“ (Nr. 133) bewirtschaftete auch große Flächen. Diese stammten zum großen Teil aus der aufgelassenen Wirtschaft Nr. 148. Zahlreiche unter den Bewohnern von Groß Schönau bekannte bäuerliche Landwirtschaften wie z. B. Nr. 325 „Gleorche“, Nr. 144 „Weißgärber“, Nr. 216 „Niederliebsch“, Nr. 81 „Schaffarsch-Bauer“ finden sich dagegen in der Liste der „Kleinbauern“ und „Gärtner“, oder auch „Gartennahrung“ genannt, wieder. Nicht berücksichtigt sind die Wirtschaften von Leopoldsruh, wie z. B. Nr. 1 „Ramschen-Rudi“, die aus den ehemaligen Feldern des Meierhofes erwachsen sind und die in den frühen Listen nicht genannt sind.

Korrelationstabelle (Forschungsstand 2015)