
Grabsteine sind in der Regel willkommenes Zubehör der Familiengeschichte, helfen sie doch, die Geschichte der Verstorbenen aus einem in der Regel bilderlosen Dunkel zu reißen. Durch glückliche Umstände sind auf dem seit 1870 aufgelassenen Kirchfriedhof von Groß Schönau auch Grabsteine der Familie Hille erhalten geblieben, von denen ich bereits den Gedenkstein für die Eltern von Ambros Hille, nämlich Johann Josef Hille und seiner Frau Marie Gertrud, geb. Paul, vorgestellt habe. Im Reigen der historischen Grabsteine in Groß Schönau soll hier nun der Grabstein der Familie von Ambros Hille vorgestellt werden, einem Sohn der eben genannten Eheleute Hille.

Grabstein Ambros Hille in Schönau (Aufnahme: Karin St.)
Der Grabstein der Familie Ambros Hille eröffnet quasi die Reihe der noch erhaltenen Grab- und Gedenksteine, da er der nördlichste an der östlichen Friedhofsmauer ist (Abb. 1). In der Regel ist er arg von Efeu und anderen Rankpflanzen überwuchert. Der Grabstein ist im Denkmalverzeichnis von Groß Schönau erfasst (Quelle 1) und wird dort als neugotisches Denkmal gewürdigt. Ergänzt wird dies durch seine anschauliche und detaillierte kunstgeschichtliche Beschreibung und Einordnung. Allerdings wird dort der Text der Inschrift als nicht mehr lesbar bezeichnet. Dank mir vorliegender, hervorragender Fotoaufnahmen ist es nunmehr gelungen, den Text zu entziffern (Abb. 2), so dass er hier weitgehend wiedergegeben werden kann:
Denkmal
der
Familie
Ambros Hille
P. Joseph Hille
Cooperator in Zeidler
geb. den 20. Juli 1824 – gest. den 23. November 1851
[Ambros] Hille
[gest] 1863
Brigitte Hille [geb] Schneid[er]
geb. 26. Nov. 17 [89]
Ambros Hille war ein industrieller Fabrikant der ersten Generation in Schönau. Gemeinsam mit seinem Bruder Franz Josef Hille produzierten sie unter dem Firmennamen >Gebrüder Hille< in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Schönau „bunte und weiße Bänder“. Eine Nachkommensliste von Ambros Hille wurde von mir bereits vor einigen Jahren an anderer Stelle publiziert (Hille 2022). Überregional bedeutsam war sein Sohn, der Bandwarenfabrikant Johann Hille, der zudem auch schriftstellerisch tätig war. Gemeinsam mit dem Schwager Emanuel Hampel gründete er um 1850 die große Bandwarenfabrik Hille & Hampel in Schönau und später auch Hainspach. Die Grabsteine von Johann Hille und der Familie Hampel haben sich ebenfalls erhalten, allerdings nicht auf diesem Friedhof.
Zurück zum Familiengrabstein Ambros Hille: Eine Person, die auf dem Grabstein zu oberst deutlich genannt wird, ist der Sohn Joseph, der als Cooperator (Priester, Hilfsgeistlicher) von Zeidler mit 27 Jahren relativ jung verstarb. Bei dem Geburtstag ist dem Bildhauer oder dem Vorlagengeber jedoch ein Fehler unterlaufen, da laut Geburtsmatrik Joseph Hille erst am 30. Juli 1824 geboren wurde und nicht wie angegeben am 20. Juli. Die Namen der Eltern Ambros und Brigitte Hille sind ausreichend sicher zu entziffern, wenige Datumsangaben helfen dabei zur Absicherung. Zwischen den Eltern gibt es zwei Zeilen für einen weiteren Eintrag, der nun wirklich nicht mehr zu entziffern ist. Nur einige Fragmente von Buchstaben sind zu erkennen. Von den bekannten Kindern der Eheleute Ambros und Brigitte Hille kommt vielleicht der Sohn Augustin in Frage, der als Bandwarenerzeuger in Leopoldsruh Nr. 5 im Jahr 1878 mit gerade mal 50 Jahren zwar verheiratet aber kinderlos verstarb. Dagegen spricht jedoch, dass dessen Frau Anna, geb. Endler, bereits 1875 siebenundvierzig jährig verstarb und für die Eheleute gewiss ein gemeinsamer Grabstein verwendet wurde.
Literaturhinweis:
Andreas Hille, Die Bandwarenfabrik Hille & Hampel in Schönau (in Böhmen) und Hainspach und die Nachkommen von Ambros Johann Hille. In: Sudetendeutsche Familienforschung XIII/Heft 4 (Regensburg 2012), S. 133-138.
Quelle 1 (Denkmalverzeichnis)
https://pamatkovykatalog.cz/nahrobek-ambrose-hilleho-14649624