Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Johann Hille 1852-1925, der Hille-Doktor in Schönlinde

Am 20. November 1852 erblickte Johann Hille in Groß-Schönau (in Böhmen) als viertes Kind der Fabrikantenfamilie Augustin und Magdalena Hille, geborene Jäkel das Licht der Welt. Seine Eltern prägten sein frühes Leben in der aufstrebenden Textilregion. Anders als seine Brüder entschied er sich für den Beruf eines Arztes.

Nach erfolgreichem Abschluss seines Medizinstudiums an der Karls-Universität in Prag ließ sich Dr. Hille im Jahr 1878 in Oberkreibitz nieder und wirkte dort als Arzt. Zwei Jahre später, am 21.

Juni 1880, heiratete er in seiner Geburtsstadt Groß-Schönau Maria Elisabeth Hille, geboren am 16. 08. 1859 in Wien. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Johann (geb. 1881), Maria Elisabeth (geb. 1882) und Arthur Alois (geb. 1890).

Ein bedeutendes Kapitel im Leben von Dr. Johann Hille begann am 13. Septem-ber 1885 in Schönlinde. An diesem Tag wurde der „Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen“ gegründet. Als Gründungsmitglied wurde Dr. Hille zum ersten Vorsitzenden gewählt. Mit Weitsicht und Engagement führte er den Verein fast vier Jahrzehnte lang bis zu seinem Tod.

Im Jahr 1889 verlegte Dr. Hille seinen Lebensmittelpunkt von Oberkreibitz nach Schönlinde. Dort übernahm er die verantwortungsvolle Position des Bezirksarztes für die Landgemeinden Schönbüchel, Khaa, Daubitz und Wolfsberg. Neben seiner Tätigkeit als Arzt und Vorsitzender des Gebirgsvereins übernahm er ab 1897 auch eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Stadt Schönlinde.

Im Jahre 1900 wurde er Ausschussmitglied und 1903 zum ersten Stadtrat gewählt

Obwohl ihm die Wertschätzung seiner Mitbürger gewiss war, lehnte er 1906 eine Wiederwahl ab. Für sein Engagement und seine Verdienste erhielt er die Auszeichnungen „Goldenes Verdienstkreuz mit Krone am zivilen Band“ und die „Jubiläums-Erinnerungsmedaille zum 50jährigen Kaiserjubiläum von Franz Josef I. am zivilen Band.

Am 12. Juni 1925 verstarb Dr. Johann Hille in Schönlinde. Seine letzte Ruhestätte fand er am 15. Juni 1925 in der Familiengrabstätte auf dem Friedhof in Schönbüchel. Sein Vermächtnis im „Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen“ ist immens. Unter seiner Führung wuchs der Verein auf beachtliche 23 Sektionen mit 3896 Mitgliedern an und entwickelte sich zu einer bedeutenden Kraft für die regionale Identität und der touristischen Erschließung der Naturschönheiten des Nordböhmischen Niederland.

Die Wertschätzung für Dr. Hille zeigte sich deutlich anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Gebirgsvereins am 13. September 1925. Im Khaatal wurde eine 150 kg schwere Gedenktafel zu seinen Ehren in die Felswand eingelassen. Dieses Denkmal wurde 1945 ein Opfer von Diebstahl und Vandalismus. Doch das Andenken an Dr. Hille lebte fort. Im Jahr 2000 wurde mit Unterstützung der Sparkasse von Pirna eine neue, zweisprachige Gedenktafel angebracht, die bis heute an das Wirken dieses bedeutenden Arztes und Mitbegründers des Gebirgsvereins erinnert.

Artikel von Andreas Kniesel in UN 907, 2025, unter Mitwirkung von Andreas Hille und Karin Steimels

Dr Johann Hille mit seiner Frau Marie, geb. Neuberth, 1915