Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Die Bandfabrik von Ambros Hille in Schönau

Beitragsbild: Schönau Nr. 50, Wohnhaus von Ambros Hille, hier war vermutlich die Fabrik untergebracht (Colorierte Lithografie um 1858 [Auszug]).

Vor 1810 erfolgte in Schönau durch Ambros Hille die Gründung einer Leinen- und Baumwollbänderfabrik, die zu den ältesten Betrieben dieser Art in Groß Schönau gehörte. Bereits 1809 wurde Ambros Hille in den Kirchenbüchern als Fabrikant in Schönau Nr. 50 genannt. Der Bruder Franz-Josef Hille ist zu jener Zeit noch Bandmacher in Schönau Nr. 271. Gleiches gilt auch noch 1814. Ganz offensichtlich wurde die Firma später jedoch gemeinsam durch die beiden Brüder Ambros und Franz-Josef Hille geführt. 1828 kaufte Ambros Hille das Haus Nr. 51 von Anton Lösche und wohnte dort mit Familie bis 1847. In jenem Jahr erwarb Ambros Hille von Heinrich Ruzitschka das Anwesen Leopoldsruh 5 „nebst zwei Ackerflächen“. Im Jahr 1848 wird dann Nr. 53 erworben

Ein früher Bericht beschreibt, dass Ambros Hille um 1810 die Märkte in Brünn und Wien bereiste und dort zunächst weiße Bänder verschiedener Breite, später auch verschiedenartige bunte und dann auch geblümte Bänder anbot. Von dort aus wurde nach Ungarn, Italien Steiermark und Galizien verkauft. Zum Repertoire gehörten später auch Gürtelbänder und Schuhbänder. Gearbeitet wurde mit Jaquard-Maschinen.

Im Jahr 1820 werden in einem Buch als handelnde Fabrikanten zu Schönau die Gebrüder Hülle genannt „meißtenteils mit Schnüren“. Im Schematismus des Königreiches Böhmen werden 1825 und 1831 als Bandwarenerzeuger die Gebrüder Joseph und Ambros Hille genannt. In Wien gibt es eine Niederlassung „auf der Freyung 4“.

Ein Zeitungsaufsatz von 1843 läßt vermuten, dass Ambros Hille und die Gebrüder Hille zwei unterschiedliche Firmen sein könnten.1

Paul Aloys Klar, schreibt in Die Industrie Böhmens. Libussa. Jahrbuch für 1843, Prag 1843, folgendes:

Leinen und Baumwoll-Bänder-Fabrik des Ambros Hille in Schönau

Die Entstehung dieser Fabrik fällt um das Jahr 1810, zu welcher Zeit der gegenwärtige Besitzer derselben, Ambros Hille, die Marktplätze Wien und Brünn zu besuchen anfing, wodurch seine Produkte immer mehr und mehr Abnehmer fanden, und er auf diese Weise sich in den Stand gesetzt sah, die Anfangs ganz geringe Anzahl von Arbeitsstühlen zu vermehren, und das Geschäft nach allen Seiten hin zu erweitern, bis auf den Umfang, den es gegenwärtig besitzt.

Die Erzeugnisse der Fabrik sind: Leinene und baumwollene Bänder in verschiedener Breite, sowohl ganz weiß, als bunt. Die farbigen Bänder zerfallen wieder in gestreifte und geblumte, dann in Lanquetten und Gurtbänder, wozu in neuester Zeit noch Schusterbänder kamen.

Genannte Gattungen und Waren werden auf 50 Arbeitsstühlen erzeugt, unter denen sich 5 Maschinenstühle, darunter 2 Mühlstühle befinden, welche die geblumten Bänder liefern. Maschinen und Stühle werden sowohl von Wien bezogen, als von werkverständigen Männern aus Schönau und der Umgebung gearbeitet.

Die Produkte der Fabrik, welche über 150 Menschen, durchgehend Inländer, beschäftigt, finden ihren meisten Umsatz auf den Marktplätzen Wien und Brünn, und zwar nach Pesth, Laibach, Lemberg und Galizien, so wie auch in weniger bedeutenden Partien nach anderen Ländern.

Schönau Nr. 53; Im Jahr 1849 erwarb Ambros Hille von Franz Klinger dieses Auhaus. Im Jahr 1860 wird die Realität an Johann Hille und Emanuel Hampel übertragen. Ob das Haus der Produktion diente, ist nicht bekannt. 1921 wohnten hier 3 Wohnparteien. Im Hintergrund sind die Gebäude der Fa. Bandel-Liebisch zu erkennen; ganz rechts die Hauskante von Nr. 54. [Slg. Liebisch, Halle].

Schönau Nr. 53 im Jahr 1989, [Slg Turyna, VS]

1Beiträge für Kunst, Handel und Gewerbe Böhmens, 1. Band. 9. Lieferung (1843)