Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Geschichte des Hauses Schönau Nr. 9

Aufnahme 1985

Das ist die Geschichte des Hauses, in dem meine Großmutter Marie Strobach geboren wurde.

In diesem Hause lebte die Familie meines Ururgroßvaters Josef Marschner, gen. Marschner-Schuster. Er entstammte einer Schusterfamilie; sowohl sein Vater Jakob als auch seine Brüder Anton, Eduard und Franz waren Schuster. Die Familie führte den vulgo-Namen Brudel-Schuster. Eine Deutung des Namens ist mir nicht bekannt. Vielleicht kommt das von Brüder-Schuster.

Laut Chronik der Denkwürdigkeiten wurde Schönau Nr. 9 im Jahr 1871 neu gebaut. Allerdings gibt es erst zum Jahr 1876 Unterlagen im Bauarchiv zu Nr. 9. Demnach gab es an Stelle des Neubaus zuvor einen Keller, der wegen Baufälligkeit abgetragen werden mußte. „Haus oder andere Bauobjekte sind seit Menschengedenken auf diesem Grund keine gestanden, …“ Soviel zur Erinnerungsleistung der damaligen Leute. Laut Chronik Denkwürdigkeiten ist nämlich der Vorgängerbau erst 1861 abgebrannt.

In den Bauunterlagen von 1877 gibt es eine Beschreibung der Wohnbereiche des Neubaus. Demnach gab es rechts vom Hauseingang eine Wohnstube (Raum 9) mit daran anstoßend eine zweite Stube (Raum 10). Links vom Eingang gab es ein Wohnzimmer, das mit einer Bretterwand geteilt war, wobei die hintere Hälfte als Nebenzimmer zum vorderen Zimmer diente (Räume 7 und 8). Im Dachboden waren östlich zwei Kammern und westlich eine Kammer auf ganzer Breite des Hauses. Auf der Nordseite des Hauses zog sich ein Gang entlang, der zu einem Abbort führte. Und das Haus hatte im vorderen Teil des unteren Flures einen Keller. Der Bau wurde am 12.Juli 1876 begonnen und am 20. April 1877 vollendet. Am 26.04.1877 wurde das Haus bezogen. Bauherr war Adalbert Schlögel.

Zum Grundstück gehörten 1846 zwei durch einen Weg getrennte Flurstücke, auf dem nördlicheren und kleineren steht das Haus.

Josef Marschner (11.11.1847 – 27.05.1930) im Jahr 1927 bei der Hochzeit seiner Enkelin Marie Strobach mit Johann Hille

1878 erwarb Josef Marschner das Haus „von einem Finanzer“, vielleicht dem Erstbesitzer. Josef richtete im Raum 10 seine Schuhmacher-Werkstatt ein. Er wohnte vermutlich in den Räumen 7 und 8, die eine separate Wohnung darstellten, und der Finanzer wohl im Raum 9. Man wird davon ausgehen dürfen, dass die Kammern 13 und 14 im Obergeschoß als dazugehörige Schlafstuben genutzt wurden. Über die Gestaltung der anderen Obergeschoßhälfte (Räume 15-17) und deren Nutzung um 1900 gibt es bislang keine fixen Anhaltspunkte, sie diente aber sicher ebenfalls als Wohnung.

Ende des 19. Jahrhundert lebten in Nr. 9 weiterhin die Eheleute Emanuel und Marie Lißner, möglicherweise im Obergeschoß, Räume 15-17. Emanuel Lißner war Posamentier und arbeitete bei Franz Müller in Leopoldsruh. Im Jahr 1896 wurde in Nr. 9 der Sohn Josef geboren, der spätere „Kreuzel-Seff“. Bald darauf müssen sie ausgezogen sein, die Tochter Maria wurde am 24.10.1904 in Nr. 367 geboren. Allerdings wird Emanuel Lißner 1933 wieder als in Nr. 9 wohnhaft genannt.

Josef und Maria Marschner hatten drei Kinder: Josef (1870), Maria (1877) und Anna (1884). Als erstes heiratete 1899 die ältere Maria den Bernard Strobach. Dies war ein Bruder der oben genannten Marie Lissner. Die jungen Eheleute Strobach wohnten zunächst auch in Nr. 9; hier wurden 1900 der Sohn Josef und 1901 meine Großmutter Marie geboren.

Als nächstes heiratete 1901 Josef, der einzige Sohn von Josef und Marie Marschner. Als der Finanzer starb, zog der Sohn Josef Marschner mit seiner Frau in dessen Raum 9.

Um 1904 bezog die Familie Strobach ein eigenes Haus, Schützenhausstraße Nr. 415. In die frei-werdenden Räume von Nr. 9 zog der Sohn Josef Marschner, er war von Beruf Geldbriefträger und wurde Pack’l-Marschner genannt. Seine Frau Albine brachte ihre Mutter und zwei Neffen mit, die dann ebenfalls in Nr. 9 wohnten (vielleicht im Obergeschoß, Räume 15-17).

In den nun frei-werdenden Raum 9 zog die einzige Tochter Anna, die 1908 den Adolf Heide geheiratet hat.

1916 starb Maria Marschner, die Frau vom Marschner-Schuster. Josef setzte sich nun zur Ruhe. Aus der Werkstatt, Raum 10, wurde eine Küche gemacht. Seine Wohnung vertauschte er mit der seines Sohnes Josef und wohnte dann daher vermutlich im Obergeschoß.

Im Zensus 1921 werden folgende Parteien als Bewohner von Nr. 9 aufgeführt: Josef Marschner, 1 Person; Josef Marschner mir Frau Albine und den zwei Kindern Josef und Karl (4 Personen). Familie Adolf Heide mit Frau und Tochter Anna (3 Personen). Der Sohn Adolf wurde 1923 ebenfalls in Nr. 9 geboren. Ein Jahr später, 1924, zog Familie Heide mit den Kindern in das Haus Nr. 124.

Am 27.05.1930 verstarb der Schuster Josef Marschner, Vorgänge um seinen Tod, er wurde sterbenskrank zu Adolf Heide, dem Mann seiner Tochter Anna (Schönau Nr. 124), gebracht, haben zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den drei Geschwistern geführt.

Die nächste größere Veränderung im Haus geschah im Jahr 1933. Josef Marschner, der Pack’l-Marschner, ließ das Haus umbauen. Der Gang wurde abgetragen und ein Seitenflügel errichtet: Im Erdgeschoß wurden eine Waschküche (Raum 4) und ein Raum zur Lagerung der Kohlen (Raum 18) eingerichtet. Im Obergeschoß des Anbaus gab es nun ebenfalls eine Stube (Raum 19), von der zwei Kammern abzweigten (Raum 18, unbewohnbar, und Raum 20). Verändert wurde auch die große Kammer links im Dachgeschoß. Nun gab es hier eine größere Stube (Raum 16), von der eine nicht bewohnbare Kammer zu erreichen war (Raum 17), zudem gab es eine weitere, nicht bewohnbare Kammer (Raum 15). Die Vergleiche mit anderen Häusern (hier besonders mit Nr. 415) zeigt, dass diese unbewohnbaren Kammer meist als Schlafräume dienten.

1945 gab es folgende Wohnparteien in Nr. 9:

Josef Marschner, der Pack’l-M, und Frau Alwine; der ältere Sohn Josef Marschner und Frau Margarethe sowie zwei Kinder Günther und Rainer, sowie der zweite Sohn Karl, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls verheiratet war (also zwei Personen).

Schönau Nr. 9, Obergeschoß

Schönau Nr. 9, Paterre (beine Pläne Archiv Decin)

Aufnahme aus der Gegenwart (Turyna VS)