Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Lobedau und die Familie Kunsch/Kunisch

Lobedau war ein altes Bauerndorf und wurde bereits 1372 als Lobdow erstmals erwähnt. 1784 gab es 12 Voll- und 14 Halbbauern, 19 Freygärtner und 8 Häusler (Zimmermann 1784). Es wird aber auch ein Schulmeister genannt. 1845 gab es 68 Landwirte bei 102 Häusern (Knies 1845).

Lobedau liegt nördlich von Patschkau und gehörte ehemals zum Landkreis Grottkau. Es war ca. 100 Jahre lang Wohnsitz der Familie Kun(i)sch. Erstmals wird diese 1767 anläßlich einer Trauung erwähnt. Die älteren Kirchenbücher ab 1732 konnten bislang nicht ausgewertet werden. Als letzte Erwähnung fand sich ein Eintrag zum Jahr 1871.

Stammvater der Familie ist Lorenz Kunisch, Tambour „von dem löblichen Regiment v. Bremer unter der Compagnie des Capitain v. Schmidt Heinrich“, also ein Militärangehöriger. Leider ist bislang nicht bekannt, wo das Regiment stationiert war. In einer späteren Meldung hieß es „in Glatz“, also ebenfalls in Oberschlesien.

Von 1767-1773 wird Lorenz Kunisch als Musketier und 1776-1782 als Soldat genannt. Erst ab 1785 ist er ein Häusler in Lobedau. Lorenz Kunisch heiratete 1767 die Rosina Magdalena, Tochter des damals bereits verstorbenen Schulmeisters in Lobedau, Augustin Reynelt. Lorenz war bei der Eheschließung 24 Jahre und seine Frau 23 Jahre alt. Trauzeuge war ein Verwandter der Braut: Joseph Reynelt, Häusler in Lobedau. Leider wurde der Vater des Bräutigams bei der Trauungseintragung nicht erwähnt.

Lorenz und Rosina Kunisch sind wohl die einzige Familie namens Kunisch im Ort. Der Name tritt sonst nicht auf. Auch die Familie Reynelt tritt bei der Trauung das letzte Mal namentlich in den Kirchenbüchern auf.

Lorenz und Rosina Magdalena Kunisch bekommen von 1768 bis 1785 6 Kinder: 4 Knaben, 2 Mädchen. Die Kinder kommen in regelmäßigem Abstand zur Welt, lediglich zwischen 1776 und 1782 ist eine Pause. Als Taufzeugen ihrer Kinder treten nur wenige Familien auf, wobei zumeist einmal der Ehemann und das andere Mal die Ehefrau bezeugen.

Erst bei der Geburt seines jüngsten Kindes scheint Lorenz Kunisch sich als Häusler niedergelassen zu haben. Seinen Militärdienst hatte er demnach beendet. Ob die Kinder ein höheres Alter erreichten, ist nicht bekannt, da die Sterbe-Kirchenbücher bislang nicht durchgesehen werden konnten. Lediglich vom ältesten Sohn Franz Amand ist die Eheschließung überliefert: 1794 heiratet er die 26 jährige Juliane, eine Tochter des bereits verstorbenen Bauern und Kretschmer Ignaz Wagner aus Sörgsdorf, einem kleinen Ort im Jauerniger Land, südlich von Patzschkau und Ottmachau aber schon in Mähren gelegen.

Auch Franz Kunisch war wie sein Vater Militärangehöriger. Von 1794 bis 1798 wird er als Soldat genannt. Er diente im gleichen Regiment wie bereits sein Vater. Ab 1805 ist er Häusler, 1812 Garnhändler, 1814 Bauerngutsbesitzer.

Franz und Juliane Kunisch bekommen zwischen 1795 und 1812 mit z. T. großen zeitlichen Abständen 5 Kinder: 2 Jungen und 3 Mädels. Da die Totenbücher erst ab 1811 vorliegen, ist nicht bekannt, ob die Kinder früh versterben. 1812 jedoch, kurz nach der Geburt ihres letzten Kindes, verstarb Juliana Kunisch im Alter von nur 44 Jahren an Nervenfieber. Franz Kunisch heiratete kurz darauf ein zweites Mal die Maria Franziska, älteste Tochter von Anton Lorenz, einem Bauer und Kirchenvater in Lobedau. Diese Ehe war sehr kinderreich: von 1813 bis 1833 wurden 11 Kinder geboren: 7 Knaben, 4 Mädels. Leider verstarben 4 Kinder bereits früh. Der jüngste Sohn Florian heiratete in Berlin und war Omnibusfahrer.

Der Sohn Josef Johannes Alexander Kunisch aus erster Ehewar schließlich ebenfalls Militärangehöriger in dritter Generation und wurde anlässlich seiner Trauung 1826 als Unteroffizier genannt. Danach war er jedoch Häusler in Lobedau. Mit ihm wechselte der Familienname Kunisch zu Kunsch. Mit seiner Frau Renate, einer Tochter des Gärtners Joseph Schmidt in Glambach, einem Nachbartort von Lobedau, hatte er von 1827 bis 1842 7 Kinder, darunter die 1834 geborene Johanna Theresia Carolina, welche durch ihre Eheschließung 1859 mit Josef Wirth unsere Vorfahrin wurde.