Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Die Landwirtschaft Nr. 42 in Groß Schönau

Dieser Hof führte vulgo den Namen Patzer-Liebsch. Dies geht auf Balthasar Liebisch, den Ahnen der Familie Liebisch, zurück. Nach alter Zählung trug der Hof die Nr. B6. Linker Nachbar war der Bauer B5 Fut-Ramsch (Nr. 41); rechter Nachbar war der Franz-Bauer B7 (Nr. 49).

Wenn auch der Name Liebisch nach alter Tradition seit „uralter Zeit“ als Besitzer dieses Hofes gilt, so wird doch in der Liste von 1654 als Besitzer Johann Marschner genannt. Wie dieser Name in die Hofgeschichte zu integrieren ist, bleibt trotz Kenntnisse der Grundbücher unklar.

Die Familie Liebisch tritt das erste Mal in den Kirchenbüchern auf mit einer Eintragung zum Jahr 1624. Demnach wurde am 14.03.1624 Baltzer Liebisch, Bauer allhier getauft, sein Vater Michael Liebisch, Bauer, die Mutter Eva; 43 Jahr geheiratet, 5 Kinder: 2 Söhne und 3 Töchter (219). Leider sind die Kinder nicht namentlich genannt.

Das Urbar von 1668 nennt als Besitzer der Wirtschaft B5 Baltzer Liebisch. Die fortlaufende Ahnenliste beginnt mit jenem Baltzer Liebisch, dem von 1656 bis 1666 4 Kinder geboren werden. Die Mutter hieß eventuell Veronika, die am 24.03.1720 im Alter von 87 Jahren starb (290).

Bei der Hochzeit des 1664 geborenen Sohnes Baltzer 1689 in Hainspach (22) wird der Vater 1689 in den Kirchenbüchern erstmals Bauer genannt.

ermittelte Größe

Acker 14,1 ha / Wald 20,1 ha / Wiese 6,06 ha / Weide 6,17 ha / Teich 1,06 ha / Weg 0,75 ha / Haus 0,16 ha / Gesamt 48,38 ha

Unveränderte ursprüngliche Bauernwirtschaft (Selbstauskunft 49 ha), jetzt 48,385 ha. Vielleicht gehörte der Lipsche Teich mit 1.059 ha nicht zur Flur.

Grundbuch

23.07.1725 Hans Christoph Liebisch kauft das 4rüthige Bauerngut von seinem Vater Baltzer Liebisch, genannt werden Bruder Baltzer und Schwestern Elisabeth und Anna Maria

01. 07.1764 Joseph Liebisch kauft seines Vaters Christoph Liebisch in Oberschönau gelegene 4rüthige Bauerngut, zwischen Joseph Hülle und Hans Georg Meuer gelegen.

Das Grundbuch von 1830 enthält keine Eintragungen zu diesem Hof.

Zur Geschichte der Landwirtschaft und der Hofgebäude

Die Liehrchronik berichtet:

1813 war in Schönau ein Brand ausgebrochen, bei grossem Sturm. Der Bauer Pietschmann in Oberschönau hatte Flachs im Backofen gedorrt. Der war zum Brennen gekommen. Da brannten 13 Häuser ab, darunter 3 Bauern. Strobach, Hille Philipp und Anton Liebisch. Liebisch hat sein Bauernhaus über die Strasse hinausgebaut, die andern zwei sind auf dem alten Platz.

Der alte Standort des Hofes zeichnet sich in der Flureinteilung nicht mehr ab.

Brand 1866 / 1867

1866 brannte der Bauernhof No 42, Besitzer Lorenz Liebisch, ddurch Brandstiftung erneut und vollständig nieder. Beim Wiederaufbau hat sich ein Zimmermann, der wegen seiner Unehrlichkeit nicht beschäftigt werden konnte, geäußert: „Baut nur zu – Ihr baut bald wieder auf“ und hat das Haus 1867 erneut in Brand gesetzt. Als ein sinnvolles Zeichen der damaligen Haus-Justiz folgende Episode: Großmutter Liebisch-Veronika nimmt einen Korb mit Lebensmittel und schafft sie zu dem Brandstifter mit den Worten: „Dou hott‘r wos zun Laben – ober etz losst uns ock ei Ruh‘“ „Da hast Du was zum Leben – aber jetzt lass uns aber in Ruhe“.

Zum Neubau im Jahr 1866 liegen Bauunterlagen vor. Die Gebäudezeichnung der vorderen Ansicht zeigt das Hauptgebäude von Süden. Die nördliche Ansicht zeigt dieses Foto. Ganz sind Foto und Bauzeichnung nicht in Übereinstimmung zu bringen. Eventuell ist der Wiederaufbau 1867 nicht völlig identisch gewesen mit dem Neubau im vorangegangenen Jahr.

Zwei weitere Fotos zeigen das Hauptgebäude anläßlich einer Hochzeit im Winter.

Die Familie Liebisch wirtschaftete auf diesem Hof ohne Unterbrechungen bis zum Jahr 1945.

Zum Hof gehört ein Wegekreuz. Wann es errichtet wurde, ist bislang un bekannt. Die ursprüngliche deutsche Inschrift ist nicht überliefert. Seit geraumer Zeit ist das Kreuz restauriert und trägt folgende Inschrift:

„Svět kolem tebe právě teď se mění, jakoby uniknout chtěl svému stvořiteli. A tento kříž v něm malé zastavení, je tu i pro tvé oči, kdyby na krásu světa zapomenout chtěly.“

„Die Welt um dich herum verändert sich gerade, als wolle sie ihrem Schöpfer entfliehen. Und dieses Kreuz ist ein kleiner Haltepunkt in ihr, es ist auch für deine Augen da, falls sie die Schönheit der Welt vergessen sollten.“

Ehepaar Liebisch, Eltern von Johann Liebisch sn. Bandel-Lieb’sch

siehe diesen unter: