Hille Familie

Heimat- und Ahnenforschung in Nordböhmen und darüber hinaus

Groß Schönau Nr. 116 – Gretschel-Strobach

Das Umgebindehaus Groß Schönau 116 gehörte zu den beeindruckendsten Umgebindehäuser des Ortes. Es wurde von meinem Verwandten Fritz Strobach als das Stammhaus der Familie Strobach bezeichnet. Eine weitere Bezeichnung des Hauses war „Beim Kleinen Johann“, was sich vermutlich auf den letzten Besitzer bezog.

Schönau 116 gehörte zu den Auhäusern, jenen Häusern, die im mittelbaren Umfeld des Dorfbaches standen und keine Landwirtschaftsanwesen waren. Bei der Einführung der frühesten Hausnummer 1740 erhielt es die Nummer H64. Wann es jedoch errichtet wurde, ist nicht bekannt. Im Urbar von 1668 gibt es keine Lßner und im Urbar von 1677 werden keine Häusler aufgeführt.

Ältester namentlich bekannte Besitzer war der Häusler und Schuhmacher Zacharias Lißner, der im Kataster von 1718 unter H84 als Schuhflicker und Spinner genannt wird und im Jahr 1728 mit 50 Jahren starb. Zacharias Lißner war drei mal verheiratet. Aus den Ehen stammten 12 Kinder, von denen die meisten jedoch im Kleinkindalter oder unverheiratet starben. Allein beim 1705 geborenen Sohn Zacharias heißt es im Mannschaftsbuch 1751, dass er Vagabund sei. Zum Schicksal seiner vier nicht jung verstorbenen Geschwister ist nichts bekannt.

1739 erwirbt Hans Christoph Frentzel das Haus. Der ist wenig später, als er das Haus 1744 an Hans Jacob Zimmer verkauft, herrschaftlicher Schloßtorwächter in Hainspach. Zu seiner Familie habe ich bislang nichts herausbekommen. Hans Jacob Zimmer stammte aus Niederschönau und war ein Sohn des Häuslers und Zimmermanns Hans Zimmer und dessen Frau Anna Hille, einer Tochter vom Häusler Christoph Hülle in Schönau.

Die Familie von Hans Jacob Zimmer bleibt die nächsten Jahrzehnte Eigentümer des Hauses, bis wenigstens 1820, als die Familie von Franz Josef Zimmer im Mannschaftsbuch aufgeführt wird.

Bei verschiedenen Kaufverträgen wird die Lage des Auhausse beschrieben: Demnach grenzte es 1744 an Maria Baltzer Lißnerins Garten und den Häusern von Heinrich Salm und Gottfried Fischer. 1790 werden als Nachbarn genannt: Frantz Herrmanns Garten, und zwischen Johann Petters und Joseph Hilles Grund und Boden gelegen.

Schönau Nr. 116 und die Familie Strobach

Die Familie Strobach ist ab ca. 1860 in diesem Haus nachweisbar. Die Eheleute Johann und Magdalena Strobach lebten bis dahin in Schönau Nr. 108 und bekamen dort ihre drei Kinder. Schönau Nr. 108 ist eine Bauernwirtschaft, vulo Sal’n-Hons. Demnach wird die Familie Strobach dort als Inwohner, also Mieter, gewohnt haben. Johann Strobach (I.) stammte aus Schönau Nr. 120, wo er im Jahr 1821 als Sohn des Gärtners Johann Strobach und seiner Gattin Agnes geb. Hille, geboren wurde. Gestorben ist Johann I bereits im Jahr 1881 mit gerade 60 Jahren. Im Jahr 1850 heiratete Johann Strobach die aus Wölmsdorf stammende Magdalena, eine Tochter von Anton Wahl, Zimmermann in Wölmsdorf 39, und seiner Gattin Elisabeth, die wiederum eine Tochter von Georg Marschner, einem Weber in Hainspach Nr. 110, war.

1866, oder etwas früher, zog sein Bruder Bernard Strobach mit seiner kleinen Familie ebenfalls in dieses Haus. Zuvor wohnten sie in Schönau Nr. 143, wo auch ihre älteste Tochter Amalie, später verheiratete Hampel, geboren wurde. Schon 1874 war Bernard Strobach jedoch schon wieder ausgezogen und wohnte dann in dem in jenem Jahr neu errichteten Haus Schönau Nr. 367.


Aus der Zeit um 1900 sind wir gut unterrichtet über das Aussehen des Hauses, da es ein ausgezeichnetes Foto gibt, das das Umgebindehaus vor seiner grundlegenden Erneuerung zeigt. Wir erkennen ein einschichtiges Umgebindehaus mit vier Umgebindebögen an der Giebelseite und zwei Bögen an der Traufenseite, eine Eingangstür mit Oberlichter (?). Ob daran anschließend ein weitere Umgebindebogen vorhanden war, ist nicht mit letzter Sicherheit zu entscheiden. Ganz rechts dann die Scheune. Das Dachgeschoß besaß am Giebel zwei Kammern. Beeindruckend insgesamt das strohgedeckte Dach, über dem Eingangsbereich eine schmale Reihe kleiner Dachfenster. Zur Nutzung des Daches kann leider nur spekuliert werde.

Wir haben lange überlegt, wer die Personen auf dem Foto sind. Das Foto ist nicht datiert, wann der Umbau erfolgte, ist nicht überliefert.

von links: unbekannt – vielleicht Johann Strobach II (welcher um 1918 starb), dessen Frau Magdalena Strobach, geb. Schrömel aus Rosenhain, Johann Strobach III, Magdalena Hille, deren Tochter Anna.

Foto von Nr. 116, nach dem Umbau

Basierend auf den im Zensus von 1921 genannten Einwohnern von Schönau Nr. 116 gibt es folgende Rekonstuktion:

von links: Anna Dittrich, geb. Strobach; deren Tochter Elisabeth, verh. Hentschel; Magdalena Strobach, geb. Schrömel; Marie Strobach, geb. Wenschuh aus Schönau 53; dann deren Kinder Marie Strobach, verh. Seidlich, und Johann Strobach IV; der Vater Johann Strobach III; Magdalena Hille und deren Tochter Anna. Die Person ganz rechts konnte bislang nicht identifiziert werden.

Johann Strobach III und seine Frau Marie, geb. Wenschuh, aus Wölmsdorf bei Ihrer Hochzeit am 26.07.1913.


die Hochzeit fand am 26.07.1913 in Schönau statt. Zeuge waren Josef Muche, ein Verwandter, der zuletzt auch in Nr. 116 gewohnt hat, und Josef Dittrich aus Nr. 26. Das war der Schwager des Bräutigams und Vater von Elisabeth Hentschel.

Interpretation der Personen: Neben der Braut steht der Schwager Josef Dittrich und neben dem Bräutigam dessen Schwester Anna. Zwischen den sitzenden Strobach Großeltern dann die Tochter von Josef und Anna Dittrich: Elisabeth.



Die Eltern Johann Strobach III und seine Frau Marie, geb. Wenschuh, sowie dazwischen stehend die beiden Kinder Johann IV und Marie, verh. Seidlich.

Ansicht im Jahr 1985

Im Jahr 2009

Im Jahr 2026